# taz.de -- Kabinett billigt höheren Mindestlohn: 15 Euro wären dann doch zu viel
> Die SPD feiert die Erhöhung der Lohnuntergrenze auf bis zu 14,60 Euro.
> Grünen und Linken ist das zu wenig. Die Mindestlohnkommission steht in
> der Kritik.
(IMG) Bild: Na dann Prost auf die 14,60 Euro Mindestlohn, zumindest für die Arbeitgeber:innen
Berlin afp | Das Bundeskabinett hat die kräftigste [1][Erhöhung des
gesetzlichen Mindestlohns] seit seiner Einführung vor zehn Jahren
beschlossen. Die am Mittwoch gebilligte Verordnung sieht vor, dass die
Lohnuntergrenze in zwei Schritten angehoben wird: zum Jahreswechsel von
derzeit 12,82 Euro auf 13,90 Euro und zum 1. Januar 2027 weiter auf 14,60
Euro. Insgesamt wird der Mindestlohn damit um 13,9 Prozent angehoben –
Grüne und Linken kritisierten die schrittweise Erhöhung.
Die [2][unabhängige Mindestlohnkommission] hatte die Anhebung im Juni
empfohlen, das Kabinett setzte die Empfehlung nun per Rechtsverordnung um.
Laut Bundesarbeitsministerium profitieren rund sechs Millionen
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von der Erhöhung.
„Mit der zweistufigen Anhebung bekommen Millionen Beschäftigte spürbar mehr
für ihre Arbeit – und die Unternehmen können die steigenden Kosten
verantwortungsvoll über zwei Jahre verteilen“, erklärte
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) nach dem Kabinettsbeschluss. Dies
sei „ein wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit und Anerkennung derer,
die unser Land Tag für Tag am Laufen halten“. Bei der Anhebung um fast 14
Prozent handle es sich um „die größte sozialpartnerschaftlich beschlossene
Lohnerhöhung seit Einführung des Mindestlohns“.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach von einer „deutlichen Erhöhung“,
die „trotz der immer gleichen Widerstände“ durchgesetzt worden sei. Die SPD
erwarte weitere Steigerungen in Zukunft, machte der Generalsekretär klar.
„Beim sozialpartnerschaftlich verhandelten Mindestlohn geht es immer um
eine Lohnuntergrenze“, sagte Klüssendorf der Nachrichtenagentur AFP. „Wir
hören nicht auf, für bessere Löhne zu kämpfen.“
## Viel zu wenig für Grüne und Linke
Kritik an der schrittweisen [3][Anhebung der Lohnuntergrenze] kommt
hingegen von der Opposition. „Ein Mindestlohn von 13,90 Euro in 2026 ist
viel zu wenig“, sagte der Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch AFP. „Wer
arbeitet, muss davon nicht nur überleben, sondern gut leben können.
Stattdessen müssen Hunderttausende mit Sozialleistungen wie Wohngeld und
Bürgergeld aufstocken, um über die Runden zu kommen.“
Audretsch forderte die Bundesregierung auf, die Mindestlohnkommission zu
reformieren, um so für eine höhere Entlohnung derer zu sorgen, „die
tagtäglich im Niedriglohnsektor unsere Gesellschaft am Laufen halten“.
„Eine echte Entlastung für die von der Inflation gebeutelten Menschen wird
also in die ferne Zukunft verschoben“, kritisierte auch
Linken-Fraktionschef Sören Pellmann. Diese bräuchten aber gerade jetzt
spürbare Lohnsteigerungen. „Auch die schon heute konstant wachsende Zahl
von Menschen, die trotz lebenslanger Arbeit eine Armutsrente erhalten, wird
sich aufgrund dieses unzureichenden Beschlusses nochmals erhöhen“, warnte
er.
## Umstrittene Mindestlohn-Kommission
Die Mindestlohn-Kommission besteht aus je drei von den Arbeitgebern und den
Gewerkschaften entsandten Vertreterinnen und Vertretern, einer Vorsitzenden
und zwei beratenden Mitgliedern aus der Wissenschaft. Gesetzlich geregelt
ist, dass das Gremium alle zwei Jahre einen Vorschlag zur Anpassung des
Mindestlohns vorlegt, den die Bundesregierung dann durch eine
Rechtsverordnung verbindlich machen kann – aber nicht muss.
Die Empfehlung zur nun vom Kabinett beschlossenen Erhöhung hatte die
Kommission einstimmig getroffen. Die Kommissionsvorsitzende Christiane
Schönefeld warnte bei Bekanntgabe der Empfehlung im Juni zugleich vor
„Versuchen der politischen Beeinflussung“ – diese seien mit der gewollten
Unabhängigkeit der Mindestlohnkommission „nicht vereinbar“.
In ihrem Koalitionsvertrag hatten SPD und Union formuliert, dass „ein
Mindestlohn von 15 Euro im Jahr 2026 erreichbar“ sei, die konkrete Höhe
legt die unabhängige Mindestlohnkommission fest. Aus der SPD kamen aber in
den vergangenen Wochen Rufe, die 15 Euro notfalls auch über einen
politischen Beschluss durchzusetzen und damit die Kommission zu umgehen.
Davor warnte nun erneut die Union. Die Sozialpartner in der
Mindestlohnkommission hätten mit ihrer Empfehlung „bewiesen, dass sie auch
in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verantwortungsbewusst handeln“,
erklärte der arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, Marc
Biadacz (CDU). Dies zeige: „Wir brauchen auch künftig keinen politischen
Mindestlohn.“
29 Oct 2025
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