# taz.de -- Neue Grundsicherung: Viele Schikanen, aber eine gute Sache
> Zwischen vielen Daumenschrauben findet sich eine richtige Maßnahme: Der
> Staat will gegen überhöhte Mieten vorgehen. Aber auch hier gibt es Haken.
(IMG) Bild: Ist beim Thema Mieten partiell vernünftig: Arbeitsministerin Bärbel Bas
Es ist nicht alles schlecht an der Reform des Bürgergelds, das künftig
nicht mehr Bürgergeld heißt. Grundsätzlich gehen die Pläne für die „Neue
Grundsicherung“, die Schwarz-Rot gerade nach und nach konkretisiert, zwar
in die falsche Richtung. Die Koalition will Bedürftigen [1][schon
gravierende Sanktionen aufdrücken], wenn sie nur einmal nicht funktionieren
wie gewünscht. Lehnen sie auch nur eine einzige Stelle ab, stehen sie ganz
ohne Geld da. Und das aus reiner Lust am Strafen: [2][Laut einem
Gesetzentwurf], der jetzt innerhalb der Regierung abgestimmt wird, rechnet
das Sozialministerium noch nicht mal mit nennenswerten Einsparungen.
Zwischen den Schikanen findet sich aber zumindest eine richtige Maßnahme:
Die Mietpreisbremse soll in Zukunft auch für Wohnungen von Menschen in der
Grundsicherung gelten. Beim Bürgergeld ist das bislang nur auf dem Papier
der Fall.
Die Mehrheit der Leistungsberechtigten bekommt die Miete schließlich
komplett vom Jobcenter bezahlt. Wird die Wohnung billiger, spart der Staat,
sie selbst haben aber keinen Cent mehr. Warum sollten sie sich also bei den
Vermieter*innen beschweren oder gar wegen einer überhöhten Miete
klagen? Sich zu wehren, kostet Mühe – die Regeln der Mietpreisbremse muss
man erst mal verstehen. Und es birgt Risiken – bis hin zur Entmietung auf
Umwegen. Schön blöd, wer das ohne Anreiz auf sich nimmt.
Nach Angaben aus dem Sozialministerium soll die Reform hier ansetzen. Zahlt
ein Grundsicherungsempfänger eine überteuerte Miete, soll ihn im ersten
Schritt das Jobcenter zu einer Beschwerde bei den Vermieter*innen
auffordern. Stellen diese sich stur, muss sich nicht der Betroffene weiter
damit herumschlagen. Das Amt zahlt ihm zunächst weiter die vollen
Mietkosten und geht an seiner Stelle in den Rechtsstreit um die Höhe.
Wenn man so will, nimmt die Regierung den Kampf gegen Sozialmissbrauch
damit einmal an der richtigen Stelle auf: bei Immobilieneigentümer*innen,
die sich rechtswidrig an Sozialleistungen bereichern, statt einfach
arbeiten zu gehen.
Zwei Haken hat die Sache aber leider. Erstens steigt der Aufwand für die
Jobcenter, die Miethöhen umfangreicher prüfen und neue Gerichtsverfahren
führen müssen. Erhalten sie dafür nicht mehr Mittel, müssen sie an anderer
Stelle sparen – zum Beispiel bei Fördermaßnahmen für Arbeitslose.
Zweitens wird es Leistungsberechtigte geben, die überteuerte Mieten trotz
der neuen Pflicht nicht beanstanden, sei es aus Überforderung oder aus
Angst. Die Regierungspläne sehen vor, dass sie die zu viel verlangte Miete
künftig selbst zusammenkratzen müssen. Was ihnen, aber auch allen anderen
Mieter*innen helfen würde: [3][eine schärfere Mietpreisbremse, inklusive
Bußgeldern,] die Vermieter*innen von vornherein vom Abzocken
abschreckt.
19 Oct 2025
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