# taz.de -- Illegale CDU-Spenden in Rheinland-Pfalz: Als Kuckucksei untergeschoben
       
       > Eine Spende des Geheimagenten Werner Mauss an die CDU wurde verschleiert.
       > Das bringt Julia Klöckners Partei in Erklärungsnot.
       
 (IMG) Bild: Steht derzeit in Bochum wegen Steuerhinterziehung vor Gericht: Ex-Agent Werner Mauss
       
       Mainz taz | Geheimagent Werner Mauss, der derzeit in Bochum wegen
       Steuerhinterziehung vor Gericht steht, hat die CDU in Rheinland-Pfalz mit
       insgesamt 82.000 Euro unterstützt. Was bislang nur eine Vermutung war, hat
       der Münchner Mauss-Anwalt Gero Himmelsbach jetzt bestätigt.
       
       Über die Erfurter Rechtsanwaltskanzlei Hansen ließ der mittlerweile
       76-jährige Exagent der Partei Jahr für Jahr Spenden zukommen. Ohne
       Gegenleistung und aus versteuertem Einkommen, versichert Himmelsbach. Die
       Ankläger im Bochumer Prozess gehen allerdings davon aus, dass die Gelder
       aus hinterzogenem Vermögen stammen.
       
       Damit gerät die rheinland-pfälzische CDU einmal mehr wegen zweifelhafter
       Geldgeschäfte unter Druck. Erinnerungen an die Affären der Vergangenheit
       werden wach. Da war ein CDU-Geschäftsführer, der Bordellbesuche mit einer
       dienstlichen Kreditkarte bezahlt hatte. Oder die Millionenstrafe, die der
       Landesverband zahlen musste, weil ein Landesvorsitzender staatliche
       Fraktionsgelder für die Partei verwendet hatte. Und nun also der geheime
       Zufluss von einem Exagenten, der 5 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben
       soll.
       
       Noch zu Wochenbeginn hatte die CDU Verbindungen zwischen ihr und Mauss ins
       Reich der Spekulation verwiesen. Am Freitag schaltete sie auf
       Schadensbegrenzung um. Per Mail bat sie in die Mainzer Parteizentrale. Dort
       gab es allerdings lediglich eine schmallippig und stotternd vorgelesene
       Erklärung von CDU-Landesgeschäftsführer Jan Zimmer, bei der vieles offen
       blieb. Zimmer räumte nur ein, dass die im Jahr 2010 als Spende der
       Anwaltskanzlei Hansen verbuchten 18.500 Euro von einem „unbekannten
       Dritten“ stammten. Es handle es sich deshalb um eine illegale Spende; man
       habe das Geld inzwischen an den Bundestagspräsidenten abgetreten.
       
       Zimmer verbat sich Nachfragen. Bei seinem stürmischen Abgang aus dem Raum
       schwenkten die Kameras auf ein Bild neben dem Ausgang. Dort prangt ein
       großes handsigniertes Foto von Helmut Kohl. Der hatte sich mit Geld
       Einfluss und Gefolgschaft in seiner Partei gesichert, und für dieses
       Schmiermittel aus gelegentlich trüben Quellen das Wort „Bimbes“ geprägt.
       
       ## Der Landesverband hat nichts gewusst
       
       Ein schuldhaftes oder fahrlässiges Versagen kann der CDU-Landesverband
       indes nicht erkennen: Man habe die Spende gutgläubig angenommen und nichts
       über deren Quelle gewusst. Doch das ist allenfalls die halbe Wahrheit.
       Nicht nur die Bochumer Anklageschrift, sondern auch Indizien sprachen seit
       langem für Mauss als den Wohltäter. Der allergeheimste Agent, der mit
       nahezu allen Gaunern dieser Welt verhandelt und sogar ein Mordkomplott
       gegen Papst Benedikt XVI. verhindert haben will, war nämlich ein
       großzügiger Freund der rheinland-pfälzischen CDU.
       
       Als zu Wochenbeginn Meldungen über Mauss-Spenden an den CDU-Kreisverband
       Cochem/Zell die Runde machten, hatte die Kreisvorsitzende Anke Beilstein
       noch dementiert. Ihr Verband habe keine Großspenden erhalten. Am Donnerstag
       legte sie dann doch eine Liste von sieben Zuwendungen über insgesamt 63.500
       Euro vor, allesamt von der Anwaltskanzlei Hansen überwiesen.
       
       Mit Beträgen zwischen 8.000 und 9.500 Euro jährlich seien die Einzelspenden
       an den Kreis jeweils knapp unter der Berichtspflicht des Parteiengesetzes
       geblieben. Deshalb habe man vor der Veröffentlichung zunächst die
       Zustimmung der Spender einholen müssen, sagte Beilstein zur taz. Die
       Spenden seien jeweils gutgläubig und rechtmäßig verbucht worden – als
       Spenden von Rechtsanwalt Hansen. Allerdings hatte es auf den
       Überweisungsträgern weitere Hinweise gegeben. „In der zweiten Zeile“ seien
       Begriffe aufgeführt, die der Partei erst jetzt aufgefallen seien, räumt
       Beilstein ein. So stand am 24. Februar 2014 auf dem Überweisungsformular
       das Wort „Mandant“. Da hätten alle Alarmglocken schrillen müssen. Wenn ein
       Rechtsanwalt für einen nicht genannten Mandanten mehr als 500 Euro an eine
       Partei überweist, handelt es sich immer um eine illegale, weil anonyme
       Spende.
       
       Noch brisanter: In den Jahren 2011, 2012 und 2015 notierte die
       Anwaltskanzlei auf der Überweisung „Nolilane“. Unter diesem Firmennamen
       betreibt Mauss alias Richard Nelson eine in Panama registrierte Firma, die
       als Eigentümerin des großen Anwesens nebst Gestüt eingetragen ist, in dem
       er residiert. Unter diesem Firmennamen hat Mauss offenbar auch mit Behörden
       verhandelt. Mit seiner Wohnortgemeinde schloss „Nolilane“ zum Beispiel
       einen „Sponsoringvertrag“ ab: Die Firma zahlte danach 12.000 Euro für eine
       Wasserleitung zum Sportplatz, die Gemeinde gestattete im Gegenzug den Bau
       einer Straße zu dem Mauss'schen Anwesen auf Gemeindegelände. „Jeder wusste,
       dass der Herr Nelson der ehemalige Geheimagent war“, sagte CDU-Kreischefin
       Beilstein, der Name „Nolilane“ sei jedoch niemandem aufgefallen.
       
       ## Der CDU drohen Strafzahlungen
       
       Auch nicht dem ehemaligen Kreisvorsitzenden Peter Bleser, der
       Landesschatzmeister seiner Partei ist? Als Vorsitzender der
       CDU-Landesgruppe im Bundestag und Agarstaatssekretär gehört er zu den
       Promis der Partei. Auf dem Überweisungsträger vom 15. März 2013 über 9.500
       Euro vermerkte das Anwaltsbüro Hansen: „Wahlkampf Peter Bleser“. Hat er
       sich vom Exagenten sponsern lassen?, fragte ihn am Wochenanfang die
       Rheinzeitung. Bleser nannte die Unterstellung „unanständig“ und
       versicherte, das Geld stamme von Hansen.
       
       Die Abfolge der Spenden und die Bemerkungen auf den übrigen
       Überweisungsträgern legen jedoch nahe: Es war Mauss, der Blesers
       Bundestagswahlkampf förderte. Ist es glaubhaft, dass der Agent dem
       Wahlkämpfer das Geld gleichsam als Kuckucksei untergeschoben haben könnte?
       Bleser hat der Rheinzeitung freimütig berichtet, er habe Nelson/Mauss
       einmal zusammen mit CDU-Landeschefin Julia Klöckner in seinem streng
       bewachten Anwesen aufgesucht. Man war also im Gespräch.
       
       Bleser ist als Landesschatzmeister für die Rechenschaftsberichte seiner
       Landespartei verantwortlich. Er weiß um die Tücken des Parteiengesetzes,
       das verdeckte Spenden unter Strafe stellt.
       
       Peter Blesers Büro verwies die taz am Freitag auf den Landesverband. Der
       blieb die Antworten jedoch schuldig. In der schriftlichen Erklärung werden
       lediglich die beiden illegalen Spenden an den Landesverband aufgeführt. Am
       Sonntag teilte die Kreisvorsitzende Beilstein der taz mit, inzwischen seien
       auch die Spenden an ihren Kreisverband an den Bundestagspräsidenten
       weitergeleitet worden, also auch die Spende für Blesers Wahlkampf.
       
       Nun drohen der CDU Strafzahlungen. Die Landesvorsitzende Julia Klöckner und
       ihr Schatzmeister haben also ein beachtliches Problem. Doch die Chefin hält
       sich bislang zurück, „für sie untypisch“, so SPD-Generalsekretär Daniel
       Stich.
       
       3 Oct 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christoph Schmidt-Lunau
       
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