# taz.de -- Illegale Zuflüsse von Geheimagent Mauss: Strafbefehl in CDU-Spendenaffäre
       
       > Ex-Staatssekretär Bleser wurde verurteilt, weil er illegale Spenden für
       > seine Partei annahm. Das Geld stammte von Ex-Geheimagent Werner Mauss.
       
 (IMG) Bild: Peter Bleser hat einen Strafbefehl wegen Untreue und Verstoßes gegen das Parteiengesetz  akzeptiert
       
       Franfurt/Main taz | Mehr als 30 Jahre lang saß Peter Bleser im Bundestag,
       war Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Landesgruppe der CDU, die unter
       Helmut Kohl als besonders mächtig galt. Von 2011 bis 2018 gehörte er als
       Parlamentarischer Staatssekretär in Berlin sogar der Bundesregierung an.
       Seit wenigen Tagen gilt Bleser als vorbestraft, weil er [1][illegale
       Parteispenden annahm.] Er hat in der vergangenen Woche einen Strafbefehl
       des Amtsgerichts Cochem wegen Untreue und Verstoßes gegen das
       Parteiengesetz akzeptiert, um eine Gerichtsverhandlung gegen ihn
       abzuwenden.
       
       Nach Überzeugung des Gerichts hat Bleser sechs Spenden in Höhe von
       insgesamt 56.000 Euro des ehemaligen Geheimagenten Werner Mauss illegal
       verbucht; sechs Mal habe er sich dabei der Untreue zu Lasten der CDU
       schuldig gemacht und zwei Mal gegen das Parteiengesetz verstoßen.
       
       Mauss, inzwischen 82 Jahre alt, war ab den 1960er Jahren als Privatdetektiv
       und Agent in vielen Kriminalfällen und politischen Affären international
       unterwegs, zum Teil auch im Auftrag von Regierungen und Behörden.
       
       Es war die enge Nachbarschaft im Kreis Cochem-Zell, die den schillernden
       Ex-Geheimagenten und den Bundestagsabgeordneten dann später
       zusammenbrachte. Mauss residiert seit Langem unter verschiedenen
       Alias-Namen auf seinem großzügigen Alterssitz mit Reithalle in Altstrimmig;
       Bleser lebt auf dem Hof seiner Familie in Brachtendorf in der Osteifel, auf
       der anderen Seite der Mosel. Beide sind ausgebildete Landwirte. Beide
       standen seit Jahrzehnten der örtlichen CDU nahe, Mauss als treuer Spender,
       Bleser als Berufspolitiker.
       
       ## Bleser versteht sich als Opfer
       
       Die Spendentradition wurde belebt, als Bleser 2006 zum Landesschatzmeister
       seiner Partei aufgestiegen war. Mauss, der bis dahin den CDU-Kreisverband
       unterstützt hatte, zeigte sich nun auch der Landes-CDU erkenntlich. Unter
       dem Namen von Rechtsanwälten und der Firma „Nolilane“, die Behörden dem
       Ex-Agenten zuordnen, flossen nach Berechnung der Staatsanwaltschaft
       insgesamt 56.000 Euro illegal in die CDU-Kasse. [2][Das flog 2016 auf.]
       
       Die Affäre um den Bimbes aus geheimen Quellen traf die damalige
       Landesvorsitzende Julia Klöckner unmittelbar nach dem Landtagswahlkampf,
       den sie gerade verloren hatte. Klöckner sorgte damals wohl dafür, dass ihr
       Landesschatzmeister Bleser sein Amt beim nächsten Parteitag verlor, dessen
       erneute Kandidatur zum Deutschen Bundestag konnte oder mochte sie indes
       nicht verhindern. Bleser gewann 2018 trotz der Bimbes-Affäre den Wahlkreis
       zum achten Mal in Folge, allerdings anders als in den Vorjahren mit knappem
       Vorsprung.
       
       Die Spenden und den dreifachen Betrag habe die CDU [3][als Strafe an den
       Bundestag zurückzahlen müssen], rechnet die Staatsanwaltschaft nun vor und
       erkennt deshalb auf Untreue zum Nachteil der CDU.
       
       Über den Betrag, den Bleser zur Strafe zahlen muss, wollten auf taz-Anfrage
       am Donnerstag sowohl das Gericht als auch die Staatsanwaltschaft keine
       Auskunft erteilen, „wegen der schutzwürdigen Interessen“ der Beteiligten,
       so die Staatsanwaltschaft. Der mögliche Strafrahmen für die festgestellten
       Verfehlungen hätte immerhin von Geldstrafe bis zu fünf bzw. drei Jahren
       Haft gereicht.
       
       Dem Trierischen Volksfreund erklärte Bleser, er habe den Strafbefehl zwar
       akzeptiert, aber keine Schuld eingestanden. Auch unmittelbar nachdem 2016
       die illegalen Spenden aufgeflogen waren, hatte sich Bleser so verteidigt:
       „Insofern sind wir, wenn Sie so wollen, Opfer“, hatte er damals vor
       Journalisten beteuert. Gegen vier weitere Beschuldigte wird nach wie vor
       ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft mit, ohne Namen oder Einzelheiten
       zu nennen.
       
       Das Konrad-Adenauer Haus gab sich am Donnerstag zu den aktuellen Vorgängen
       wortkarg. „Wir werden das nicht kommentieren, da wir nicht am Verfahren
       beteiligt sind“ erklärte der taz CDU-Sprecher Armin Peter, obwohl doch die
       Partei als die Geschädigte der Untreue gilt.
       
       Eine Sprecherin der CDU Rheinland-Pfalz erklärte: „Wir sind mit dem
       Verfahren unserer Pflicht nachgekommen, Vermögensverluste oder
       -schädigungen für die Partei so gering wie möglich zu halten.“ Sie fügte
       hinzu: „Seitens der Landespartei hat seither eine umfassende Aufklärung und
       Aufarbeitung stattgefunden, um derartige Fehler auszuschließen“.
       
       Aktualisiert am 04.08.2022 um 18:40 Uhr. Eine Angabe im Text zu
       Schadensersatzzahlungen ließ sich nicht bestätigen, die entsprechende
       Stelle wurde entfernt. Wir bitten, den Fehler zu entschulden. d. R.
       
       4 Aug 2022
       
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