# taz.de -- „Landesverrat“-Affäre um Harald Range: Mutiger Terrorjäger
       
       > Harald Range ist ein freundlicher älterer Herr. Mutig klagte er Beate
       > Zschäpe als Mittäterin des NSU an. Bei der NSA-Überwachung blieb er
       > vorsichtig.
       
 (IMG) Bild: Würden Sie diesem Mann ihre Enkel anvertrauen?
       
       Freiburg taz | Harald Range ist ein liebenswürdiger älterer Herr, dem man
       bedenkenlos seine Enkel anvertrauen würde. Freundlich, zugewandt, und wenn
       es sein muss, kann er auch mal streng sein. Seit 2011 ist er
       Generalbundesanwalt, das heißt, oberster Terror- und Spionage-Ermittler
       Deutschlands. Berufen hat ihn die damalige FDP-Justizministerin Sabine
       Leutheusser-Schnarrenberger. Zuvor war Range seit 2001 Generalstaatsanwalt
       in Celle.
       
       Als Range Generalbundesanwalt wurde, stand er sofort im Scheinwerferlicht.
       Eine Woche vor seinem Amtsantritt war die NSU-Mordserie bekannt geworden.
       Hätte er die Aufgabe abgelehnt, wenn er gewusst hätte, was da auf ihn
       zukommt? „Nein, jetzt erst recht, hätte ich gedacht“, sagte Range damals.
       
       Obwohl auch die Bundesanwaltschaft bei den Ermittlungen wegen der Mordserie
       keine gute Figur gemacht hatte, standen vor allem Verfassungsschutz und
       Polizei in der Kritik. Indem Range mehr Kompetenzen für seine Behörde
       forderte, positionierte er die Bundesanwaltschaft erfolgreich als Opfer der
       Umstände und der Rechtslage. Am Ende wurde der Generalbundesanwalt
       tatsächlich gesetzlich gestärkt und sein Zugriff auf Fälle der
       Länder-Staatsanwaltschaften verbessert.
       
       Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe klagte er als Mittäterin der
       Morde an und nicht nur als Gehilfin. Das war mutig. Der bisherige
       Prozessverlauf scheint ihm recht zu geben.
       
       Eher auf Samtpfoten war seine Rolle nach den NSA-Enthüllungen von Edward
       Snowden. Wegen der Massenüberwachung der deutschen Bevölkerung prüft er bis
       heute, ob er ermitteln will. Die mutmaßliche Überwachung von Kanzlerin
       Merkels Handy führte zwar zu Ermittlungen, doch diese wurden eingestellt,
       weil die Überwachung nicht bewiesen sei.
       
       Als Wikileaks Dokumente über die Überwachung anderer deutscher
       Regierungsstellen veröffentlichte, reichte ihm das nicht für einen
       Anfangsverdacht, denn die Dokumente könnten ja gefälscht sein. Nun ist
       Ranges Ranges Amtszeit beendet.
       
       5 Aug 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Rath
       
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