# taz.de -- Sondierungen in Berlin: SPD will mit Linken über Regierungsbildung sprechen
> Die SPD sieht hohe Hürden für eine Koalition mit der Linken unter Elif
> Eralp in der Hauptstadt. Die Grünen machen ihre Teilnahme von klaren
> Zusagen abhängig.
(IMG) Bild: Im SPD-Sondierungsteam: Derya Çağlar und Steffen Krach
dpa | Die Berliner SPD will mit der Linken über eine mögliche
Regierungszusammenarbeit sprechen. Der Landesvorstand habe einstimmig
beschlossen, die Einladung der Linkspartei zu Sondierungsgesprächen
anzunehmen, teilten die Sozialdemokraten am Samstagabend mit.
Dem Sondierungsteam sollen bis zu fünf Personen angehören: Darunter seien
die beiden Landesvorsitzenden Bettina König und Steffen Krach sowie Derya
Çağlar für die Fraktion. Hinzu kämen je nach Gesprächsthema bis zu zwei
weitere Mitglieder des geschäftsführenden Landesvorstands oder andere
Expertinnen und Experten der Partei.
## Linke als Wahlsieger
Die Linke war bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen
Sonntag mit 25,7 Prozent mit Abstand stärkste Kraft geworden. Ein Parteitag
hatte mit breiter Mehrheit beschlossen, Grüne und SPD zu Sondierungen für
ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis einzuladen. Die Linke [1][will mit
ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp erstmals die Regierende Bürgermeisterin
stellen]. Die SPD war bei der Wahl nur auf dem fünften Platz gelandet.
Sondierungsgespräche sind noch keine Koalitionsverhandlungen. Bei den
ersten Gesprächen stecken die Beteiligten ab, welche Punkte ihnen besonders
wichtig sind und ob Koalitionsverhandlungen überhaupt erfolgversprechend
wären.
## „Durchaus sehr hohe Hürden“
Krach hatte vor dem Linke-Parteitag betont, der Erfolg der Gespräche sei
nicht selbstverständlich. „Es gibt durchaus sehr hohe Hürden“, sagte er.
„Ehrlich gesagt, die letzten Tage waren jetzt auch nicht so, dass sie
absolut vertrauensbildend waren.“
Die Berliner Linke steht unter anderem wegen umstrittener Positionen von
Teilen der Partei zum Nahostkonflikt in der Kritik. Die Parteispitze hatte
Vorwürfe des Antisemitismus zurückgewiesen.
Rechnerisch möglich wäre auch ein Bündnis aus der auf den zweiten Platz
abgerutschten CDU mit Grünen und SPD. Krach hatte erklärt, er würde auch
mit der CDU sprechen, falls diese einlade. Die Grünen wollen nach
erfolgreichen Sondierungen einen kleinen Parteitag über den Einstieg in
Koalitionsverhandlungen entscheiden lassen.
## Grüne stellen Bedingungen für Koalition mit Linken und SPD
Vor den geplanten Sondierungsgesprächen für eine Koalition aus Linken,
Grünen und SPD in Berlin hat die Grünen-Bundesvorsitzende Franziska
Brantner Bedingungen gestellt. In einem Gespräch mit dem Magazin Der
Spiegel sagte Brantner zu einer möglichen Landesregierung in Berlin: „Ich
persönlich kann mir schwer vorstellen, dass die Linkspartei das Innen- oder
Justizressort führt, solange es in der Partei Menschen mit Verbindungen zur
organisierten Kriminalität oder zu extremistischen Kräften wie der
Volksfront zur Befreiung Palästinas, der PFLP, oder der Hamas gibt.“
Zu Forderungen im Wahlprogramm der Linken nach einer Abschaffung des
Verfassungsschutzes und Überlegungen zur Polizei, wonach diese „wo immer
möglich, durch soziale Arbeit ersetzt oder ergänzt werden“ solle, sagte
Brantner: „Da haben wir eine klar andere Position und Haltung: Wir werden
weder den Verfassungsschutz noch die Polizei abschaffen lassen, das ist für
uns nicht akzeptabel.“
## Bekenntnis zu Existenzrecht Israels
Zudem wies Brantner mit Blick auf das Existenzrecht Israels auch auf die
Beschlusslage der Linkspartei hin: „Daher ist es ja auch nicht zu viel
verlangt, dass dies die Grundlage einer Regierung sein muss, sich zum
Existenzrecht des Staates Israel zu bekennen und die Hamas als
Terrororganisation zu benennen.“
Die Berliner Linke hatte als Siegerin der Berlin-Wahl am Freitagabend auf
einem Parteitag beschlossen, Grüne und SPD zu Sondierungsgesprächen
einzuladen. Dabei soll geprüft werden, ob die Voraussetzungen für die
Aufnahme von Koalitionsverhandlungen vorhanden sind. Die Gespräche sollen
im Verlauf der kommenden Woche beginnen. Zunächst will die Linke getrennt
mit Vertretern der beiden anderen Parteien sprechen.
## Altbundeskanzler Scholz: Linke wird Kompromisse akzeptieren müssen
Der frühere SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz geht von Zugeständnissen der
Linken bei den geplanten Gesprächen aus. Er könne nicht alles vorhersehen,
was dabei rauskomme, sagte Scholz bei einem Bürgergespräch am Freitagabend
in Nuthetal in Brandenburg. „Auch welche Veränderungen die Linke für sich
akzeptiert. Das wird sie müssen.“
## Grüne bereit für Sondierungen – Team steht
Die [2][Berliner Grünen] teilten mit: „Wir sind bereit, baldmöglichst in
Verhandlungen einzusteigen.“ Bei einem ersten informellen Treffen mit den
Linken Mitte der Woche habe man deutlich gemacht, „dass eine Klärung über
Antisemitismus, Rassismus und gesellschaftlichen Zusammenhalt“
Grundvoraussetzung für Sondierungen sei.
Das Sondierungsteam besteht aus den beiden Spitzenkandidaten Werner Graf
und Bettina Jarasch und den beiden Landesvorsitzenden Nina Stahr und
Philmon Ghirmai. Später soll dann ein kleiner Parteitag über den Einstieg
in Koalitionsverhandlungen entscheiden. Nach den Verhandlungen stimmen die
Mitglieder über den Einstieg in die Koalition ab.
## Unionsfraktionschef: Berlin darf nicht in Hände der Linken fallen
Der Fraktionsvorsitzende von CDU/CSU im Bundestag, Thorsten Frei, warnte
die Grünen und die SPD vor einer Regierungszusammenarbeit mit der Linken.
„Die Berliner Linkspartei pflegt einen verstörend engen Kontakt zu
Judenhassern und Leuten aus dem Dunstkreis der organisierten Kriminalität“,
sagte Frei dem Kölner Stadt-Anzeiger.
„SPD und Grüne müssen auf ihre Landesverbände einwirken, damit sie nicht
auf Lockangebote hereinfallen.“ Berlin als Hauptstadt und Schaufenster
Deutschlands in aller Welt dürfe „nicht in die Hände der Linkspartei
fallen, die eine eklatante Gefahr für unsere Sicherheit darstellt.“
## Debatte um Antisemitismus
Seit dem Wahlsonntag [3][wird bundesweit heftig über Antisemitismus bei der
Linkspartei und Kontakte ins Clanmilieu diskutiert]. Die Debatte löste
große Skepsis auch bei den potenziellen Koalitionspartnern Grüne und SPD
aus. Beide Parteien forderten die Linke zu Klarstellungen auf, dass sie
gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens stehe.
Teile der Berliner Linke stehen wegen ihrer Positionen zu Israel und
Palästina und zum Antisemitismus schon seit längerem immer wieder in der
Kritik. Wirbel verursachte eine Wahlparty der Linken in Neukölln, bei der
sowohl ein Oberhaupt eines arabischstämmigen und zum Teil kriminellen Clans
als auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend waren. Er
soll der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) nahestehen, die von
der EU als Terrororganisation eingestuft ist.
Der Linke-Bundestagsabgeordnete aus Neukölln, Ferat Koçak steht unter
Druck, weil er freundschaftliche Chatnachrichten mit einem Sohn einer dem
Clanmilieu zugeordneten Großfamilie austauschte.
27 Sep 2026
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