# taz.de -- Zehn-Punkte-Plan gegen Sozialbetrug: Bas spricht von „mafiösen Strukturen“
> Die Bundesregierung hatte einen verstärkten Kampf gegen Sozialbetrug
> bereits angekündigt. Nun stellen die Minister*innen Bas und Dobrindt
> Konkretes vor.
(IMG) Bild: Bärbal Bas reiht sich ein, um in das organisierte Verbrechen eine Bresche zu schlagen
dpa | Die Bundesregierung will mit einem Zehn-Punkte-Plan [1][Missbrauch
von Sozialleistungen] wirkungsvoller bekämpfen. Bis Ende des Jahres soll er
umgesetzt werden, wie es in dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden
Aktionsplan heißt. Die Bild-Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.
Wie bereits im Koalitionsvertrag angekündigt, sollen Anreize reduziert
werden, in die Sozialsysteme einzuwandern. Groß angelegter
Sozialleistungsmissbrauch soll beendet werden. Ausbeuterische
Geschäftsmodelle mit sogenannten Schrottimmobilien sollen wirksamer
bekämpft werden können. Die Grundsicherung soll beendet werden, wenn jemand
mit vollstreckbarem Haftbefehl gesucht wird.
Der Plan wurde vom Sozialministerium unter Ressortchefin Bärbel Bas (SPD)
und dem Innenressort von Alexander Dobrindt (CSU) erarbeitet, wie es hieß.
Bas sagte: „Wir ermöglichen den Kommunen, besser gegen sogenannte
Schrottimmobilien vorzugehen.“ Hintermänner der organisierten Ausbeutung
würden stärker zur Verantwortung gezogen.
Für Deutschland mit seinem Bedarf an ausländischen Fachkräften sei die
Möglichkeit sehr wichtig, grenzüberschreitend in der EU unbürokratisch eine
Arbeit aufzunehmen, erklärte Bas. „Was aber nicht geht, ist, die
Freizügigkeit auszunutzen, um Menschen auszubeuten und ihre Not für
organisierten Missbrauch auszunutzen.“
## Organisierter Betrug
Dobrindt sagte der Welt: „Es ist gelungen, mit dem Bundesministerium für
Arbeit und Soziales einen harten Maßnahmenplan [2][gegen
Sozialleistungsmissbrauch] zu vereinbaren – wir zeigen klare Kante
gegenüber Sozialbetrügern.“ Sozialleistungen bekomme künftig nur noch, wer
sich als EU-Ausländer rechtmäßig fünf Jahre lang in Deutschland aufgehalten
habe, kündigte der Minister an.
Bas sagte, Datenaustausch werde verbessert, Schlupflöcher würden
geschlossen. Die Bundesagentur für Arbeit werde gestärkt, Arbeitgeber im
Fall von Schwarzarbeit in Haftung genommen.
Im Juni hatten die Innenminister von Bund und Ländern ein konsequenteres
Vorgehen gegen bandenmäßigen Sozialmissbrauch beschlossen. Hintergrund sind
vor allem Fälle, in denen Banden EU-Bürger aus Südosteuropa nach
Deutschland geholt und in Scheinarbeitsverhältnisse gebracht hatten, damit
sie als Aufstocker Anspruch auf Sozialleistungen erlangen. Im Fokus sind
etwa Bulgarien oder Rumänien.
Zum Teil wurden diese Menschen in sogenannten Schrottimmobilien
untergebracht. In vielen Kommunen etwa des Ruhrgebiets ist dieses Problem
seit Langem bekannt. Auch Razzien von Polizei und weiteren Behörden gibt
es. Doch oft können die Ämter bislang verhältnismäßig wenig dagegen machen.
## Im Zweifel auch enteignen
In einzelnen Bundesländern gibt es inzwischen mehr Kooperation zwischen
Polizei, Familienkassen, Jobcentern, Ausländerbehörden, Kommunen und
weiteren relevanten Stellen, um solch einen Missbrauch zu verhindern, wie
es von den Ländern heißt. Nach vom Bund auf den Weg gebrachten Änderungen
im Baugesetzbuch [3][sollen Kommunen Schrottimmobilien im Extremfall auch
enteignen können].
Bas hatte bereits Mitte vergangenen Jahres in einem Interview ein
verschärftes Vorgehen gegen Sozialmissbrauch angekündigt und auf
Negativbeispiele aus ihrer Duisburger Heimat verwiesen. Es gebe
„ausbeuterische Strukturen, die Menschen aus anderen europäischen Ländern
nach Deutschland locken und ihnen Mini-Arbeitsverträge anbieten“, sagte sie
damals. „Gleichzeitig lassen sie diese Menschen Bürgergeld beantragen und
schöpfen die staatlichen Mittel dann selbst ab. Das sind [4][mafiöse
Strukturen, die wir zerschlagen müssen].“
In dem Aktionsplan ist nun auch vorgesehen: Zuwanderer aus EU-Staaten mit
extrem geringem Beschäftigungsumfang sollen nicht mehr regelmäßig
aufstockende Leistungen beziehen können. Mittel der Kommunen gegen
Schrottimmobilien sollen gestärkt werden – der Plan nennt als Stichworte:
„Instandsetzungsgebote, Vorkaufsrecht, Enteignung, Nutzungsuntersagung“.
17 Sep 2026
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