# taz.de -- SPD-Chefin und Arbeitsministerin: Bärbel Bas tritt zurück
> Bärbel Bas tritt als Arbeitsministerin und als SPD-Chefin zurück. Sie
> begründete den Schritt unter anderem mit dem Tod ihrer Stieftochter.
(IMG) Bild: Tritt ihr Amt als SPD-Parteichefin ab: Bärbel Bas
dpa/rtr | [1][Bärbel Bas] tritt als Arbeitsministerin und als SPD-Chefin
zurück. Das erklärte sie in einer Mitteilung. Sie begründete den Schritt in
einer öffentlichen Mitteilung unter anderem mit dem Tod ihrer Stieftochter.
Der rheinland-pfälzische SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer wird
neuer Bundesarbeitsminister. Das bestätigte die SPD auf Anfrage von
Reuters.
Bas kritisierte, dass sie aus den Reihen des Koalitionspartners in dieser
für sie persönlich schwierigen Zeit kritisiert worden sei. SPD-Co-Chef Lars
Klingbeil bedauerte den Schritt in einer Erklärung und nannte die Angriffe
auf Bas unanständig.
Der Rücktritt von Bas ist ein weiterer Schlag für die schwarz-rote
Koalition. SPD und CDU hatten in den vergangenen Monaten deutlich an
Zustimmung verloren und bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland schwere
Niederlagen erlitten. Das CDU-Präsidium befindet sich gerade in einer
zweitägigen Klausur, Kanzler Friedrich Merz plant für Montag ohnehin eine
Pressekonferenz.
In der Union hatte es zuletzt Kritik am Arbeitsministerium gegeben, weil
dieses die am 1. Juli im Koalitionsausschuss verabredeten Vorhaben zur
Arbeitszeitflexibilisierung und Rente noch nicht vorgelegt hatte.
Allerdings befinden sich Gesetzentwürfe zum Arbeitsmarkt mittlerweile in
der Frühkoordinierung beim Kanzleramt.
Führende Unions-Politiker hatten Verständnis für Bas geäußert, die
vergangene Woche nicht am Koalitionsausschuss teilnehmen konnte – zuletzt
CSU-Chef Markus Söder am Sonntagabend in der ARD. Allerdings hatte es aus
unteren Reihen auch öffentliche Kritik an Bas gegeben. Die bisherige
Arbeitsministerin hätte am Dienstag beim Arbeitgebertag auftreten sollen.
Dort hatte es im vergangenen Jahr eine heftige Auseinandersetzung mit dem
Bund Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) gegeben.
## Persönlicher Schicksalsschlag als Grund
„Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit
brauche, um die Trauer zu verarbeiten“, schrieb Bas in ihrer Erklärung.
Diese Zeit wolle sie sich ausreichend nehmen. „Darüber hinaus muss ich
leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch
aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich
schwierigen Zeit weiter forciert wurden“, kritisierte sie.
„Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine
Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich
entschieden, beide Ämter aufzugeben“, erklärte Bas. „Deshalb habe ich
meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert,
dass ich mein Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege.
Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der
Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.“ Ihr
Bundestagsmandat werde sie aber weiter behalten.
SPD-Co-Chef Klingbeil äußerte sich betroffen. „Ich bin über die
Entscheidung von Bärbel Bas sehr traurig. Hinter den Ämtern sind wir alle
nur Menschen“, schrieb er. Er könne ihren Schritt persönlich
nachvollziehen. „Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer
waren unanständig. So was gehört sich nicht.“ Bas habe „mit klarem Kompass
und Geradlinigkeit“ Verantwortung übernommen und sich mit voller
Überzeugung für die Menschen in unserem Land eingesetzt.
Auch SPD-Fraktionschef Matthias Miersch betonte, dass Bas Haltung gezeigt
habe, auch wenn es unbequem wurde. Er begrüßte, dass sie ihr
Bundestagsmandat behalten wolle.
## SPD-Frauen pochen auf Frau an Spitze des Arbeitsministeriums
Die Bundesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen
(ASF) pochen auf eine Frau an der Spitze des Bundesarbeitsministeriums.
„Wir erwarten, dass die Nachbesetzung des Ministeriums mit einer Frau
erfolgt. Es gibt kompetente Frauen, die sowohl in die aktuellen
Gesetzgebungsverfahren eingearbeitet sind als auch Erfahrungen auf
Bundesebene haben“, sagten Ulrike Häfner und Carmen Wegge der „Rheinischen
Post“.
„Es gibt Frauen, die problemlos das Ministerium übernehmen können.
Postengeschacher zwischen Männern stellen wir uns entschieden entgegen“,
fügten beide hinzu. Sie stellten sich damit gegen die Entscheidung der
Parteispitze, dass der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident
Alexander Schweitzer Nachfolger der am Montagmorgen zurückgetretenen Bärbel
Bas werden soll. Die Partei hatte entschieden, dass es gleich viele Männer
und Frauen im Kabinett geben solle.
Bisher waren es vier Frauen und drei Männer. Die SPD muss auch die Frage
klären, ob es an der Parteispitze bei einer Doppelbesetzung bleiben soll.
Allerdings erhielt die Ernennung von Schweitzer auch Unterstützung von
SPD-Frauen, etwa von der stellvertretenden rheinland-pfälzischen
Landesvorsitzenden Doris Ahnen, die Schweitzer als „genau den Richtigen“
bezeichnete.
Die Erklärung von Bas im Wortlaut
„Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen und Kollegen,
heute wende ich mich mit einer sehr persönlichen Nachricht an Euch. Nach
dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche,
um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen.
Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe
auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für
mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden. Da ich momentan
nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und
Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide
Ämter aufzugeben. Deshalb habe ich meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler
Lars Klingbeil darüber informiert, dass ich mein Amt als Parteivorsitzende
mit dem heutigen Tag niederlege. Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler
gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu
entlassen.
Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen. Ich bin aber davon überzeugt,
dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums jetzt eine
starke Hausleitung verdient haben, die mit voller Kraft die anstehenden
Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt. Am Ende meiner Zeit als Ministerin
möchte ich vor allem eines sagen: Danke für die Unterstützung, die ich im
gesamten Haus erfahren habe.
Gleiches gilt für meine Partei. Die SPD wird die richtigen Schlüsse aus den
zurückliegenden Wahlen ziehen und wieder eine politische Kraft werden, die
unser Land in eine gute Zukunft führt. Die Weichen dafür sind u. a. mit dem
Konvent und dem Grundsatzprogrammprozess gestellt. Ich möchte mich an
dieser Stelle bei Lars Klingbeil und Matthias Miersch für die enge und
vertrauensvolle Zusammenarbeit und bei Euch allen in Partei und Fraktion
für die Unterstützung bedanken. Heute endet für mich ein Kapitel, aber
nicht die Geschichte. Denn was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir
getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen
hinterlassen. Danke, dass ich ein Stück dieses Weges mit Euch gehen durfte.
Nicht jeder Schritt war einfach. Nicht jede Entscheidung war leicht. Und
sicherlich ist nicht alles gelungen. Aber eines war für mich immer klar: Es
lohnt sich, für das einzustehen, woran wir glauben.
Im Deutschen Bundestag werde ich weiterhin die Bürgerinnen und Bürger
meines Wahlkreises Duisburg vertreten und hoffe sehr, bald wieder mit
voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können. Glück auf und Freundschaft.
Eure Bärbel Bas“
12 Oct 2026
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