# taz.de -- Regierungsbildung in Berlin: Linke, Grüne und SPD einigen sich auf Sondierungsgespräche
> Das Thema Antisemitismus steht einem Linksbündnis in Berlin nicht mehr im
> Wege. Vorgespräche gehen am Donnerstag in Sondierungen über.
(IMG) Bild: Steffen Krach (SPD) und Bettina Jarasch (Grüne) haben sich mit der Linken geeinigt. Im Hintergrund (natürlich links) Elif Eralp
Es war der von vielen fast nicht mehr erwartete Durchbruch. Was am späten
Mittwochabend noch als unbestätigte Nachricht durch das politische Berlin
waberte, ist nun so gut wie sicher. Linke, Grüne und SPD haben sich auf ein
gemeinsames Maßnahmenpaket zum Existenzrecht Israels und zum Schutz
jüdischen Lebens geeinigt. Damit steht den eigentlichen Verhandlungen über
ein Linksbündnis in Berlin nichts mehr im Wege.
Im Verlauf des Donnerstags wollen die drei Parteien die Details des Pakets
bekannt geben. Offenbar sollen Linke, Grüne und SPD jeweils eine
Vertrauensperson benennen, die klären soll, ob es sich bei einer
umstrittenen Äußerung einzelner Abgeordneter um Antisemitismus oder
legitime Israelkritik handelt.
Nötig geworden waren die Gespräche zum Thema Antisemitismus für SPD und
Grüne, weil auf der [1][Wahlparty der Linken in Neukölln] nicht nur
Clanchef Issa Remmo aufgetaucht ist, sondern auch Ibrahim Ibrahim, der als
Unterstützer der von der EU als Terrororganisation eingeordneten PFLP gilt.
Neben Ibrahim posierte auf der Wahlparty auch Vanessa Emde, die in Neukölln
ein Direktmandat für die Linke gewonnen hat. Dem Vernehmen nach soll die
Linkspartei der Forderung von SPD und Grünen zugestimmt haben, wonach Emde
der neuen Linksfraktion nicht angehören soll. Emde hatte auf einer
Kundgebung gesagt: „Es gibt kein Existenzrecht von Staaten“ – und damit
indirekt Israel das Existenzrecht abgesprochen.
## Nun steht das Thema Wirtschaft an
Drei mehrstündige Verhandlungsrunden haben Linke, Grüne und SPD gebraucht,
um sich beim Thema Antisemitismus zu einigen. Noch am frühen Mittwochabend
haben die 14 Verhandlerinnen und Verhandler das Haus der Statistik in Mitte
verlassen, ohne Einzelheiten zu nennen. „Morgen geht es weiter“, war das
einzige, was der grünen Fraktionschefin Bettina Jarasch zu entlocken war.
Alle drei Parteien sind nach den Gesprächen zum interreligiösen
Gottesdienst zum Gedenken der Opfer des Massakers der Hamas am 7. Oktober
gefahren.
Nun gehen die Vorgespräche direkt in erste Sondierungen über. Bereits am
Donnerstagvormittag soll über das Thema Wirtschaft gesprochen werden. Eine
wachsende Wirtschaft und die damit einhergehenden Steuereinnahmen sind für
Berlin mit seinem Milliardenloch im Haushalt von großer Bedeutung.
Der große Konfliktpunkt steht den Sondierern aber erst noch bevor. Beim
Thema Vergesellschaftung haben SPD und Linke schon im Wahlkampf rote Linien
gezogen. SPD-Spitzenmann Steffen Krach hatte erklärt, dass es mit ihm keine
Vergesellschaftung geben wird. Wahlsiegerin Elif Eralp dagegen hatte
betont, dass eine Koalition unter ihrer Führung große private
Wohnungsbestände vergesellschaften wird.
Bei der Wahl am 20. September hatte die Linkspartei mit 25,7 Prozent die
CDU mit 18,8 Prozent weit hinter sich gelassen. Die Grünen kamen auf 14,3
Prozent und die SPD auf 12,1 Prozent. Im neuen Abgeordnetenhaus hätte ein
Linksbündnis eine Mehrheit von 14 Sitzen. Eine Koalition aus CDU, Grünen
und SPD hätte dagegen nur eine knappe Mehrheit von 3 Sitzen.
8 Oct 2026
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(DIR) Uwe Rada
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