# taz.de -- Reform der Pflegeversicherung: Menschen aus dem Blick geraten
       
       > Die Debatte um die Pflegereform dreht sich vor allem ums Geld. Was es
       > bräuchte, wäre ein Paradigmenwechsel. Ein Blick ins Nachbarland Dänemark
       > lohnt.
       
 (IMG) Bild: Darum geht es, Pflege, Hand in Hand, von allen Seiten und gut finanziert
       
       Die Soziale Pflegeversicherung ist seit ihrer Einführung 1998 in der
       Unterfinanzierung. Das war auch von Anfang an so geplant: Die Idee war zum
       einen, Pflegebedürftige aus der Sozialhilfe herauszuhalten, und zweitens,
       eine Minimalversorgung zu gewährleisten und [1][möglichst viel Aufwand den
       Familien zu überlassen]. Das bedeutet in erster Linie: Ehefrauen, Töchter,
       Schwiegertöchter. Die [2][Pflegewissenschaftlerin Martina Hasseler] nannte
       die Pflegeversicherung entsprechend: „Irgendeine Frau macht das schon.“
       
       Der demografische Wandel ist mit Grund dafür, dass das System sich dem
       Bankrott nähert, aber auch die Frauen, die immer weniger einsehen, warum
       nur sie die Last tragen sollten. So wird angesichts der sich stets
       vertiefenden Milliardenlöcher von diversen Regierungen am Leistungskatalog
       herumgeschnibbelt, um die Pflege finanzierbar zu machen, also günstiger.
       Die Folge ist eine systematische Unterversorgung von Pflegebedürftigen.
       
       Denn wann immer es um die Reform der Pflegeversicherung geht, argumentieren
       Gesundheitsminister*innen – da ist [3][Carsten Linnemann] keine
       Ausnahme – mit den nackten bilanziellen Zahlen. Worum es nie geht, sind die
       Bedürfnisse der Gepflegten; um das Recht, im Alter und in der Krankheit
       würdig zu leben. Was es bräuchte, wäre ein Paradigmenwechsel, ein
       grundsätzlich neuer Ansatz, der die Menschen in den Blick nimmt. Gäbe es
       den politischen Willen, wäre das auch möglich.
       
       In Dänemark etwa gibt es keine Pflegeversicherung. Dort ist die Versorgung
       komplett steuerfinanziert und wird von den Kommunen getragen. Pflegende
       Angehörige werden in Dänemark auch nicht mit ein paar Rentenpunkten
       abgespeist, sondern können sich unter gewissen Voraussetzungen bei der
       Kommune anstellen lassen. Aber statt einer Reform, die diesen Namen
       verdient, macht die CDU mit ihrer Flickschusterei weiter, von der klar ist,
       dass sie langfristig nicht funktionieren wird. Das Ergebnis ist die
       schleichende Ausdünnung einer menschenwürdigen Grundversorgung.
       
       29 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Pflegende-Angehoerige-ueber-Pflegereform/!6190147
 (DIR) [2] https://www.martina-hasseler.com/about-me
 (DIR) [3] /Kuenftiger-Gesundheitsminister-Linnemann/!6199156
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frédéric Valin
       
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