# taz.de -- Reform der Pflegeversicherung: Menschen aus dem Blick geraten
> Die Debatte um die Pflegereform dreht sich vor allem ums Geld. Was es
> bräuchte, wäre ein Paradigmenwechsel. Ein Blick ins Nachbarland Dänemark
> lohnt.
(IMG) Bild: Darum geht es, Pflege, Hand in Hand, von allen Seiten und gut finanziert
Die Soziale Pflegeversicherung ist seit ihrer Einführung 1995 in der
Unterfinanzierung. Das war auch von Anfang an so geplant: Die Idee war zum
einen, Pflegebedürftige aus der Sozialhilfe herauszuhalten, und zweitens,
eine Minimalversorgung zu gewährleisten und [1][möglichst viel Aufwand den
Familien zu überlassen]. Das bedeutet in erster Linie: Ehefrauen, Töchter,
Schwiegertöchter. Die [2][Pflegewissenschaftlerin Martina Hasseler] nannte
die Pflegeversicherung entsprechend: „Irgendeine Frau macht das schon.“
Der demografische Wandel ist mit Grund dafür, dass das System sich dem
Bankrott nähert, aber auch die Frauen, die immer weniger einsehen, warum
nur sie die Last tragen sollten. So wird angesichts der sich stets
vertiefenden Milliardenlöcher von diversen Regierungen am Leistungskatalog
herumgeschnibbelt, um die Pflege finanzierbar zu machen, also günstiger.
Die Folge ist eine systematische Unterversorgung von Pflegebedürftigen.
Denn wann immer es um die Reform der Pflegeversicherung geht, argumentieren
Gesundheitsminister*innen – da ist [3][Carsten Linnemann] keine
Ausnahme – mit den nackten bilanziellen Zahlen. Worum es nie geht, sind die
Bedürfnisse der Gepflegten; um das Recht, im Alter und in der Krankheit
würdig zu leben. Was es bräuchte, wäre ein Paradigmenwechsel, ein
grundsätzlich neuer Ansatz, der die Menschen in den Blick nimmt. Gäbe es
den politischen Willen, wäre das auch möglich.
In Dänemark etwa gibt es keine Pflegeversicherung. Dort ist die Versorgung
komplett steuerfinanziert und wird von den Kommunen getragen. Pflegende
Angehörige werden in Dänemark auch nicht mit ein paar Rentenpunkten
abgespeist, sondern können sich unter gewissen Voraussetzungen bei der
Kommune anstellen lassen. Aber statt einer Reform, die diesen Namen
verdient, macht die CDU mit ihrer Flickschusterei weiter, von der klar ist,
dass sie langfristig nicht funktionieren wird. Das Ergebnis ist die
schleichende Ausdünnung einer menschenwürdigen Grundversorgung.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes haben wir
geschrieben, die Soziale Pflegeversicherung wäre 1998 eingeführt worden.
Richtig ist, dass sie 1995 eingeführt wurde. Das ist korrigiert.
29 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Pflegende-Angehoerige-ueber-Pflegereform/!6190147
(DIR) [2] https://www.martina-hasseler.com/about-me
(DIR) [3] /Kuenftiger-Gesundheitsminister-Linnemann/!6199156
## AUTOREN
(DIR) Frédéric Valin
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