# taz.de -- Rausschmiss wegen „Free Palestine“-Ruf: Es wird einsam um Ed Sheeran
       
       > Als er Macklemore aus seinem Programm warf, verließen alle anderen
       > Vorgruppen die US-Tour des britischen Stars. Ein US-Milliardär hatte
       > Druck auf ihn gemacht.
       
 (IMG) Bild: Aua! Ed Sheeran, alleine auf der Bühne
       
       ap | Nachdem der US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm der Tour des
       britischen Popstars Ed Sheeran (35) gestrichen worden war, [1][sagen nun
       auch alle anderen Vorgruppen ab]. Sheeran hatte auf Instagram erklärt, der
       Ausschluss Macklemores wegen propalästinensischer Äußerungen bei einem
       Konzert im US-Bundesstaat New Jersey sei eine alleinige Entscheidung der
       Veranstalter gewesen. Nur wenige Stunden später kündigten die irischen
       Musiker Aaron Rowe und Beoga, die dänische Band Lukas Graham sowie der
       US-Künstler Finneas – Bruder von Superstar Billie Eilish – an, aus
       Solidarität mit Macklemore auch auf ihre Auftritte zu verzichten.
       
       Macklemore sollte ursprünglich bei acht der zehn noch ausstehenden Konzerte
       von Sheerans US-Stadiontour auftreten. Rowe war als einer der Ersatz-Acts
       für Macklemore bei den verbleibenden US-Terminen vorgesehen. Beoga
       fungierte als Tourband des britischen Sängers. Finneas sollte Sheeran
       später im Jahr auf dessen Südamerika-Tour begleiten.
       
       Rowe und Beoga verwiesen in ihren Erklärungen auf die Geschichte ihres
       Heimatlandes. „[2][Wir sind Iren, die Kolonialismus verstehen]“, schrieb
       Beoga. Als Gründungsmitglieder der Bewegung „Irish Artists for Palestine“
       seien sie dem Einsatz für Gerechtigkeit verpflichtet.
       
       ## „Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden“
       
       Rowe bezeichnete Sheeran als einen Freund, der sein Leben verändert habe.
       „Aber als Iren wissen wir nur allzu gut über Genozid, erzwungene Hungersnot
       und gewaltsame Besatzung Bescheid“, erklärte er. Er könne nicht tatenlos
       zusehen, wie Milliardäre ihre Machtposition nutzten, „um die berechtigten
       Stimmen derjenigen zum Schweigen zu bringen, die sich äußern“.
       
       Finneas erklärte: „Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden,
       wenn sie sich für Unterdrückte einsetzen.“ Er stehe „an der Seite
       Palästinas und seiner Bevölkerung“. Anfragen der Nachrichtenagentur AP an
       Sheeran und die dänische Band Lukas Graham, die ebenfalls als Ersatz für
       Macklemore vorgesehen war, blieben zunächst unbeantwortet.
       
       Lukas Graham äußerte sich Sheeran gegenüber dankbar. Die Band sprach von
       einer „schwierigen Entscheidung“. „Geld gibt einem nicht das Recht, die
       Debatte zu bestimmen“, schrieb die Band. Der Kontostand eines Menschen
       dürfe nicht darüber entscheiden, wer sprechen dürfe oder welches Leid
       anerkannt werde. Die Äußerung bezog sich allem Anschein nach auf die Rolle
       des Milliardärs Robert Kraft beim Ausschluss Macklemores.
       
       ## Sheeran bezieht Stellung
       
       Sheeran schrieb in seinem Instagram-Beitrag am Dienstag, mehrere
       Veranstaltungsorte, an denen die weiteren Konzerte stattfinden sollten,
       hätten ihm mitgeteilt, dass sie die Termine streichen würden, sollte
       Macklemore weiterhin Teil der Tour sein.
       
       Begründet worden sei das damit, wie der Rapper seine [3][Haltung zum
       israelisch-palästinensischen Konflikt und dem Gazakrieg] zum Ausdruck
       gebracht habe. Die Entscheidung, dass Macklemore nicht Teil der weiteren
       Tour sein könne, sei allein von den Organisatoren getroffen worden.
       
       Macklemore habe einen Vertrag mit dem Tourveranstalter gehabt – nicht mit
       ihm selbst, schrieb Sheeran. Er selbst habe die ganze Woche über versucht,
       in Gesprächen mit den Aufführungsstätten, Aktivisten beider Seiten und
       anderen Verantwortlichen eine Brücke zu bauen. Einer der Menschen, mit
       denen er gesprochen habe, sei Robert Kraft, Besitzer des Football-Teams New
       England Patriots. Dessen Unternehmensgruppe gehört auch das Gillette
       Stadium, in dem die Patriots spielen. Dort soll am 26. September eines der
       Konzerte der Tour stattfinden.
       
       ## „Ich würde niemals die Fans enttäuschen“
       
       Sheeran erklärte, er habe versucht, eine für alle Seiten tragbare Lösung zu
       finden. Die Entscheidung der Organisatoren sei aber endgültig gewesen. „Ich
       würde niemals die Fans enttäuschen, die bereits Pläne gemacht hatten, noch
       würde ich die Tourcrew sowie die anderen Support-Acts und Musiker im Stich
       lassen, die auf mich angewiesen sind, um Arbeit zu haben und ihren
       Lebensunterhalt zu verdienen.“
       
       Sheeran schrieb, er versuche mit seiner Musik, Menschen unterschiedlicher
       Herkunft und Kulturen zusammenzubringen. Er habe persönliche Ansichten zu
       dem verheerenden Konflikt, wolle sich aber öffentlich nicht dazu äußern,
       weil Besucher seiner Konzerte kein politisches Forum erwarteten. Er
       respektiere Macklemores Entschlossenheit, öffentlich für seine
       Überzeugungen einzutreten. Es gebe aber unterschiedliche Wege zum selben
       Ziel, das Frieden heiße.
       
       Macklemore hatte am Montag erklärt, er sei von Sheerans „Loop Tour“
       ausgeschlossen worden, nachdem er bei einem Konzert am 5. September im
       MetLife Stadium in New Jersey „Free Palestine!“ gerufen hatte. Der Rapper
       hatte damit seinen Protestsong „Hind's Hall“ angekündigt.
       
       ## Macklemore macht US-Milliardär verantwortlich
       
       An seine jüdischen Zuhörer gerichtet, sagte Macklemore bei dem Konzert,
       Kritik an Israel, an Apartheid oder der Vorwurf eines Genozids richteten
       sich in keiner Weise gegen sie. Nach Darstellung Macklemores teilten
       mehrere US-Veranstaltungsorte dem Tourveranstalter anschließend mit, dass
       sie ihm Auftritte im Vorprogramm von Sheeran untersagen würden.
       Verantwortlich machte der Rapper dafür vor allem Kraft.
       
       Der Milliardär selbst erklärte am Montag, die Entscheidung, Macklemore
       nicht auftreten zu lassen, sei eine Folge seiner jüngsten Äußerungen sowie
       einer „umfassenderen Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache“.
       Aus Sicht seines Unternehmens sei das für Jüdinnen und Juden zutiefst
       verletzend und beleidigend.
       
       Der Tourveranstalter Messina Touring Group reagierte am Dienstag nicht
       umgehend auf eine Bitte um Stellungnahme. Auch das Management von
       Macklemore äußerte sich zunächst nicht.
       
       16 Sep 2026
       
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