# taz.de -- Blockaden und Demos der Klimabewegung: Größter Pipeline-Hersteller besetzt
       
       > Das Bündnis Ende Gelände bewegt sich durch das Ruhrgebiet, blockiert
       > Werkschienen der Firma Europipe und hat weitere Aktionen am Wochenende
       > geplant.
       
 (IMG) Bild: Ende Gelände demonstrierte am Wochenende im Ruhrgebiet, Greta Thunberg im Protestcamp in Hamm
       
       Das kapitalismuskritische Klimabündnis [1][Ende Gelände] hat mit Blockaden
       und Demonstrationen seit dem frühen Freitagmorgen im Ruhrgebiet gegen den
       Ausbau fossiler Gasinfrastruktur und für klimafreundliche Erneuerbare
       Energien protestiert. In Mülheim an der Ruhr besetzten 200
       Aktivist:innen aus einem von mehreren Demozügen (im Bewegungsjargon:
       „Finger“) die Werkschienen von Europas größtem Pipeline-Herstellers
       Europipe.
       
       Weitere 200 Demonstrant:innen des „silbernen Fingers“ blockierten den
       Schichtwechsel der Friedrich Wilhelms-Hütte in Mülheim. Dort lasse der
       deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, [2][bei dem die Bundesregierung
       für einen zweistelligen Milliardenbereich einsteigen will], „statt
       Rotornaben für Windräder Panzerstahl“ gießen, kritisierte Tomke Jansen von
       Ende Gelände. Unter dem Motto „Waffeln statt Waffen“ verteilten die
       Aktivist:innen deshalb Gebäck an die Beschäftigten, die ihre Arbeit
       nicht antreten konnten.
       
       In Hamm, wo Ende Gelände Teil eines bereits seit Mittwoch laufenden
       [3][Camps] von Klimaschützer:innen ist, zog das Bündnis mit einer
       Demonstration seines „pinken Fingers“ in Richtung Hauptbahnhof.
       „Energiekonzerne enteignen“, stand auf einem der Demo-Transparente. Unter
       einer Brücke wurde ein Teil der Protestierenden von der Polizei unter dem
       Vorwurf von Verstößen gegen das Vermummungsverbot eingekesselt.
       
       ## „Den Preis zahlen wir alle“
       
       Ein anderer Teil der Aktivist:innen stieg in einen Zug ins benachbarte
       Bergkamen, wo sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) den
       Bau eines von etwa 20 neuen Gaskraftwerken wünscht.
       
       Ebenfalls blockiert wurde das Kraftwerk Scholven in Gelsenkirchen. Der
       Standort, gegen den das Bündnis schon 2024 demonstriert hatte, galt einmal
       als das größte Kohle- und Ölkraftwerk Westdeutschlands. Aktuell wird dort
       neben importierter Steinkohle auch Gas verbrannt – und ein weiterer
       Gasblock soll zugebaut werden. „Kohle und Gas: Scholven zeigt, wie die
       Bundesregierung den einen fossilen gegen den anderen umweltzerstörenden
       Energieträger austauschen will“, so Fran Leitner von Ende Gelände. „Den
       Preis dafür zahlen wir alle über unsere immer teurere Stromrechnung – und
       über weltweite Krisen und Kriege wie gerade etwa am Golf.“
       
       Um klimafreundliche Alternativen aufzuzeigen, stellten Aktivist:innen
       auf dem Kraftwerksgelände in Gelsenkirchen-Scholven Solarmodule auf.
       Insgesamt beteiligten sich nach Schätzung von Ende Gelände allein am
       Freitag rund 1.500 Menschen an den vier verschiedenen Aktionen im
       Ruhrgebiet.
       
       [4][Weitere tausende Demonstrierende] werden bei einer Großdemo unter dem
       Motto [5][„Zukunft statt Gas – Energiewende verteidigen“] am Samstag
       erwartet, zu der Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND),
       Fridays for Future und Campact ebenso aufrufen wie die lokalen
       Organisator:innen des Hammer Klimacamps. Dort ist auch Klima-Ikone
       Greta Thunberg vor Ort.
       
       Unklar bleibt dennoch, ob die Großdemo am Samstag wie geplant um 12 Uhr am
       gewünschten Startpunkt, nämlich vor dem Gersteinwerk als einem der neuen
       Gaskraftwerks-Standorte in unmittelbarer Nähe der Hammer Stadtgrenze,
       beginnen darf.
       
       Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen [6][hatte ein entsprechendes Verbot
       der Polizei am Donnerstag bestätigt] – und damit das wegweisende
       Brokdorf-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1985 ignoriert, das
       Demonstrierenden ein Recht auf Protest in „Sicht- und Hörweite“ des
       kritisierten Objekts einräumt. Begründet wurde dies mit möglichen Aktionen
       zivilen Ungehorsams durch Ende Gelände, etwa mit der Gefahr eines
       Eindringens auf das Gelände des Gersteinkraftwerks.
       
       Die Demo-Organisator:innen gehen vor dem Oberverwaltungsgericht Münster
       weiter gegen das Verbot vor. „Wir erwarten eine Entscheidung noch am
       Freitagabend“, sagte Greenpeace-Sprecher Michael Weiland der taz.
       Stattfinden wird der Protest aber auf jeden Fall: Notfalls wird die
       Auftakt-Kundgebung um einen Kilometer in Richtung Hamm verlegt.
       
       Mitarbeit: Annika Reiß, Enno Schöningh
       
       29 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ende-gelaende.org/
 (DIR) [2] /Deutsch-franzoesischer-Ruestungskonzern-/!6100873
 (DIR) [3] https://www.hammer-klimacamp.de/
 (DIR) [4] /Aktivisten-von-Ende-Gelaende/!6181642
 (DIR) [5] https://zukunftstattgas.de/
 (DIR) [6] https://www.vg-gelsenkirchen.nrw.de/behoerde/presse/pressemitteilungen/15_260528/index.php
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
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