# taz.de -- Krise der Union: Merz will CDU-Präsidium sehen
> Vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am Sonntag sucht der
> Kanzler den Rückhalt der Partei. Umfragen sehen die Union unter 20
> Prozent.
(IMG) Bild: Kann er sich im Amt halten? Bundeskanzler Friedrich Merz während der 93. Bundestagssitzung am 10. September
Telefonieren allein reicht nicht mehr. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich
Merz hat das Parteipräsidium für Sonntagabend zu einer formellen Sitzung
nach Berlin eingeladen, um über die Ergebnisse der Landtagswahlen in
Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und ihre Folgen zu beraten. Das berichten
mehrere Medien, und es wurde der taz aus Parteikreisen bestätigt.
Nicht bestätigt wurde ein Bericht des Newsletters „Table Briefings“, wonach
Merz erwäge, bei dieser Gelegenheit eine Art interne Vertrauensfrage zu
stellen: entweder Unterstützung oder Sturz. Eine Vertrauensfrage sei kein
Instrument des Präsidiums, weder direkt noch indirekt, hieß es dagegen aus
dem Umfeld des Kanzlers. Wer mit solchen Begriffen spiele, zündele an
Partei und Regierung. Der Bundeskanzler suche die Unterstützung des
Präsidiums, das sei selbstverständlich.
Das Präsidium bildet die politische Führungsebene der Partei, in ihr sind
qua Amt auch die Ministerpräsidenten der Bundesländer als ordentliche oder
beratende Mitglieder vertreten. Es werde erwartet, dass sich die
Ministerpräsidenten und die anderen Präsidiumsmitglieder dann hinter
Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz stellen, erfuhr die Nachrichtenagentur
Reuters aus der Parteispitze. Der hatte vor wenigen Tagen gesagt, dass er
nach den Wahlen eine Debatte über die Ausrichtung der CDU und eine Art
neuen Generationenvertrag beginnen wolle.
Bei den Wahlen geht es auch um [1][die politische Zukunft des Kanzlers].
Danach wird sich zeigen, ob er sich trotz eines zunehmenden
Autoritätsverlusts in der eigenen Partei im Amt halten kann. Es gibt
Spekulationen, dass Merz von den CDU-Landeschefs gestürzt werden könnte. Er
selbst zeigt sich entschlossen, um sein Amt zu kämpfen. „Aufgeben ist für
mich keine Option“, hatte er nach dem Wahldebakel der CDU in Sachsen-Anhalt
gesagt.
## Union fällt unter 20 Prozent
In jüngsten Umfragen ist die Union bundesweit unter 20 Prozent gefallen.
Das Institut Insa sieht CDU/CSU in einer am Dienstag veröffentlichten
Umfrage bei 19,5 Prozent, Yougov sogar nur noch bei 18 Prozent.
In [2][Mecklenburg-Vorpommern droht der Union ein Absturz auf 6 bis 7
Prozent], auch bei der Wahl in Berlin drohen ihr deutliche Verluste.
Auch bei früheren Landtagswahlen gab es Einladungen an die CDU-Spitze in
die Parteizentrale. Diese waren aber informell und entsprechend
überschaubar war die Beteiligung. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt kam zum
Beispiel von den CDU-Ministerpräsidenten nur Daniel Günther aus
Schleswig-Holstein ins Konrad-Adenauer-Haus. Diesmal ist das Ziel, dass das
Präsidium möglichst vollzählig dabei ist, um über die Folgen der Ergebnisse
zu beraten.
Dass er im Amt zu bleiben gedenkt, machte Merz am Dienstag auch beim
Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) in Berlin deutlich. Er sei für
vier Jahre gewählt und wolle beweisen, dass diese Koalition zu einer
Reformpolitik in der Lage sei, sagte Merz. „Ich bin fest entschlossen, an
diesem Kurs festzuhalten.“
Zugleich unternahm Merz den Versuch, der Unbeliebtheit zu entfliehen und
kündigte Entlastungen bei den Spritpreisen an. Das genaue Instrumentarium
stehe aber bisher nicht fest. (mit Agenturen)
15 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bundeskanzler-Friedrich-Merz/!6211548
(DIR) [2] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/mecklenburg-vorpommern.htm
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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