# taz.de -- Debatte um Kanzlertausch: Ein Schweigen sagt mehr als 1000 Worte
       
       > Wer steht noch hinter dem Kanzler? Es ist nicht leicht, in der CDU
       > jemanden zu finden, der sich äußern will. Merz ruft aus der Ferne zur
       > Ordnung.
       
 (IMG) Bild: Mit dem Rücken zum Gitter: Friedrich Merz beim Arktis-Gipfel in Finnland
       
       In kontroversen Debatten ist es manchmal vielsagender, zu schauen, wer sich
       nicht äußern möchte. In der innerhalb der CDU hochgekochten und nun medial
       getriebenen Diskussion um die Eignung von Friedrich Merz als Bundeskanzler
       hatte die Schatzmeisterin der Jungen Union, [1][Clara von Nathusius, ihrer
       Partei in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin ] ein massives
       Glaubwürdigkeitsproblem bescheinigt, welches auch mit Merz zusammenhänge.
       „Und deshalb sind mit diesem Bundeskanzler keine Wahlen mehr zu gewinnen“,
       schlussfolgerte sie und erklärte auf Nachfrage, der Kanzler solle nicht
       noch einmal antreten.
       
       Nathusius ist Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Union. Auf taz-Anfrage
       an den JU-Vorsitzenden Johannes Winkel, ob sie nur für sich oder für den
       gesamten Vorstand spreche, kam bis Redaktionsschluss keine Antwort. Dabei
       ist Winkel sonst nicht öffentlichkeitsscheu. In der Auseinandersetzung um
       die Rentenreform trieb er die Mutterpartei vor sich her und erneuerte erst
       vor einer Woche seine Forderungen nach schneller Umsetzung der
       Kommissionsvorschläge.
       
       Eine Anfrage an den Vorsitzenden des einflussreichen Parlamentskreises
       Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten, ob der Kreis
       weiter hinter dem Kanzler stehe, blieb bis Redaktionsschluss gleichfalls
       unbeantwortet. Dabei waren die JU und der Wirtschaftsflügel einst
       Merz-Ultras gewesen und hatten ihn beim dreimaligen Versuch,
       CDU-Vorsitzender zu werden, unterstützt.
       
       Keine Antwort auf die Frage, wie sicher Merz im Sattel sitze, erhielt die
       taz auch von der Christlichen Arbeitnehmerschaft, CDA. Deren Vorsitzender
       Dennis Radtke hatte sich nach der für die Partei desaströsen Landtagswahl
       in Sachsen-Anhalt kritisch zu Merz geäußert: „Wenn der Bundeskanzler
       regelmäßig das halbe Land mit bestimmten Aussagen gegen sich aufbringt, ist
       das kontraproduktiv“, so Radtke im Focus. Und nun? Schweigen.
       
       ## Versuch, den Brand auszutreten
       
       Die Zurückhaltung mag auch damit zusammenhängen, dass man in der CDU
       versucht, die unliebsame Diskussion nicht weiter anzufachen. Gleichwohl
       fällt auf, wie lange es dauerte, bis sich Unterstützer:innen fanden.
       Die neue Generalsekretärin Franziska Hoppermann stellte sich am Freitag
       hinter den Kanzler und Bundesvorsitzenden, aber das gehört auch zur
       Jobbeschreibung.
       
       Er glaube noch an den Kanzler, erklärte Unionsfraktionsvize Mathias
       [2][Middelberg am Montag im Deutschlandfunk, ] und nannte die Diskussion
       überflüssig. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende, Bildungsministerin Karin
       Prien, ermahnte am Sonntag in der Sendung Caren Miosga, „wir täten gut
       daran, jetzt mal alle etwas runterzukommen.“ Flammende Elogen sind das
       nicht, eher der Versuch, den Brand auszutreten.
       
       Auch Merz bemühte sich aus der Ferne, die Disziplin in den eigenen Reihen
       wieder herzustellen. Deutschland spiele gerade in der Sicherheitspolitik
       eine wichtige Rolle „für das Schicksal des europäischen Kontinents“, sagte
       der Kanzler auf Englisch im finnischen Rovaniemi am Rande eines
       internationalen Treffens zur Arktis-Politik. Deswegen versuche er, „meine
       Kollegen, Freunde, meine Partei, meine Fraktion zu überzeugen, dass dies
       viel wichtiger ist als einige der innenpolitischen Debatten, die wir gerade
       führen“.
       
       Schwergewichtigen Beistand erhielt der Kanzler eigentlich nur aus Bayern.
       CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder hatte via Bild am Sonntag
       erklärt, von der CSU werde es „auf keinen Fall“ einen Kanzlersturz geben.
       Und aus der CDU? „Für die CDU bin ich nicht zuständig, da bin ich nicht der
       Vorsitzende.“ Immerhin die Mittelstandsvereinigung, MIT, erklärte in einer
       Stellungnahme für den Spiegel, man stehe definitiv hinter dem Kanzler.
       
       Ob das reicht? Sollte die CDU am Sonntag bei den Landtagswahlen in Berlin
       und Mecklenburg-Vorpommern noch schlechter abschneiden als ohnehin
       befürchtet, dürfte die Debatte mit Wucht erneut losgehen.
       
       14 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/debatte-merz-nathusius-union-100.html
 (DIR) [2] https://www.deutschlandfunk.de/unionsfraktionsvize-middelberg-stellt-sich-in-kanzler-debatte-hinter-merz-wadephul-bundesregierung-w-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
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