# taz.de -- Bundeskanzler Friedrich Merz: Kanzler von föderalen Gnaden
> Die CDU-Ministerpräsidenten der Länder stärken dem Chef den Rücken. Mit
> Respekt für Friedrich Merz und seine Arbeit hat das indes wenig zu tun.
(IMG) Bild: Schwierige Zeiten für Kanzler Merz, aber noch hat er die Unterstützung der CDU-Länder-Chefs
Fast zwei Wochen sind seit den Wahlen in Sachsen-Anhalt vergangen. Seitdem
ist die Autorität des Kanzlers, die ohnehin nur noch ein Autoritätchen war,
schneller geschrumpft als ein CDU-Balken am Wahlsonntag. Nun aber haben
sich die Ministerpräsidenten der Union durchgerungen, und versichern
Friedrich Merz in einem gemeinsamen Brief ihren Rückhalt. Wobei es sich
eher um ein Rückhaltchen handelt.
Kurz vor den [1][Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern] stellen die
Ministerpräsidenten fest, dass ein Kanzlertausch nicht die Probleme der
Union löst: „Personaldiskussionen“, so heißt es, führten nicht zu mehr
Vertrauen. Auch eine Minderheitsregierung, wie manche in der Union sie
erträumen, lehnen sie ab. Damit verhindern die Ministerpräsidenten, dass es
nach den drohenden Wahlniederlagen am Sonntag in der CDU zu einem
Kurzschluss kommt.
Denn sie wären es, die die Macht hätten, den Kanzler zu stürzen. Würden sie
Friedrich Merz gemeinsam zum Rücktritt auffordern, hätte er wohl keine
Wahl. Lange haben die Länderchefs zugeschaut. Mit ihrem Schweigen haben sie
die überschießenden medialen Spekulationen und die Angriffe auf den Kanzler
aus den eigenen Reihen erst möglich gemacht. Selbst eine CDU-Politikerin
aus der dritten Reihe wie [2][Clara von Nathusius] konnte sich ins
Fernsehen stellen und den Kanzler einsargen – sie wusste, dass sie von den
Mächtigen in ihrer Partei nichts zu befürchten hat.
Um von seinen Ministerpräsidenten dieses Minimum an Rückhalt zu bekommen,
war Friedrich Merz gezwungen, all seine Kraft aufzubringen: Der
Außenkanzler musste seine Reise nach New York absagen und zu einer
formellen Präsidiumssitzung am Wahlsonntag einladen. Erst diese Hilferufe
brachten die Ministerpräsidenten zu ihrem Bekenntnis.
## Keiner will Kanzler sein
Die Ministerpräsidenten machen mit dieser Geste deutlich, dass sie die
mächtigen Männer in der Union sind, die für Stabilität stehen. Den
Bundeskanzler erwähnen sie nur im letzten Satz und nicht einmal beim Namen.
Sie selbst haben aktuell kein Interesse an einem Kanzlertausch. Keiner will
an Merz’ Stelle treten, nicht jetzt, nicht in dieser Koalition, nicht mit
einer erratischen Fraktion und einer Union in der Sinnkrise. Für
[3][Hendrik Wüst], der wohl die größten Chancen aufs Kanzleramt hat, stimmt
der Zeitpunkt nicht.
Er wird wohl erst die Wahlen in Nordrhein-Westfalen im Frühjahr gewinnen
wollen, um dann aus einer Position der Stärke nach der Kanzlerkandidatur zu
greifen. Die Unterstützung für Merz, sie hat ein Ablaufdatum. Fürs Erste
mag Friedrich Merz im Amt bleiben. Aber er ist nun ein Kanzler von
föderalen Gnaden. Was ihn kurzfristig stärkt, offenbart doch nur seine
Schwäche.
16 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wahlen-in-MeckPomm-und-Berlin/!6208132
(DIR) [2] /Debatte-um-Kanzlertausch/!6213132
(DIR) [3] /Reservekanzler-Hendrik-Wuest-Wie-inszeniert-er-sich-auf-seiner-Sommertour/!6210357
## AUTOREN
(DIR) Kersten Augustin
## TAGS
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) CDU/CSU
(DIR) Bundeskanzleramt
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) GNS
(DIR) Bundesregierung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Merz in der Krise: Unterstützung um fünf vor Landtagswahl
Lange haben sie geschwiegen. Nun stellen sich die CDU-Ministerpräsidenten
hinter den Bundeskanzler. Auch vom Wirtschaftsflügel der Fraktion kommt
Unterstützung.
(DIR) Krise der Union: Merz will CDU-Präsidium sehen
Vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am Sonntag sucht der
Kanzler den Rückhalt der Partei. Umfragen sehen die Union unter 20 Prozent.
(DIR) CDU verliert die Wahl in Sachsen-Anhalt: Zeitenwende für die CDU
Die CDU mit Spitzenkandidat Sven Schulze fährt ihr historisch schlechtestes
Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein. Was heißt das für die Christdemokraten?