# taz.de -- Merz in der Krise: Unterstützung um fünf vor Landtagswahl
       
       > Lange haben sie geschwiegen. Nun stellen sich die CDU-Ministerpräsidenten
       > hinter den Bundeskanzler. Auch vom Wirtschaftsflügel der Fraktion kommt
       > Unterstützung.
       
 (IMG) Bild: Am frühen Sonntagabend lädt Merz zu einer Präsidiumssitzung ins Konrad-Adenauer-Haus
       
       Zehn Tage sind seit der [1][für die CDU desaströsen Landtagswahl in
       Sachsen-Anhalt] vergangen. Zehn Tage, in denen sich im Zeitraffer die
       fortschreitende Verunsicherung in der CDU und der Autoritätsschwund des
       Kanzlers beobachten ließen. Nun melden sich erstmals die acht
       CDU-Ministerpräsidenten gemeinsam zu Wort. Sie erteilen Spekulationen über
       einen Kanzlertausch oder eine Minderheitsregierung eine Absage und geben
       Friedrich Merz so etwas wie Rückendeckung.
       
       „Der Weg zu neuem Vertrauen der Menschen in die Christdemokraten führt über
       das Zuhören und politisches Handeln, nicht über Personaldiskussionen“,
       heißt es in einer Erklärung, die der taz vorliegt. Deutschland brauche mehr
       denn je Stabilität und es komme jetzt auf die Geschlossenheit der deutschen
       Christdemokraten an, appellieren sie an die eigene Partei.
       
       Diese imprägnieren sie angesichts der zu erwartenden schlechten
       [2][Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen in Berlin und
       Mecklenburg-Vorpommern] gegen Panikreaktionen. Sie formulieren drei
       Grundüberzeugungen. Erstens: Deutschland brauche auch in Zukunft „eine
       stabile und handlungsfähige Bundesregierung mit eigener Mehrheit im
       Bundestag“.
       
       Die CDU stehe seit ihrer Gründung wie keine zweite Partei für das
       Erfolgsmodell der deutschen Koalitionsdemokratie. In Frankreich, Polen,
       Italien, Spanien und Griechenland stünden im nächsten Jahr Wahlen mit
       ungewissem Ausgang an. „Umso mehr wird es auf ein stabiles und starkes
       Deutschland im geeinten Europa ankommen.“
       
       Das ist als Appell an jene zu verstehen, die die SPD am liebsten aus der
       Koalition schmeißen würden. Der Vorsitzende des Parlamentskreises
       Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten, hatte gefordert,
       SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas zu entlassen. Das hätte unweigerlich den
       Rückzug aller sozialdemokratischen Minister:innen zur Folge, die
       schwarz-rote Koalition wäre passé. Das Kanzleramt dementierte solche
       Planspiele.
       
       ## Merz wird nicht namentlich erwähnt
       
       Zweitens postulieren die Ministerpräsidenten, die CDU sei zur
       Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften bereit. Ob sie damit auch
       die Linkspartei meinen, führen sie nicht aus. Ein Parteitagsbeschluss der
       CDU schließt allerdings eine Zusammenarbeit sowohl mit Linken als auch mit
       der AfD aus.
       
       Und drittens heißt es: Deutschland brauche Verlässlichkeit und keine
       Personaldebatten. Die Menschen könnten darauf vertrauen, dass man ihre
       Probleme angehe. „Als Ministerpräsidenten wollen und werden wir gemeinsam
       mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten.“
       
       Unterzeichnet ist das Statement von Daniel Günther, Boris Rhein, Sven
       Schulze, Kai Wegner, Michael Kretschmer, Gordon Schnieder, Mario Voigt und
       Hendrik Wüst. Wobei die politischen Tage von Wegner als Regierender
       Bürgermeister von Berlin und von Sven Schulze als Ministerpräsident von
       Sachsen-Anhalt absehbar gezählt sind.
       
       Was auffällt: Friedrich Merz wird namentlich nicht erwähnt. Dennoch kann
       das Statement als größtmögliche Rückdeckung für ihn gewertet werden. Aus
       dem Umfeld des Kanzlers heißt es, der Bundeskanzler begrüße die
       Unterstützung der Ministerpräsidenten. Mit der Erklärung demonstrierten sie
       ihre Verantwortung für Deutschland. Es gehe in der aktuellen
       innenpolitischen Lage um Stabilität und um Glaubwürdigkeit bei der
       Erneuerung des Landes.
       
       ## Der Kanzler bleibt lieber zu Hause
       
       Bislang hatte sich nur CSU-Ministerpräsident Markus Söder öffentlich vor
       den Kanzler gestellt. Merz hat die Ministerpräsidenten für den frühen
       Sonntagabend zu einer [3][Präsidiumssitzung ins Konrad-Adenauer-Haus
       eingeladen]. Solche Sitzungen sind an Wahlabenden üblich. Nach der Wahl in
       Sachsen-Anhalt am 6. September war allerdings nur der
       schleswig-holsteinische Ministerpräsident Günther nach Berlin gekommen.
       
       Das Konrad-Adenauer-Haus verschickte diesmal eine formelle Einladung.
       Anwesenheitspflicht gilt jedoch nicht. Auf Anfragen der taz, ob sie der
       Einladung folgen, antworteten bisher nur die sächsische Staatskanzlei und
       die Sprecherin der CDU Schleswig-Holsteins. Sowohl Kretschmer als auch
       Günther planen, nach Berlin zu kommen.
       
       Wie brenzlig die Lage für den Kanzler ist, zeigt auch, dass er seine
       geplante Reise zur UN-Generalversammlung nach New York abgesagt hat. Aus
       Regierungskreisen heißt es, seine Präsenz sei in Berlin erforderlich. Am
       Dienstag trifft sich die Fraktion. Die 224 Mitglieder sind nach
       taz-Informationen wohl zwiegespalten hinsichtlich der Zukunft des Kanzlers.
       
       Nach der Soli-Bekundung der Landesfürsten meldete sich dann doch noch ein
       wichtiger Strippenzieher in der Fraktion zu Wort, nämlich von Stetten,
       Vorsitzender des Mittelstandskreises. „Das eindeutige Signal aller
       CDU-Ministerpräsidenten zeigt klipp und klar: Die Führungsfrage in der CDU
       stellt sich nicht – und sie hat sich auch zu keinem Zeitpunkt gestellt“,
       sagte von Stetten der taz.
       
       Merz und sein Reformkurs seien erst im Dezember beim Bundesparteitag mit
       über 91 Prozent bestätigt worden. „Der Bundeskanzler weiß genau, welche
       Reformen unser Land jetzt braucht und hat dafür die volle Rückendeckung
       unserer Bundestagskollegen.“ Das Land brauche jetzt diese notwendigen
       Reformen. „Dafür ist Friedrich Merz der richtige Mann am richtigen Platz
       zur richtigen Zeit“, so von Stetten zur taz. Der Parlamentskreis
       Mittelstand ist die größte Gruppe innerhalb der Unionsfraktion und
       organisiert nach eigenen Angaben etwa 80 Prozent der Unions-Abgeordneten.
       Merz kann vorerst zufrieden sein.
       
       16 Sep 2026
       
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