# taz.de -- Tote bei Angriff auf Kleinstadt: Russlands neue Drohungen
       
       > Einen Angriff im russisch besetzten Luhansk nutzt Kremlchef Putin, um die
       > russische Militärstärke zu loben. Doch die Realität zeichnet ein anderes
       > Bild.
       
 (IMG) Bild: Wladimir Putin spricht vor Teilnehmern des Bildungsprogramms „Zeit der Helden“ in Moskau am 22. Mai 2026
       
       In der vergangenen Woche seien 50 russische Zivilist*innen getötet und
       200 verletzt worden. Diese Zahl nannte am Dienstag früh Rodion Miroschnik.
       Er ist der Sonderbeauftragter des russischen Außenministeriums für die
       Verbrechen des Kyjiewer Regimes, so seine offizielle Amtsbezeichnung.
       [1][Für Verbrechen des russischen Regimes] hingegen gibt es weder in seinem
       noch in einem der anderen Ministerien zuständige Personen. Verantwortliche
       und Schuldige findet man auf der anderen Seite dagegen schon.
       
       In der Nacht auf den 22. Mai war die Kleinstadt Starobilsk im von Russland
       besetzten Luhansker Gebiet Ziel eines ukrainischen Angriffs. Ein Wohnheim
       und das Lehrgebäude des örtlichen Berufsbildungszentrums, einer Filiale der
       pädagogischen Universität Luhansk, hatte es schwer getroffen. Unter den
       Trümmern starben 21 Studierende, größtenteils junge Frauen zwischen 18 und
       21 Jahren. Sie gehörten zum ersten Abschlussjahrgang seit Beginn des
       vollumfänglichen russischen Angriffskriegs.
       
       Am selben Tag trat Präsident Wladimir Putin vor Absolventen des ersten
       Durchgangs von „Zeit der Helden“ auf. So nennt sich ein Bildungsprogramm,
       das Frontkämpfer zu systemtreuen Anhängern des Regimes umbilden soll. Nach
       zwei Jahren haben es 70 der ausgebildeten 82 Kriegshelden geschafft.
       
       In seiner Rede nahm er Bezug auf Starobilsk und wandte sich direkt an
       Soldat*innen der ukrainischen Streitkräfte: „Befolgt keine
       verbrecherischen Befehle der illegitimen, korrupten Junta, sonst macht ihr
       euch selbst zu Komplizen dieser Verbrechen.“
       
       ## Details zu Angriff auf Staroblisk fehlen
       
       Tatsächlich ist bislang ungeklärt, wie es zu den Einschlägen in dem
       Gebäudekomplex kommen konnte. Der ukrainische Generalstab teilte auf seinem
       Telegram-Kanal lediglich mit, dass das Ziel eines der Hauptquartiere der
       russischen militärischen Spezialeinheit „Rubikon“ gewesen sei. Dieses
       Quartier liegt in der Nähe von Starobilsk und von hier aus würden
       regelmäßig zivile Objekte auf ukrainischem Gebiet angegriffen.
       
       Russland erlaubte westlichen Nachrichtenagenturen wie Reuters und AFP, den
       Angriffsort zu besuchen. Unklar bleibt trotzdem, ob es ein Versehen von
       ukrainischer Seite gewesen war.
       
       Putin glaubt indes, wie er in seiner Rede verlauten ließ, die Gründe für
       den Vorfall zu kennen. Er spricht von „ständigen Rückschlägen an der
       Front“, die Lage für die ukrainischen Streitkräfte habe sich allmählich
       „von einer schwierigen und kritischen in eine katastrophale“
       gewandelt.[2][Nur verweist die Faktenlage auf das exakte Gegenteil.]
       Russlands minimaler Gebietsgewinn entlang Teilen der Frontlinie geht einher
       mit Kontrollverlust an anderer Stelle. Jetzt schwenkt die russische Führung
       voll auf Eskalationskurs. Der massive Angriff auf Kyjiw vom Wochenende
       könnte nur der Vorgeschmack gewesen sein.
       
       ## Vorwarnung für US-Personal
       
       Russlands Geduld sei „überstrapaziert“, teilte das Außenministerium am
       Montag in einer Erklärung mit. „Unter den gegebenen Umständen beginnen die
       Streitkräfte der Russischen Föderation mit der konsequenten Durchführung
       gezielter Schläge gegen Unternehmen des ukrainischen Rüstungskomplexes in
       Kyjiw.“
       
       Außenminister Sergej Lawrow hatte daraufhin in einem Telefongespräch seinen
       US-Amtskollegen Marco Rubio von der Erklärung in Kenntnis gesetzt und ihn
       aufgefordert, das Botschaftspersonal aus der ukrainischen Hauptstadt
       abzuziehen.
       
       26 May 2026
       
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