# taz.de -- Internationaler Strafgerichtshof: Smotrich spricht von „Kriegserklärung“
> Weil ihm ein Haftbefehl aus Den Haag droht, will Israels ultrarechter
> Finanzminister die Beduinensiedlung Chan al-Ahmar im Westjordanland
> räumen lassen.
(IMG) Bild: Unter Ultrarechten: Bezalel Smotrich vor fünf Tagen beim nationalistischen Flaggenmarsch durch die Altstadt von Ost-Jerusalem
dpa | [1][Israels Finanzminister Bezalel Smotrich] hat die [2][Räumung des
Beduinendorfes Chan al-Ahmar] in einem strategisch wichtigen Teil des
besetzten Westjordanlands angekündigt. Smotrich sagte vor Journalisten, er
reagiere damit auf Informationen, dass die Anklage des Internationalen
Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag einen Haftbefehl gegen ihn beantragt
habe. Von dem Gericht gab es dafür bisher keine Bestätigung. Medien, wie
etwa die israelische Zeitung Haaretz, hatten in den vergangenen Tagen über
die Sache berichtet.
Die Beduinensiedlung befindet sich östlich von Jerusalem [3][in dem
strategisch wichtigen Gebiet E1, das das Westjordanland in eine Nord- und
eine Südhälfte unterteilt]. Es gehört zu den 60 Prozent des
Westjordanlandes, die unter voller israelischer Kontrolle stehen.
Internationaler Druck und Petitionen vor dem höchsten Gericht in Jerusalem
hatten die immer wieder angekündigte Räumung des Ortes bisher verhindert.
Gegen die ultrarechten Mitglieder der israelischen Regierung,
Finanzminister Smotrich und Sicherheitsminister Ben-Gvir, haben
[4][Großbritannien und weitere Staaten bereits Sanktionen verhängt]. Zu
Berichten über einen möglichen Haftbefehl gegen ihn sagte Smotrich vor
Journalisten nun: „Der ungeschickte Versuch, uns durch Sanktionen und
Haftbefehle eine selbstmörderische Sicherheitspolitik aufzuzwingen, wird
nicht gelingen.“ Israel werde „keine heuchlerischen Diktate von
parteiischen Einrichtungen akzeptieren, die sich immer, ein ums andere Mal,
gegen den Staat Israel stellen und gegen unsere biblischen, historischen
und juristischen Rechte in unserem Heimatland“.
## Vorwürfe gegen die Palästinensische Autonomiebehörde
Smotrich bezeichnete die Palästinensische Autonomiebehörde als
„Terrororganisation“ und warf ihr vor, sich hinter den Kulissen für
Haftbefehle gegen führende israelische Politiker eingesetzt zu haben. Er
sprach von einer „Kriegserklärung“ der Palästinenserbehörde, die Folgen
haben werde. „Die Palästinensische Autonomiebehörde hat einen Krieg
eröffnet und sie wird einen Krieg bekommen.“ Er werde fortan „alle Ziele
angreifen“, die in seinem Machtbereich als Finanzminister liegen. Als
erstes Ziel werde er sofort eine Order zur Räumung von Chan al-Ahmar im
besetzten Westjordanland unterzeichnen, im Rahmen seiner Befugnisse als
Minister im Verteidigungsministerium.
Smotrich forciert seit Jahren [5][eine aggressive Siedlungspolitik] im
Westjordanland. Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem [6][das
Westjordanland] und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von
drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die
Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit
Ost-Jerusalem als Hauptstadt.
## Position des Internationalen Strafgerichtshofs
Der Strafgerichtshof äußerte sich nicht zur Frage, ob [7][ein weiterer
Haftbefehl gegen einen Israeli] erlassen wurde oder ob die Anklage dazu
einen Antrag gestellt hat. Nach den Regeln des Gerichts mit Sitz in Den
Haag sind Haftbefehle und auch Anträge auf Haftbefehle der Ankläger unter
Verschluss, es sei denn es gibt eine richterliche Verfügung für die
Veröffentlichung. Jeder Antrag auf einen Haftbefehl muss von Richtern
genehmigt werden.
Dass Haftbefehle nicht veröffentlicht werden, geschieht häufiger beim
Weltstrafgericht. Dadurch sollen Verdächtige nicht vorgewarnt werden. Wenn
dann ein Gesuchter zum Beispiel in einen Vertragsstaat reist, kann ein
Haftbefehl veröffentlicht werden. Vertragsstaaten des Gerichts sind
verpflichtet, Haftbefehle auszuführen.
2024 hatte das Gericht [8][Haftbefehle gegen Israels Ministerpräsidenten
Benjamin Netanjahu und den früheren Verteidigungsminister Joav Galant]
erlassen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit seit dem 8. Oktober 2023 im Gazastreifen. Als Reaktion
verhängte die US-Regierung [9][Sanktionen gegen mehrere Richter am
Internationalen Strafgerichtshof].
19 May 2026
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