# taz.de -- Israels Siedlungspolitik: Ein neues Westjordanland?
> Eine Gruppe Siedler will sich in südsyrischen Gebieten ansiedeln.
> Israelische Minister unterstützen diese Idee offenbar.
(IMG) Bild: Blick auf das Gebiet in der Pufferzone nahe der Alphalinie, welche die von Israel kontrollierten Golanhöhen von Syrien trennt
Sie nennen sich Halusei Habaschan, auf Hebräisch „Die Pioniere von
Baschan“. In ihrem Whatsapp-Kanal zählen sie 1.007 Mitglieder, mehrere von
ihnen dürften allerdings Journalist*innen und Aktivist*innen sein.
Auf Facebook haben sie lediglich 77 Follower, auf X sind es 243. Wie groß
die Gruppe der „Pioniere“ tatsächlich ist, lässt sich nur schwer
einschätzen. Auf Nachfrage äußerten sie sich nicht dazu.
Baschan ist der biblische Name für eine Region, die sich heute in Südsyrien
und Nordjordanien befindet. Die von Israel besetzten Golanhöhen gehören
ebenfalls dazu. Was diese Gruppe von Siedler*innen will, ist in ihrem
Profil klar zu erkennen: die Gebiete in Südsyrien besiedeln. Und jetzt hat
sich sogar ein israelischer Minister mit ihnen getroffen.
Vergangene Woche hat die Gruppe der „Pioniere von Baschan“ offenbar ein
Treffen mit Kommunikationsminister Schlomo Karhi organisiert. Das zeigt ein
Bild auf ihrem X-Account, auf dem der Minister lächelnd zu sehen ist. Im
Bild ist der Account des Likud-Politikers getaggt. Was es mit dem Treffen
auf sich hat, ist unklar.
Eine Anfrage ans Kommunikationsministerium blieb unbeantwortet. Die Gruppe
selbst schrieb dazu, man habe über die Bewegung sowie über die Verbesserung
des Handyempfangs im „Baschangebiet“ und am Berg Hermon gesprochen.
## Neun Militärposten
Nach dem Sturz des syrischen Ex-Präsidenten Baschar al-Assad im Dezember
2024 hatte Israel begonnen, Areale über die Golanhöhen hinaus zu besetzen.
So sind in Gebieten nahe Quneitra und westlich von Daraa Checkpoints und
israelische Militärbasen entstanden.
Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat das
israelische Militär seitdem neun Militärposten dort errichtet und
Menschenrechtsverletzungen begangen. Dazu zählten die Vertreibung von
Menschen aus ihren Häusern, der Abriss von Wohngebäuden sowie die
willkürliche Festnahme von Syrer*innen, die teils an unbekannte Orte in
Israel gebracht wurden.
„Israels jüngste Aktionen in Südsyrien sind keine legitimen Akte
militärischer Notwendigkeit“, schreibt HRW-Forscherin Hiba Zayadin, sondern
sie folgten derselben Strategie, die [1][in den palästinensischen Gebieten]
verfolgt worden sei.
Das israelische Militär schreibt dazu, es wolle israelische
Staatsbürger*innen schützen. Die Operation sei „defensiv“ und ziele
darauf ab, Bedrohungen vorzubeugen. Man versuche, Zivilist*innen im
Alltag nicht zu beeinträchtigen, und nehme nur Menschen fest, die in
Verdacht stünden, in Terrortaten involviert zu sein. Das Militär bezieht
sich dabei auf das umstrittene Unlawful Combatant Law – ein Gesetz, das im
Gazakrieg angewendet wurde und international in der Kritik steht.
## Idee von einem „Großisrael“
Israel behauptete in der Vergangenheit immer wieder, in der Region seien
bewaffnete extremistische Gruppen aktiv – oder könnten es werden. Syriens
Präsident Ahmed al-Scharaa betonte dagegen mehrfach, er wolle keine
Konflikte mit dem Nachbarland.
[2][Derweil kursiert unter konservativen israelischen Politiker*innen
die Idee von einem „Großisrael“], das je nach Auslegung Teile des heutigen
Ägyptens, Syriens, Libanons und Jordaniens umfasst. Israels Finanzminister
Bezalel Smotrich sagte vor zwei Wochen bei einer Veranstaltung, man werde
künftig in Südsyrien politisch aktiv sein und Israels Grenzen dort
erweitern. Genauso wie in Gaza und Südlibanon.
Bereits im vergangenen Jahr war Israel in die Kritik geraten, weil seine
Streitkräfte Trekkingtouren für Israelis in der besetzten Region
organisierten. Die Touren wurden dann jedoch aus Sicherheitsgründen
gestrichen. Siedler*innen, darunter Mitglieder der Baschangruppe, haben
indes mehrfach unerlaubt die Grenze übertreten – zuletzt vor einer Woche.
Auf dem Facebook-Profil der Gruppe ist ein Bild von einem ultraorthodoxen
Siedler zu sehen, der im Gehen einen uniformierten Mann umarmt. Ein
weiteres Bild zeigt Aktivist*innen mit einem Banner auf dem Dach eines
Gebäudes.
Die rund 50-köpfige Gruppe ist nach eigenen Angaben über eine Barriere am
Ausläufer des Bergs Hermon gestiegen und auf die Dachterrasse eines Hauses
geklettert, um dort für den Siedlungsbau zu demonstrieren. Friedlich, wie
sie betonen. Ebenfalls friedlich brachten die Streitkräfte sie offenbar zur
Polizeistation jenseits der Grenze zurück. Das Militär hat dann den
Vorfall, der selbst unter israelischem Recht eine Straftat darstellt,
„scharf verurteilt“.
30 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
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