# taz.de -- Debatte über Steuerreform: Wirtschaftsflügel der Union brüskiert Merz
> Der Kanzler bittet die Regierungsfraktionen darum, keine roten Linien
> aufzuzeigen. Der Wirtschaftsflügel zieht sie bei der Einkommensteuer
> dennoch.
(IMG) Bild: Merz zu Gast bei Caren Miosga im Studio Adlershof: Korrekt ist, dass er sich hier zuletzt gegen Steuererhöhungen ausgesprochen hatte
Es war ein kurzer, aber denkwürdiger Auftritt: Am Dienstag besuchte
[1][Friedrich Merz zum ersten Mal in seiner Funktion als Bundeskanzler die
SPD-Fraktion]. Und äußerte eine Bitte: „Ich möchte uns alle bitten, das
gilt für die Unionsfraktion genauso wie für die SPD-Bundestagsfraktion, uns
nicht gegenseitig öffentlich rote Linien aufzuzeigen.“ Der Zweck des
Auftritts: die aufgeraute Stimmung zwischen den Koalitionspartnern zu
glätten und Union und SPD vor wichtigen Reformen wieder
zusammenzuschweißen.
Doch die Bitte des Kanzlers verhallt ungehört. Keine 36 Stunden später
[2][berichtet zunächst der Spiegel] über einen Vorstandsbeschluss vom
Parlamentskreis Mittelstand, des einflussreichen Wirtschaftsflügels der
Union, in dem genau solche roten Linien bei der geplanten
Einkommensteuerreform gezogen werden. Die Kompromissbereitschaft der
Fraktion finde ihre Grenze, wo zusätzliche steuerliche Belastungen zur
Diskussion gestellt würden, heißt es dort. Die im Koalitionsvertrag
vereinbarten steuerlichen Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen
„müssen ohne steuerliche Mehrbelastungen bei der Einkommenssteuer umgesetzt
und finanziert werden“.
Verpackt ist dieser Affront gegen den Kanzler als Rückendeckung: „Wir
unterstützen unseren Bundeskanzler, der Mehrbelastungen bei der Einkommens-
und Erbschaftssteuer ablehnt“, so der Wortlaut.
Korrekt ist, dass Merz sich zuletzt gegen Steuererhöhungen ausgesprochen
hatte, [3][unter anderem in der Sendung „Miosga“.] Doch nach wie vor
herrscht Unklarheit, wie Schwarz-Rot die versprochenen steuerlichen
Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen, die wohl zweistellige
Milliardenbeträge pro Jahr kosten, eigentlich gegenfinanzieren will.
## Vorsichtige Lockerungen in der Union wieder passé?
Finanzminister Lars Klingbeil will in den nächsten Wochen ein Konzept
vorlegen. Zugleich hat der SPD-Vorsitzende mehrfach betont, dass es keine
Reform geben werde, bei der nicht auch Spitzenverdiener mehr zahlen sollen.
Auch in der Union gab es vorsichtige Lockerungsübungen. So hatte
CDU-Haushaltspolitiker Andreas Mattfeldt im vergangenen Jahr einen Deal
vorgeschlagen: [4][Erhöhung der Reichensteuer gegen Sozialreformen.]
Zwei Unionsabgeordnete hatten im April ein Konzept für eine Steuerreform
inklusive einer Erhöhung des Reichensteuersatzes von 45 auf 47,5 Prozent
vorgeschlagen, den auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann unterstützt.
Die Wirtschaftspolitiker in der Unionsfraktion schlagen hingegen vor,
„konsequent Ausgaben zu priorisieren, Einsparpotenziale zu heben und
wachstumsfördernde Maßnahmen in den Mittelpunkt zu stellen“. Einen Weg, den
auch Unionsfraktionsvize Mathias Middelberg bevorzugt, der laut einem
Bericht von Table Media zusammen mit Kolleg:innen von SPD und CSU im
Auftrag des Finanzministeriums aktuell an einer Liste mit
Subventionskürzungen arbeitet, bei der mindestens 5 Milliarden Euro zur
Finanzierung der Steuerreform rausspringen sollen.
Middelberg ist auch Mitglied im Parlamentskreis und teilt auf Anfrage der
taz mit, er sehe den Beschluss unproblematisch. Die finanzpolitische
Sprecherin der SPD-Fraktion Frauke Heiligenstadt möchte sich auf Anfrage
lieber nicht äußern.
21 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kanzler-besucht-SPD-Fraktion/!6180160
(DIR) [2] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-merz-cdu-csu-abgeordnete-ziehen-rote-linien-wirtschaftspolitik-a-24429c89-ebeb-469d-abc3-00fe4fbad94f
(DIR) [3] https://www.facebook.com/watch/?v=27125139387122642
(DIR) [4] https://www.deutschlandfunk.de/cdu-haushaelter-offen-fuer-anhebung-der-reichensteuer-102.html
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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