# taz.de -- Das ist Nord Stream: Die Anti-Ukraine-Pipeline
> Die Ukraine hatte schon früh gegen den Bau von Nord Stream 2 protestiert,
> weil ihr dadurch Durchleitungsgebühren als Transitland für russisches
> Erdgas entgehen.
(IMG) Bild: Vor dem Gerichtsgebäude wird gegen Russland protestiert
Unter dem Namen Nord Stream sind zwei Pipelineprojekte zur Belieferung
Deutschlands mit russischem Erdgas zusammengefasst, die der Versorgung
Deutschlands mit russischem Erdgas dienen sollten.
Nord Stream 1 führt vom russischen Wyborg durch die Ostsee bis nach Lubmin
bei Greifswald und ging 2011 in Betrieb. Die in der Schweiz ansässige
Betreibergesellschaft der doppelrohrigen Pipeline gehört [1][mehrheitlich
einer Tochter des russischen Gaskonzerns Gazprom], weitere Anteile halten
die deutschen Konzerne Wintershall DEA und E.ON, die französische Gasunie
und die niederländische Engie.
In den Jahren vor Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wurden durch
Nord Stream 1 jeweils fast 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Deutschland
geliefert – etwa die Hälfte der zur Energiegewinnung benötigten
Erdgasmenge.
Noch einmal fast dieselbe Kapazität sollte das Projekt Nord Stream 2
hinzufügen, das vom etwas weiter südlich als Wyborg gelegenen russischen
Ostseehafen Ust-Luga nach Lubmin führt, über weite Strecken parallel zur
ersten Pipeline. Die beiden Röhren wurden 2021 fertiggestellt und gehören
zu 100 Prozent dem Gazprom-Konzern.
Die ukrainische Regierung hatte frühzeitig gegen den Bau protestiert. Denn
das erklärte Ziel hinter dem Bau war, die Ukraine als Transitland für
russisches Erdgas zu umgehen. Dadurch drohte ihr der Verlust von
Durchleitungsgebühren sowie von geostrategischer Bedeutung.
Nachdem Russland 2014 die Krim annektiert hatte, wurden die Proteste
nochmal lauter. Doch die Bundesregierung sah keinen Anlass, den Bau zu
stoppen. 2019 verhängte die erste Trump-Regierung US-Sanktionen gegen am
Projekt beteiligte Unternehmen.
## Mit Stiftungs-Trick gegen US-Sanktionen
[2][Das Land Mecklenburg-Vorpommern gründete daraufhin die fast vollständig
von Gazprom finanzierte Stiftung Klima- und Umweltschutz] deren Zweck,
anders als der wohlklingende Name suggerierte, allein war, den Weiterbau
der Pipeline zu garantieren, wenn Unternehmen wegen der US-Sanktionen
Rückzieher machten.
Noch im Dezember 2021 hatte sich der frisch gewählte Bundeskanzler Olaf
Scholz (SPD) gegen einen Baustopp für das „privatwirtschaftliche Vorhaben“
ausgesprochen. Erst im Februar 2022, wenige Tage bevor Russland die Ukraine
überfiel, gab er bekannt, dass die Bundesregierung die Zertifizierung der
fertigen Pipeline aussetze. Sie ging nie in Betrieb.
Unklar ist, ob Deutschland durch die Sprengung schwerer wirtschaftlicher
Schaden entstanden ist. Gazprom hatte die Pipeline schon vorher vom Netz
genommen, weil die Wartung wegen EU-Sanktionen angeblich nicht möglich
gewesen sei. Wenn Deutschland Nord Stream 1 zertifiziere, könne man
allerdings sofort liefern.
13 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
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