# taz.de -- Drohnen auf Rechenzentren: Angriffe auf IT-Riesen schaden Russland schwer
       
       > Die Drohnenangriffe auf den Internetkonzern Yandex haben schwere Folgen
       > für die russische Wirtschaft. Vieles im Alltag ist eingeschränkt.
       
 (IMG) Bild: Das Yandex-Rechenzentrum nach dem ukrainischen Drohnenangriff
       
       Tscherwonenkis, Ljapunow und Galuschkin sind tot. Nicht die längst
       verstorbenen russischen Mathematiker, sondern die nach den Pionieren der
       Lerntheorie, Kybernetik und Neuroinformatik genannten Supercomputer, die an
       zwei Standorten des russischen Internet-Riesen Yandex die Rechenleistung
       für den wichtigsten Digitalkonzern und viele Unternehmen des Riesenreichs
       erbracht hatten.
       
       Ausgeschaltet wurden die drei durch gezielte ukrainische Drohnentreffer
       seit vorigem Donnerstag – [1][nachdem die russische] Armee zuvor erstmals
       gezielt ukrainische Rechenzentren angegriffen hatte. Der Preis für die
       russischen Aggressoren ist hoch: Denn Yandex gilt als das russische Google,
       allerdings mit noch mehr krakenhaften Aufgaben als der US-Internetgigant.
       
       Die Folgen des Ausschaltens der Yandex-Rechenzentren und der Supercomputer,
       die auch für Russlands bisher spärliche Praxis mit Künstlicher Intelligenz
       (KI) eingesetzt waren, sind vielfältig: „Alisa“, die Sprachsoftware von
       Yandex, analog zum Google-Assistenten oder zu Amazons „Alexa“, schweigt
       nun. Der Speicherort Yandex Cloud hat sich vorerst in Luft aufgelöst. Wie
       viele dort von vielen Unternehmen und Behörden abgelegte Daten
       unwiederbringlich verloren sind, ist unklar.
       
       Der viel genutzte Zahlungsdienstleister Yandex Pay funktioniert nur noch
       begrenzt. Lieferdienste von Supermarktketten, Internetbanken und der
       Ticketverkauf der staatlichen Eisenbahn RZD, die alle ihren Datenverkehr
       über die Rechenzentren des Internetriesen abgewickelt haben, sind nicht
       mehr erreichbar. Der Fahrdienstleister Yandex Go funktioniert nicht. Taxis
       können nicht bestellt, Fahrer nicht bezahlt werden. Nicht nur in Russland,
       sondern sogar im serbischen Belgrad, wo 32 der 33 Taxiparks über eine
       Yandex-App laufen. Der russische Rivale empfiehlt nun ausgerechnet die
       Nutzung von Google Maps oder WhatsApp.
       
       ## Wird ein Rechenzentrum in Finnland reaktiviert?
       
       Ein zuvor in Finnland aufgrund politischen Drucks stillgelegtes
       Yandex-Rechenzentrum soll nun reaktiviert werden. Ob die finnische
       Regierung mitspielt, ist noch unklar. Denn die Treffer auf Yandex haben
       auch dazu geführt, dass bei russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf
       die Ukraine die Steuerung über KI drastisch eingeschränkt ist, heißt es
       auch in russischen Medienberichten. Auch das viel verbreitete
       Gesichtserkennungsprogramm mit zehntausenden Kameras in Moskau fiel aus.
       
       Das „russische Internet wird um 10 bis 15 Jahre zurückgeworfen“, meint die
       russische Journalistin Tatjana Rybakowa. Yandex betonte bisher, es sei
       derzeit „sehr schwer“, Termine für die Wiederherstellung der Geräte zu
       nennen. Die getroffenen Rechenzentren seien das „eiserne Herz“ des
       Konzerns. Das Hauptproblem liegt bei den Chips. In den zerstörten
       Supercomputern von Yandex kamen Tausende hochmoderne Nvidia-Chips zum
       Einsatz – deren Einfuhr nach Russland ist strengstens verboten.
       
       ## Achillesferse der russischen Wirtschaft
       
       Mit Yandex haben ukrainische Drohnen die Achillesferse der russischen
       Wirtschaft getroffen – nachdem die russische Armee den Kampf um
       Rechenzentren eröffnet hatte. Russland wird nun sein Zentralismus zum
       Verhängnis: Yandex ist fast Monopolist bei Rechenzentren, wie der von
       Dutzenden [2][Drohnen auf seine Logistikzentren getroffene
       Internethandelsriese Wildberries] beim E-Commerce, die Airline Aeroflot
       beim Flugverkehr oder die Sberbank auf dem Finanzsektor.
       
       „Das ist nicht einmal ein klassisches Oligopol – es ist ein exakter Abguss
       des hierarchischen Systems der Putin-Machtvertikale, in dem es einen Putin
       gibt, eine Gruppe seiner Mitstreiter – und daneben nur noch ein verbranntes
       Feld“, so Rybakowa. Quasi-Monopole sind politisch gewollt, aber ein leicht
       verwundbares System, wie sich nun herausstellt.
       
       14 Oct 2026
       
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