# taz.de -- Brandenburgs AfD-Spitzenmann Kalbitz: Der Flügel-Kämpfer
       
       > Er spricht hölzern, hat eine rechtsradikale Biografie. Er ist intelligent
       > und gut vernetzt. Andreas Kalbitz empfiehlt sich in der AfD für Höheres.
       
 (IMG) Bild: Der Strippenzieher: Andreas Kalbitz (Mitte) beim Wahlkampfauftakt der AfD in Cottbus
       
       Prenzlau/Königs Wusterhausen/Berlin taz | Andreas Kalbitz braucht nur
       wenige Minuten, bis er beim Ende der DDR angekommen ist. Am ersten Samstag
       im August steht der 46-Jährige auf einer Bühne in Prenzlau im Norden
       Brandenburgs. Kalbitz ist ein kleiner Mann mit Glatze und schmaler
       Metallbrille, er trägt ein weißes Hemd mit dunklem Jackett. Hinter ihm
       prangt groß der Schriftzug „Wende_2.0“ auf Schwarz-Rot-Gelb, „Die
       ‚friedliche Revolution‘ mit dem Stimmzettel“ steht klein darunter. Die
       Sonne scheint, es riecht nach Bratwurst.
       
       Die AfD hat zum Wahlkampf in die Uckermark geladen, Kalbitz ist
       Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in gut zwei Wochen. In Umfragen liegt
       die Partei bei über 21 Prozent und damit noch vor SPD und CDU. Nicht
       ausgeschlossen, dass sie stärkste Kraft wird. Das könnte Kalbitz’ Einfluss
       in der AfD weiter verstärken. Und dazu führen, dass „der Flügel“, wie sich
       die extrem rechte Strömung der AfD nennt, die Partei noch stärker
       dominiert. Kalbitz steht gemeinsam mit Thüringer Björn Höcke an der Spitze
       dieses „Flügels“.
       
       Die AfD hat in Prenzlau rund um den Platz vor dem Union Filmtheater
       Bierwagen und Grill, Hüpfburg, Torwand und Kinderschminken aufgebaut. In
       der Mitte zwölf Biertische, einige Liegestühle, Sonnenschirme, fast alles
       in Blau gehalten, dazu beschriftet mit Werbeslogans mit Bezug zu Umbruch
       und Wende. Unauffällig aussehende PrenzlauerInnen mischen sich mit schwer
       tätowierten Kerlen, bekleidet mit Lederwesten oder T-Shirts mit
       einschlägigen Botschaften wie „Oldschool Hooligan“.
       
       „Was darf man eigentlich noch sagen?“, fragt Kalbitz jetzt von der Bühne
       herab. Auf die Treuhand hat er schon geschimpft, und darüber, wie sich
       Wessis den Osten „zur Beute“ gemacht haben. „30 Jahre nach der Wende sind
       wir wieder in einer Situation, wo man sich genau überlegt: Was sag ich am
       Arbeitsplatz, was sag ich dem Vermieter, was sag ich am Küchentisch, damit
       die Kinder sich im Kindergarten nicht verplappern?“ Applaus. Die Wende
       müsse vollendet werden – dafür kämpfe die AfD. „Recht hat er“, sagt ein
       Mann um die 60, der mit seiner Frau an einem der Biertische sitzt. Die
       beiden klatschen.
       
       ## Der Ossi, der aus dem Westen kam
       
       Aber was heißt eigentlich „wieder“? Kalbitz ist schon aus einem Grund nicht
       in der gleichen Situation wie die meisten seiner ZuhörerInnen: Er ist erst
       lange nach der Wende in den Osten gezogen. Aber dass Kalbitz ein Wessi ist,
       der mit der Unterstützung eines anderen Wessis (Alexander Gauland) in der
       Brandenburger AfD eine steile Parteikarriere hingelegt hat, und mit einem
       weiteren Wessi (Björn Höcke) die Politik der AfD immer stärker bestimmt –
       all das scheint hier niemanden zu stören.
       
       Als im Herbst 1989 die DDR-BürgerInnen für mehr Freiheit demonstrierten,
       war Andreas Kalbitz 16 Jahre alt und ging in München zur Schule. Später
       wurde er Fallschirmjäger und blieb zwölf Jahre bei der Bundeswehr, danach
       zog er nach Brandenburg, absolvierte eine Ausbildung zum Medienkaufmann und
       gründete einen Kleinverlag, mit dem er pleiteging. Kalbitz ist verheiratet
       und hat drei Kinder.
       
       Seit 2017 ist er Fraktionsvorsitzender im Potsdamer Landtag, wo er schon
       mal „kleiner Himmler“ genannt wird. Den Posten hat er, genau wie den
       Vorsitz des Landesverbands, von Alexander Gauland übernommen, als dieser in
       den Bundestag ging. Gauland hat Kalbitz jahrelang gefördert. Beide Männer
       wissen, wie die AfD in Ost und West funktioniert. Immer wieder wird Kalbitz
       auch als Bundesvorsitzender gehandelt, wenn Gauland, inzwischen 78 Jahre
       alt und nicht ganz gesund, sich von diesem Posten zurückziehen wird.
       Bislang aber sagt der gebürtige Bayer, er wolle auf dem Parteitag Anfang
       Dezember nicht für die Gauland-Nachfolge kandidieren.
       
       ## Rechtsextreme Stationen prägen Kalbitz' Biografie
       
       Andreas Kalbitz war einige Jahre in der CSU, doch anders als bei Gauland
       ist die Union nicht das, was seine politische Geschichte geprägt hat. Es
       sind viel mehr die vielen rechtsextremen Stationen. Mit Anfang 20 trat er
       den Republikanern bei, Mitte der 90er wurde er, wie der Stern im
       vergangenen Jahr berichte, lobend im Thulenetz erwähnt, ein frühes
       Internetforum der extremen Rechten. Von einem „jungen Kameraden“ sei da die
       Rede gewesen, der „sportlich, intelligent, gebildet und sehr engagiert“ sei
       und sicher nicht zu den „Weicheiern“ gehöre.
       
       Bis 2015 war Kalbitz Vorsitzender des Kulturvereins „Archiv der Zeit“, der
       von einem SS-Hauptsturmführer gegründet wurde, schrieb für den Witikobrief
       vom „Ethnozid am deutschen Volk“, und für Fritz, der Mitgliederzeitschrift
       der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen.
       
       Im vergangenen Jahr wurde ein Video bekannt, das Kalbitz 2007 bei einem
       Pfingstcamp der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend zeigt,
       einer konspirativen Neonazi-Organisation, die die künftige
       nationalsozialistische Elite heranziehen will. Zuletzt recherchierte die
       Welt, dass Kalbitz mit seinem Schwiegervater zwei Filme gedreht hat. Der
       eine soll aus Sicht von Experten Hitler verherrlichen, der andere die so
       genannte Edelweiß-Division beschönigen, die unter anderem am Überfall der
       Wehrmacht auf die Sowjetunion beteiligt war und später in Griechenland an
       Kriegsverbrechen.
       
       Fragt man Kalbitz nach seiner Geschichte, winkt er betont gelangweilt ab.
       Der AfD-Politiker hat sich zu einem Gespräch bereit erklärt und als
       Treffpunkt ein indisches Restaurant in Königs Wusterhausen bei Berlin
       vorgeschlagen, wo er lebt und als Direktkandidat antritt. Draußen scheint
       die Sonne, doch Kalbitz will rein. Seine Regeln für das Gespräch formuliert
       er klar: Alles, was geschrieben wird, muss zuvor von ihm freigeben werden.
       So bleibt manches, was in den folgenden, gut anderthalb Stunden gesprochen
       wird, auf der Strecke. „Ich habe keine rechtsextreme Geschichte“, sagt
       Kalbitz, der eine Nische weit hinten in dem so gut wie leeren Lokal
       angesteuert hat, wo er nach eigenem Bekunden immer sitzt. „Ich war zwölf
       Jahre lang Soldat, der MAD hat mich sicher überprüft. Und entlassen wurde
       ich offensichtlich nicht. Sie können mir unterstellen, rechtsextreme Bezüge
       zu haben.“
       
       Gideon Botsch, Rechtsextremismusexperte und Politikprofessor in Potdam, der
       die Brandenburger AfD schon lange beobachtet, sieht das anders: „Das ist
       eine rechtsextreme Biografie. Andreas Kalbitz ist in der rechten Szene fest
       verankert.“ Botsch kann sich durchaus vorstellen, dass noch weitere
       einschlägige Stationen aus dieser Biografie bekannt werden. Schließlich
       habe Kalbitz immer nur das eingeräumt, was er gar nicht mehr abstreiten
       konnte. Von seiner Vergangenheit hat sich Kalbitz nicht distanziert. Er
       könne sich ja nicht von sich selbst distanzieren, entgegnet er auf die
       Frage danach stets lapidar. Und ohnehin würden sich die Leute für andere
       Dinge interessieren.
       
       ## Schwacher Redner, gute Organisator
       
       In Prenzlau haben sich die letzten Wolken aufgelöst, die Sonne knallt jetzt
       vom Himmel. Auf der Bühne wendet Kalbitz die Rechtsextremismusvorwürfe
       gegen die Medien und die politische Konkurrenz. „Wenn kein Argument mehr
       hilft, geht immer noch Nazikeule. Aber das nutzt sich ab.“ Mit wenigen
       Sätzen ist das Thema abgehakt. Ohnehin: Keine der vielen Enthüllungen hat
       Kalbitz wirklich geschadet.
       
       Kalbitz ist kein guter Redner. Die rhetorische Finesse und die Dramatik
       eines Höcke sind ihm fremd. Seine Rede funktioniert nach dem
       Baukastenprinzip, ohne Höhepunkte: etwas Kritik an der rot-roten
       Brandenburger Regierung („unsozial“, „Stillstand“) und Untergangsrhetorik,
       etwas Sozialpolitik, völkisch grundiert, dazu viele Stichworte, die
       gewöhnlich gut ankommen beim AfD-Publikum („Inländerfeindlichkeit“,
       „Gendergaga“, „Raute des Grauens“, „Kalifat“). Der Applaus ist freundlich,
       mehr nicht.
       
       Dem entspricht die Arbeitsteilung an der „Flügel“-Spitze: Höcke, der
       Posterboy für die extrem Rechten, hält Reden voller Pathos und Provokation
       und gibt den Führer der Bewegung. Kalbitz, der im Vergleich dazu weniger
       radikal erscheint und auch parteiintern weniger polarisiert, telefoniert,
       verhandelt und organisiert die Mehrheiten.
       
       ## Von Beginn an beim radikalen „Flügel“ dabei
       
       Kalbitz, der sich selbst in einem Interview als „politischer
       Langstreckenläufer“ bezeichnet hat, ist gleich 2013 in die AfD eingetreten,
       Mitgliedsnummer 573. Damals wurde die Partei von Bernd Lucke geführt, die
       Kritik am Euro stand im Vordergrund. 2014 zog Kalbitz von Listenplatz neun
       in den Brandenburger Landtag ein. Ein Jahr später gründete Höcke den
       „Flügel“, um den gemäßigten Lucke als Parteichef loszuwerden. Aber auch, um
       die AfD nicht nur als parlamentarische Kraft, sondern auch als
       „Widerstandsbewegung“ auf der Straße zu positionieren. Kalbitz war von
       Anfang an dabei. Er nennt den „Flügel“ gern „Lordsiegelbewahrer der
       Partei“. Soll heißen: Der „Flügel“, das ist die reine, wahre AfD.
       
       Ende 2017 ließ der „Flügel“, dem etwas ein Drittel der AfD zugerechnet
       werden, die Muskeln spielen: Er verhinderte, dass der Berliner Landeschef
       Georg Pazderski, der innerhalb der AfD als moderater gilt, Parteichef wird
       – und demonstrierte damit, wie groß sein Einfluss längst ist. Auf dem
       Parteitag in Hannover wurde Kalbitz in die Parteispitze gewählt. „Sein
       Einfluss im Bundesvorstand ist erschreckend groß“, sagt der
       Landtagsabgeordnete Steffen Königer, der unter anderem wegen Kalbitz aus
       der AfD ausgetreten ist und bis dahin selbst Mitglied in dem Gremium war.
       
       Für seine Arbeit wird Kalbitz auch von Nicht-Flügel-Leuten gelobt. Er sei
       gut organisiert, verlässlich und packe an, heißt es. Man könne Dinge mit
       ihm aushandeln und sich auf Absprachen verlassen. Zum Beispiel, wenn es auf
       Parteitagen um das Durchsetzen von KandidatInnen geht. Weil er sich von
       sozialen Netzwerken fernhält, geben andere die Wahlempfehlungen des
       „Flügels“ per WhatsApp an die Delegierten weiter.
       
       Kalbitz gilt als einer der besten Strippenzieher in der AfD. „Ich rede, ich
       telefoniere“, sagt der AfD-Mann beim Inder, wo der Kellner inzwischen
       seinen Weißwein und Wasser gebracht hat. Sein Adressbuch, sagt er, sei gut
       sortiert. „Ich glaube einen sehr kurzen Draht zu ganz unterschiedlichen
       Leuten aus der Partei zu haben, nicht nur aus dem Flügel.“ Das gilt auch
       darüber hinaus. Götz Kubitschek beispielsweise, der das neurechte „Institut
       für Staatspolitik“ betreibt, einer der Ideengeber des „Flügels“ und ein
       Scharnier zur Neuen Rechten ist, kennt er schon lange.
       
       ## Offener Schulterschluss mit Neonazis
       
       Chemnitz, der erste Samstag im September des vergangenen Jahres, die AfD
       hat zum Trauermarsch für Daniel H. geladen, der bei einer Messerstecherei
       ums Leben kam, tatverdächtig sind zwei Geflüchtete. Im dunklen Anzug und
       mit einer weißen Rose in der Hand führt Kalbitz gemeinsam mit Höcke und
       anderen AfD-Landeschefs den Marsch an. Direkt dahinter: Lutz Bachmann, der
       mehrfach vorbestrafte Pegida-Frontmann. Später folgen
       Kameradschaftsmitglieder, Identitäre, Hooligans.
       
       Es ist auch dieser offene Schulterschuss mit Neonazis, der dafür sorgt,
       dass der Verfassungsschutz wenig später den „Flügel“ als Verdachtsfall für
       rechtsextreme Bestrebungen eingestuft. 65 Mal taucht Kalbitz namentlich im
       entsprechenden Prüfbericht des Verfassungsschutzes auf, Spitzenreiter ist
       Höcke mit mehr als 600 Eintragungen. Höckes „Ideologiegebäude“ sei „in
       relevantem Maße von rechtsextremistischen Motiven geleitet“, heißt es da.
       Und Kalbitz verleihe „den Forderungen Höckes Nachdruck“. Der „Flügel“ mache
       Migranten „verächtlich“, wolle diese „weitgehend rechtlos stellen“, drohe
       Muslimen mit Massenabschiebungen, schreibe politischen Gegnern eine
       „Geisteskrankheit“ zu, relativiere den Nationalsozialismus, rede einen
       gewaltsamen Umsturz herbei. Immer wieder heißt es in dem Bericht aber auch,
       dass sich Kalbitz im Vergleich zu Höcke weniger eindeutig äußere.
       
       Das fällt auch beim Inder auf, wo Kalbitz inzwischen vor seinem Curry samt
       Bhatura, dem frittierten Ballonbrot, sitzt. Er hat die Gabe, geradeaus zu
       wirken und in seinen Antworten doch reichlich Interpretationsspielraum
       unterzubringen. Manchmal blitzt gar der fälschliche Eindruck auf, als würde
       er sich von Teilen seiner Partei oder von Höcke distanzieren. „Es geht für
       mich nicht ‚gegen das System‘. Ich will das demokratische System im
       parlamentarischen Sinne mit all seinen Prinzipien nicht verändern“, sagt er
       und tupft mit der Serviette den Schweiß vom Kopf. „Aber ich möchte das
       Koordinatensystem innerhalb des demokratischen Rahmens deutlich verändern.“
       Und er sagt auch: „Eine 1:1 Verfassungsschutz-Stasi-Analogie halte ich für
       zu undifferenziert. Das ist nicht vergleichbar.“ Als würden er und seine
       Partei nicht genau das seit Monaten tun: das gesellschaftliche und
       politische Leben in der DDR in die Nähe des heutigen schieben, wenn nicht
       gleichsetzen.
       
       Kalbitz kommunikatives Geschick lässt ihn weniger polarisierend als Höcke
       wirken. Gepaart mit seiner Fähigkeit zur Zusammenarbeit macht ihn das in
       der AfD auch für solche akzeptabel, die bei seinem Thüringer Counterpart am
       liebsten schreiend davonlaufen würden. Dabei steht Kalbitz in seiner
       Radikalität Höcke nichts nach. „Die AfD ist die letzte evolutionäre Chance
       für dieses Land. Danach kommt nur noch ‚Helm auf‘ “, was er nicht wolle,
       sagte Kalbitz bei einem der Kyffhäusertreffen, wo sich der „Flügel“
       alljährlich selbst feiert.
       
       Kalbitz kann seinen Einfluss in der Bundespartei auch deshalb so gut
       ausspielen, weil in der Brandenburger AfD Ruhe herrscht. Er führt den
       Landesverband straff, manche sagen autoritär. „Er hat die Schaltstellen in
       allen Kreisverbänden mit seinen Leuten besetzt. Wer ihm nicht passt, wird
       in der Brandenburger AfD nichts mehr“, sagt Ex-AfDler Königer. Andere
       Kritiker berichten gar von „Spitzelnetzwerken“: In allen Kreisverbänden
       gebe es Mitglieder, die kritische Äußerungen an ihn weitergeben.
       Gefolgsleute würden mit Posten belohnt.
       
       In der Tat sind im Landesvorstand und auf der Liste für die Landtagswahl
       vor allem Kalbitz-Anhänger zu finden. Die Fraktion ist inzwischen von
       ursprünglich elf auf acht Mitglieder geschrumpft. In den vergangenen
       Monaten hat neben Königer ein weitere Abgeordneter mit Hinweis auf den
       Führungsstil Kalbitz’ Fraktion und Partei verlassen.
       
       ## Wird Kalbitz trotz Dementi Gauland-Nachfolger?
       
       Pathetische Musik, Mitglieder der Nachwuchsorganisation Junge Alternative
       ziehen fahnenschwenkend in die Obereichsfeldhalle im thüringischen
       Leinefelde ein. Unter „Höcke, Höcke“-Rufen folgen Kalbitz und Jörg Urban,
       der sächsische Spitzenkandidat, gemeinsam mit Höcke. So beginnt das
       Kyffhäusertreffen Anfang Juli 2019. Danach: Aufrufe zum Widerstand von
       Kalbitz, scharfe Kritik an der eigenen Parteispitze von Höcke. „Ich werde
       mich mit großer Leidenschaft der Neuwahl des Bundesvorstands hingeben“,
       kündigt der Thüringer vor jubelnden AnhängerInnen an. In der aktuellen
       Zusammensetzung werde die Parteispitze Ende des Jahres sicher nicht
       wiedergewählt. Greift der Flügel jetzt also zur Macht in der AfD?
       
       Deshalb noch einmal die Nachfrage beim Inder in Königs Wusterhausen: Werden
       Sie für den Bundesvorsitz kandieren, Herr Kalbitz? „Ich werde auf dem
       nächsten Bundesparteitag nicht als Bundessprecher kandidieren, sollte
       Alexander Gauland nicht mehr zur Verfügung stehen“, antwortet Andreas
       Kalbitz. „Ich glaube als im Moment innerparteilich nicht ausgleichend genug
       wahrgenommen zu werden. Wir brauchen an der Spitze jemanden, der in der
       derzeitigen fragilen innerparteilichen Konstitution vieler westlicher
       Landesverbände integrativer erscheint.“ Auch Alexander Gauland scheint
       Kalbitz nicht mehr als Nachfolger zu präferieren. Immer häufiger wird Tino
       Chrupalla für diese Funktion genannt, der sächsische Bundestagsabgeordnete,
       der seinen Wahlkreis direkt holte und mit allen Strömungen gut kann.
       
       Doch wer die AfD lange beobachtet, weiß: Ein Parteitag ist für
       Radikalisierungen anfällig, am Ende kann alles anders sein als gedacht.
       Auch Gauland hatte bei der letzten Wahl vor zwei Jahren gesagt, er wolle
       nicht Parteichef werden. Und wurde am Ende doch gewählt. Was also, wenn
       Höcke seinen Hut in den Ring wirft – oder zumindest damit droht? Der
       Thüringer lässt bislang alles offen. Dann könnte Kalbitz wie so oft als
       weniger radikal erscheinen. Und möglicherweise als Kompromisskandidat.
       
       16 Aug 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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