# taz.de -- US-Midterm-Wahlen: Die Demokraten räumen auch in Texas ab
       
       > Es ist eine historische Nacht in dem konservativen Bundesstaat. Der
       > bibelfeste Talarico holt den Senatsposten, die bisher eher unbekannte
       > Hinojosa das Gouverneursamt.
       
 (IMG) Bild: Mit Bibelspruch gegen die Republikaner: James Talarico (mittig) in Austin am 3. November 2026
       
       Die blaue Welle, die in der vergangenen Wahlnacht [1][bei den Midterms]
       durch die Vereinigten Staaten zog, hat auch in Texas nicht haltgemacht. Mit
       James Talarico haben die Demokraten zum ersten Mal seit 1988 wieder eine
       Senatswahl in dem christlich-konservativen Bundesstaat gewonnen. Noch
       überraschender als der Sieg Talaricos kam der Erfolg von Gina Hinojosa, die
       im Rennen um das Gouverneursamt den republikanischen Amtsinhaber Greg
       Abbott besiegte. Hinojosa wird damit zur ersten Latino-Gouverneurin in der
       Geschichte des Bundesstaates.
       
       Für die Demokratische Partei galt Texas lange Zeit als Luftschloss. Immer
       mal wieder stand sie knapp vor einem Sieg – aber am Ende blieb er doch
       unerreichbar. [2][Dass es nach Jahrzehnten jetzt doch geklappt ha]t, ist
       auf mehrere Gründe zurückzuführen.
       
       ## Ein skandalfreier Demokrat wird Senator für Texas
       
       [3][Im Senatsrennen trat mit Talarico ein charismatischer, bibelsicherer
       Landespolitiker ohne Skandale an]. Sein republikanischer Kontrahent, der
       texanische Justizminister Ken Paxton, war das genaue Gegenteil. Ein von
       US-Präsident Donald Trump installierter, skandalgeplagter Politiker, dessen
       eigene Partei versucht hatte, ihn des Amtes zu entheben. „Heute Abend haben
       wir Goliath besiegt“, sagte Talarico vor einer jubelnden Menge auf seiner
       Wahlparty in Austin. Er bezeichnet sich selbst als progressiver Christ und
       trat mit dem Versprechen an, Korruption zu bekämpfen und die
       Lebenshaltungskosten zu senken.
       
       Sein Sieg ist ein schwerer Schlag für die Republikaner und für Trump
       selbst. Trump und seine Verbündeten pumpten Millionen Dollar in den
       Wahlkampf; bei Wahlkampfveranstaltungen griff der Präsident Talarico zudem
       häufig an und stilisierte ihn dabei zu einem landesweiten Sinnbild für die
       Demokraten.
       
       Talarico selbst konzentrierte seinen Wahlkampf auf wirtschaftliche Themen
       und die Korruption. Und legte sich dabei mit dem reichsten Mann der Welt,
       Elon Musk, immer wieder an. Dieser hatte Millionen in die Wahlen in Texas
       investiert, um republikanische Kandidaten zu unterstützen. Im Wahlkampf
       erklärte Talarico, dass die größte Spaltung in den USA „nicht zwischen
       links und rechts“ verlaufe, sondern „zwischen oben und unten.“
       
       Vor allem Latino-Wähler in Texas, die vor zwei Jahren noch für Trump
       gestimmt haben, haben aufgrund der wirtschaftlichen Situation sowie dem
       Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE der republikanischen Partei vermehrt
       den Rücken gekehrt. „Sie mussten miterleben, wie ihre Nachbarn oder
       Angehörigen abgeführt, abgeschoben oder verhaftet wurden“, sagte Stephanie
       Guerra aus San Antonio der taz.
       
       Im Vorfeld zeigten die Umfragen, dass es für Talarico ein knappes Rennen
       sein würde. Nach den bisher ausgezählten Stimmen liegt er nun aber mit elf
       Prozentpunkten vor Paxton.
       
       ## Erste Latino-Gouverneurin für Texas
       
       Anders war die Ausgangslage für Gina Hinojosa. Sie ist ebenfalls eine
       texanische Abgeordnete, doch im Gegensatz zu Talarico fehlten ihr der
       Bekanntheitsgrad und die Unterstützung der demokratischen Parteizentrale.
       
       Es gelang ihr jedoch, einen populistischen Wahlkampf zu führen. Sie
       kritisiert den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz sowie
       die Korruption in der Politik. Amtsinhaber Abbott – der seit Jahrzehnten
       eine feste Größe in der texanischen Politik ist und für seine vierte
       Amtszeit als Gouverneur kandidierte – schien seine Herausforderin
       unterschätzt zu haben.
       
       „In Texas ist alles größer – auch die Überraschung über diesen Sieg. Wir
       haben heute Abend die Welt verblüfft. Mit dem typischen texanischen
       Kampfgeist zeigen wir, dass alles möglich ist“, sagte Hinojosa nach ihrem
       Sieg. Als Gouverneurin des Bundesstaates mit der zweitgrößten Einwohnerzahl
       nach Kalifornien kann sie nun die Bundespolitik beeinflussen.
       
       Abbott hatte dies in der Vergangenheit [4][mit seiner konfrontativen
       Immigrationspolitik] gezeigt: Unter dem demokratischen Ex-Präsidenten Joe
       Biden installierte er etwa physische Barrieren, schickte Sicherheitskräfte
       an die Grenze.
       
       „Wäre Greg Abbott, der Gouverneur von Texas, in den letzten sechs Monaten
       seiner politischen Laufbahn nicht zu einem RINO (Republican in Name Only)
       geworden, hätte er nicht verloren“, kommentiert allerdings Trump dessen
       Niederlage.
       
       4 Nov 2026
       
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