# taz.de -- Vor den US-Midterms: Was macht Trump, falls er die Wahlen verliert?
       
       > Auch wenn die US-Demokraten die Kongresswahlen gewinnen, können die
       > Republikaner das sabotieren. Manche Tricks sind illegal – manche schlicht
       > bizarr.
       
 (IMG) Bild: US-Präsident Donald Trump spricht auf einer Halloween-Party auf seinem Anwesen Mar-a-Lago
       
       Die US-Demokraten stehen kurz vor den [1][Midterms] blendend da. Beinahe
       allen Umfragen zufolge wird bei den [2][Kongresswahlen am Dienstag] eine
       blaue Welle das Land überrollen und ihnen die Mehrheit im
       Repräsentantenhaus, vielleicht sogar im Senat zuspülen.
       
       Umfragen haben allerdings schon öfters falsch gelegen, etwa als 2016
       niemand einen Wahlsieg Trumps kommen sah. Und mit ihren grenzenlosen
       Wahlspendenkassen könnten die Republikaner im letzten Augenblick noch viele
       Wähler umstimmen.
       
       Die vielleicht größte Gefahr für einen Durchmarsch der Demokraten liegt
       jedoch woanders. Es ist kaum zu erwarten, dass Donald Trump in den
       Midterms, die vor allem auch ein Referendum über seine Politik sind, eine
       Niederlage still hinnehmen wird. Schließlich zweifeln er und seine
       Anhängerschaft bis heute das Wahlergebnis von 2020 an, als er die
       Präsidentschaftswahl gegen Joe Biden verlor. Erst zu Beginn dieses Jahres
       ließ Trump das FBI in Georgia die sechs Jahre alten Stimmzettel
       beschlagnahmen.
       
       Versuche, im Vorfeld die kommenden Wahlen zu manipulieren oder wenigstens
       das Vertrauen in den Wahlvorgang zu untergraben, häufen sich. Da gab es die
       Aushöhlung der Wahlrechte für Minderheiten im Supreme Court. Es gab das
       aggressive Gerrymandering (Neuzuschnitte von Wahlkreisen) durch
       republikanische Gouverneure. Es gab Versuche der Regierung, sich illegalen
       Zugang zu Wählerdaten zu verschaffen, vermeintlich, um Nicht-Bürger von der
       Wahl auszuschließen. Schließlich sind seit 2020 in 95 Bezirken Wahlbeamte
       ernannt worden, die offen Trumps paranoide Fantasien von der gestohlenen
       Wahl teilen.
       
       ## Dan Sullivan oder Dan Sullivan?
       
       Der jüngste Versuch, schon im Vorfeld Zweifel zu schüren, trug sich
       vergangene Woche [3][in Alaska] zu. Das Justizministerium ersuchte einen
       Richter, präventiv das Ergebnis der Senatswahl ungeachtet des Ausgangs
       nicht anzuerkennen. Grund ist die Kandidatur eines Lehrers namens Dan J.
       Sullivan, dessen Name sich unglücklicherweise nur durch einen Buchstaben
       vom amtierenden republikanischen Senator Dan S. Sullivan unterscheidet.
       Trump verbreitete sofort die Theorie, dass hinter der Kandidatur von Dan J.
       die demokratische Kandidatin Mary Peltola stecke. Ziel sei es, die Wähler
       zu verwirren.
       
       Dahinter steckt laut Wahlrechtsexperten der Versuch, für eine
       Nicht-Zertifizierung eines Wahlsiegs der Demokratin Munition zu sammeln. Da
       man bei der Senatswahl einen äußerst knappen Ausgang erwartet, könnte Trump
       damit im Zweifel die Arbeit des kompletten Parlaments lahmlegen.
       
       Eine ähnliche Strategie, so ein ehemaliger Mitarbeiter des
       Justizministeriums gegenüber Reuters, könnte [4][in Kalifornien] drohen.
       Dort hat das Justizministerium den Wahlbehörden einen USB-Stick zukommen
       lassen, der angebliche Daten über illegal in die Wahllisten eingetragene
       Wähler enthält. Bei Nicht-Berücksichtigung dieser Daten könnte das Weiße
       Haus möglicherweise ebenfalls das Wahlergebnis anfechten. Es ist unklar,
       wie die Regierung überhaupt an diese Daten gelangt ist.
       
       ## Oder einfach den Notstand ausrufen
       
       Verweigerung oder Hinauszögern der Zertifizierung eines Wahlergebnisses
       sind nur zwei Möglichkeiten, wie Trump die kommende Wahl sabotieren könnte.
       Die Bürgerrechtsorganisation ACLU hat insgesamt 25 identifiziert, ihr Team
       von Hunderten von Anwälten in allen Bundesstaaten darauf vorbereitet und
       mehr als 10.000 Freiwillige geschult, darauf zu reagieren.
       
       Der extremste Eingriff wäre eine Notstandserklärung. Zahlreiche
       Trump-Anhänger versuchen, den US-Präsidenten dazu zu drängen. Ein solcher
       Schachzug hätte keine rechtliche Grundlage – dennoch hat Trump sich bislang
       geweigert, einen solchen Schritt auszuschließen.
       
       Eine weitere Befürchtung ist, dass die Einwanderungspolizei ICE unter dem
       Vorwand, undokumentierte Einwanderer vom Wählen abzuhalten, in Wahllokale
       eindringt. Das ist eine Möglichkeit, auf die Wahlhelfer in diesem Jahr
       vorbereitet werden. Ebenso wie das Szenario, dass das FBI Wahlmaschinen
       oder Wahlzettel beschlagnahmt – etwa aufgrund des Verdachts, dass Menschen
       ohne US-Staatsbürgerschaft gewählt haben.
       
       Schließlich wird noch über die Möglichkeit diskutiert, dass der Präsident
       des Repräsentantenhauses, der Republikaner [5][Mike Johnson], vor dem 3.
       Januar den Beamten feuert, der dafür zuständig ist, das neu gewählte
       Parlament in sein Amt einzusetzen. Ein Trump-Loyalist auf diesem Posten
       könnte sich weigern, demokratische Vertreter zu akkreditieren, und damit
       auf unbestimmte Zeit eine republikanische Mehrheit erhalten. Die Demokraten
       müssten erst langwierig gerichtlich dagegen vorgehen.
       
       Die beste Garantie gegen all diese Sabotageversuche ist ein derartig
       überlegener Sieg der Demokraten, dass das Ergebnis unverrückbar ist.
       
       1 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /US-Midterms-Ein-Ueberblick-zu-den-Wahlen-am-3-November/!6223224
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_United_States_elections
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_United_States_Senate_election_in_Alaska
 (DIR) [4] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_United_States_House_of_Representatives_elections_in_California
 (DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Mike_Johnson
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sebastian Moll
       
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