# taz.de -- Forsa-Umfrage zu Jugendprotesten: 83 Prozent haben Verständnis für die Proteste
       
       > Die bundesweiten Demonstrationen junger Menschen stoßen in der
       > Bevölkerung auf großes Verständnis. Zugleich sorgt Dobrindts Aussage über
       > ein „migrantisches Milieu“ für Kritik.
       
 (IMG) Bild: Sind laut Dobrindt bestimmt alles „Migranten“: Demonstrierende am 31. Oktober in Bremen
       
       kna/afp | Die bundesweiten Demonstrationen junger Menschen am Samstag haben
       laut einer Umfrage offenbar großen Rückhalt in der Bevölkerung. Eine
       Mehrheit von 83 Prozent über alle Altersgruppen hinweg hat grundsätzlich
       Verständnis für die Proteste, wie aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag von
       Stern und RTL hervorgeht. Lediglich 16 Prozent der Befragten hatten demnach
       kein Verständnis dafür. Letztere Ansicht sei besonders unter Anhängern von
       CDU/CSU (28 Prozent) und AfD (33 Prozent) verbreitet gewesen.
       
       Bei den deutschlandweiten Protesten, die unter anderem von der [1][Bewegung
       „Gen Z regelt“] organisiert wurden, gingen in über 30 Städten den Angaben
       zufolge insgesamt rund 100.000 vornehmlich junge Menschen auf die Straße.
       Sie demonstrierten für bessere Bildung, mehr soziale Gerechtigkeit und
       Klimaschutz sowie gegen eine Wehrpflicht. Trotz erhöhter
       Sicherheitsvorkehrungen kam es in einigen Städten am Rande der
       Demonstrationen zu Ausschreitungen und Plünderungen.
       
       Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa laut Bericht
       1.006 Bundesbürger am vergangenen Donnerstag und Freitag – also bevor die
       Demonstrationen stattfanden. Für den 20. November ist bereits zu neuen
       Protesten aufgerufen worden.
       
       ## Merz kritisiert Gewalt bei Protesten
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Verständnis für die Forderungen der
       protestierenden Jugendlichen in Deutschland gezeigt, zugleich aber die
       Gewalt am Rande der Kundgebungen scharf kritisiert. Die jungen Menschen
       verträten „legitime Anliegen“, die er „sehr ernst“ nehme, ließ Merz am
       Montag über seinen Sprecher Stefan Kornelius mitteilen. Die Reformpolitik
       seiner Regierung verfolge das Ziel, der jungen Generation „neue Chancen“ zu
       eröffnen – etwa durch eine Stabilisierung der Staatsfinanzen und eine
       Reform des Rentensystems.
       
       Zugleich gelte aber: „Gewaltexzesse haben in unserem Land nichts verloren“,
       sagte Kornelius. Die Polizei habe „zu Recht“ in aller Härte reagiert. Der
       Bundeskanzler habe „festgestellt, dass sehr viele junge Menschen friedlich
       demonstriert haben“, betonte der Sprecher. Diese Friedfertigkeit sei dann
       aber „im Laufe des Abends gekippt“, was „auf das Schärfste“ zu verurteilen
       sei.
       
       Inhaltlich sehe sich der Kanzler durch die Forderungen der jungen
       Demonstrierenden in seinem Reformkurs bestätigt: Die „Botschaft der jungen
       Leute“ decke sich mit der Reformbotschaft, die der Kanzler „seit Monaten
       wiederholt“, sagte Kornelius.
       
       ## Kritik nach Dobrindts Aussage zu Gewalt bei „GenZ“-Protesten
       
       [2][Für Diskussionen sorgte die Formulierung von Bundesinnenminister
       Alexander Dobrindt (CSU), wonach „gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten
       aus dem migrantischen Milieu“ für die Gewalt in der Nacht zu Sonntag
       verantwortlich seien.] Kritiker monierten eine pauschale Schuldzuweisung an
       Menschen mit ausländischen Wurzeln. Linken-Chef Luigi Pantisano etwa
       kritisierte dies als „billigen Versuch, einer Gruppe etwas zuzuschreiben,
       um wieder gegen Migranten in diesem Land zu hetzen“.
       
       Kanzler Merz stellte sich ausdrücklich hinter Dobrindts Äußerung. Dessen
       Einschätzung zum Tätermilieu speise sich „aus den Beobachtungen der
       Ermittlungsbehörden und der Einsatzkräfte vor Ort“, sagte sein Sprecher
       Kornelius. Sie decke sich auch „mit dem Bildmaterial, das viele gesehen
       haben“. Die Sprecherin des Bundesinnenministeriums räumte ein, dass noch
       „keine validen bundesweiten Zahlen“ zu den Tatverdächtigen und deren
       Hintergrund vorlägen. [3][Mit dem Verweis auf das „migrantische Milieu“]
       seien ganz generell „Personen mit Migrationshintergrund“ gemeint –
       ungeachtet der Frage, seit wie vielen Generationen deren Familien in
       Deutschland lebten.
       
       Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hat Innenminister Dobrindt bei
       dessen Einstufung der Gewalttäter widersprochen. „Es sind Einzeltäter,
       immer Einzeltäter“, sagte Röttgen am Montagabend in der ntv-Sendung „Pinar
       Atalay“. Zwar seien unter den Gewalttätern viele gewesen, „die entweder
       Ausländer sind oder Deutsche ausländischer Abstammung“. Daraus lasse sich
       aber kein gemeinsames Milieu ableiten. „Es gibt in Deutschland nicht das
       eine Milieu von Migranten“, sagte Röttgen.
       
       Zugleich betonte Röttgen, dass zwischen friedlichen Demonstranten und
       Gewalttätern klar unterschieden werden müsse. „Wenn Menschen auf die Straße
       gehen und demonstrieren, dann ist das ihr Recht“, sagte er. Das sei „die
       Wahrnehmung unserer Demokratie“. Gewalt hingegen sei durch nichts zu
       rechtfertigen und erfordere „die Härte des Rechtsstaates“. Es dürfe nicht
       zugelassen werden, dass Gewalttäter das Demonstrationsrecht friedlicher
       Teilnehmer für ihre Taten ausnutzten.
       
       Auch Grünen-Chef Felix Banaszak hat der Bundesregierung vorgeworfen, sich
       nicht mit den Anliegen der protestierenden Jugendlichen zu beschäftigen. Es
       sei „ein erkennbares Manöver“ von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und
       Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), „weiterhin sich nicht mit diesen
       Forderungen auseinanderzusetzen“, sagte Banaszak am Montag in Berlin. „Und
       damit signalisiert man den Menschen im Kern: Egal wie friedlich am Ende
       diese Demonstrationen stattfinden, eure Anliegen werden sowieso nicht
       gehört.“
       
       Das Bundesfamilienministerin kündigte an, dass sich Ministerin Karin Prien
       (CDU) für diese Woche mit Vertreterinnen und Vertretern der
       Bundesschülerkonferenz sowie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
       (GEW) zum Austausch verabredet habe. Prien selbst rief dazu auf, die
       Interessen jüngerer Menschen stärker zu berücksichtigen. „Das sind genau
       die Debatten, die wir jetzt führen müssen, die auch die jungen Menschen
       sehr zu Recht einfordern“, sagte sie im RBB.
       
       3 Nov 2026
       
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