# taz.de -- Gen-Z-Proteste: Den Erfolg nicht von rechten Krawallmachern kapern lassen
       
       > Trotz rechter Panikmache gingen Zehntausende mit der Gen Z auf die
       > Straße. Zeit, über ihre Forderungen zu reden.
       
 (IMG) Bild: Auch in Münster wird unter dem Motto „GEN-Z regelt“ demonstriert
       
       Was war das jetzt eigentlich, mag man sich mit Blick auf die
       zurückliegenden Gen-Z-Proteste in vielen deutschen Städten am Wochenende
       fragen. Über was müssen wir denn nun reden? Darüber, dass es gewaltsame
       Ausschreitungen gab, teils sogar Plünderungen von Geschäften, wie in
       Frankfurt am Main geschehen? Oder sollte man nicht eher bemerken, dass
       angesichts der großen Panikmache aus konservativen Kreisen und ihren
       medialen Sprachrohren eigentlich sogar sehr wenig Krawalle und Gewalt
       passiert sind? Und was macht man mit der Zahl von – laut aufrufendem
       Bündnis „Gen Z regelt“ – 120.000 Teilnehmer*innen bundesweit: Top oder
       Flop?
       
       Vielleicht fängt man genau hier mal an: 120.000 Teilnehmer*innen, die an
       einem nasskalten Oktobernachmittag für reichlich weit gefasste Forderungen
       – „für ein bezahlbares Leben“, „mehr Geld für Schulen“, „Nein zur
       Wehrpflicht“ – auf die Straße gehen, sind selbstverständlich ein Erfolg.
       Auch Familien, ältere Menschen und Gewerkschaftsmitglieder sind dem
       Protestaufruf gefolgt, obwohl sich keine namhaften Organisationen dem
       Aufruf angeschlossen hatten, im Gegenteil: Die
       Bundesschüler*innenkonferenz hatte sich im Vorfeld sogar noch klar
       distanziert, weil nicht erkenntlich sei, wer genau hinter „Gen Z regelt“
       stehe und was eigentlich der Fokus der Proteste sein solle.
       
       Viele sind dennoch solidarisch mit der Gen Z auf die Straße gegangen. Und
       das, obwohl im Vorfeld besonders aus den Reihen der Union, fleißig
       unterstützt von Polizeigewerkschaft und Springer-Medien, massiv Ängste vor
       Randale à la Frankreich geschürt wurden – gerne mit rassistischen
       Ressentiments versehen. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion,
       [1][Alexander Throm, sprach von einer „Kaperung“ der Proteste durch
       Linksextremisten und Kriminelle] aus dem migrantischen Milieu, der
       Bundesvorstand der Polizeigewerkschaft via Bild gleich von
       „Krawallmigranten“, die von der Polizei „keine Gnade“ erwarten dürften.
       
       Dass die Sicherheitsbehörden unmittelbar vor dem Protesttag überhaupt
       [2][„keine weitergehenden Erkenntnisse zu konkreten Gewaltaufrufen] oder zu
       geplanten gewalttätigen Ausschreitungen“ hatten, ging als Randnotiz unter.
       
       Es ist also ein Erfolg, dass 120.000 Menschen solidarisch und friedlich
       protestiert haben, obwohl nach Kräften versucht wurde, das zu verhindern.
       Oder vielmehr: Obwohl von rechts maximal versucht wurde, das
       Krawallnarrativ für die eigene Agenda zu instrumentalisieren. Es ist
       übrigens auch positiv, dass es Krawallmachern, ob nun von
       antikapitalistischer Dringlichkeit erfüllt oder nur an neuen Sportschuhen
       interessiert, höchstens punktuell gelang, die Demos zu „kapern“.
       
       Nun wird die Frage sein, worüber die Politik eigentlich nach diesem
       Wochenende zu reden hat. Die SPD hat inzwischen einen Bildungsgipfel
       gefordert. Gute Idee und höchste Zeit, sich endlich inhaltlich mit den sehr
       legitimen Forderungen der Gen Z zu beschäftigen.
       
       1 Nov 2026
       
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