# taz.de -- Gen-Z-Proteste: Halbstarke in Turnschuhen
> Politiker von Union bis AfD betonen die Herkunft der Krawallmacher vom
> Wochenende. Viel wichtiger scheint das Geschlecht der Randalierer zu
> sein.
(IMG) Bild: Gen-Z-Protest in Hamburg: Wahrscheinlich ein Halbstarker, wie schon Generationen vor ihm
Jugendliche Delinquenz gab es schon immer. Wer jung ist, rebelliert gerne
gegen soziale Normen und kann dabei schon mal mit dem Gesetz in Konflikt
geraten. In der Regel legt sich das mit der Zeit. Selbst ein Friedrich Merz
erinnert sich wehmütig an seine Jugend, als er mit langen Haaren auf dem
Mofa seine Heimatstadt, das sauerländische Brilon, unsicher gemacht haben
soll, wie er einst erzählte. Man sieht ja, was aus ihm geworden ist: ein
mehr oder weniger anerkanntes Mitglied dieser Gesellschaft.
Wir wissen nicht, was Alexander Dobrindt in seiner Jugend getrieben hat.
Ihm sei aber [1][der Film „Die Halbstarken“] aus dem Jahr 1956 empfohlen –
mit Horst Buchholz, der dadurch zu einem Teenageridol wurde. Er handelt von
einer Gang von jugendlichen Kleinkriminellen, die sich ihre Zeit mit
Schlägereien, Diebstählen und provokantem Auftreten vertreiben und so
„gegen ihre Integration ins bürgerliche Leben auflehnen“, wie es in
Filmlexika dazu heute heißt.
Die Jugendszenen von heute sind stärker [2][migrantisch geprägt], und in
Metropolen wie Frankfurt hat die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen
heute einen Migrationshintergrund, weil ihre Eltern oder Großeltern
eingewandert sind. Es ist deshalb kein Wunder, dass auch unter den
Jugendlichen, die dort nach den [3][Ausschreitungen vom Wochenende]
festgenommen wurden, die meisten einen Migrationshintergrund haben.
Das macht diese Krawalle aber noch lange nicht zu einem „migrantischen“
Problem, wie Dobrindt und andere Politiker von Union bis AfD sowie
konservative Kommentatoren von FAZ bis BILD suggerieren. Dieses Adjektiv
ist stigmatisierend und führt auf die falsche Fährte. Ein paar Hundert
Jugendliche haben in Frankfurt und anderen Städten am vergangenen
Wochenende Scheiben eingeschlagen und vereinzelt Geschäfte geplündert. Vor
allem auf Schuhgeschäfte mit Marken-Sneakern hatten sie es abgesehen.
Neu ist nicht, dass es in manchen Städten gelegentlich ein Problem mit
Krawallmachern gibt. Neu ist bloß, dass viele von ihnen heute einen
Migrationshintergrund haben und gerne Turnschuhe tragen. Welche Rolle die
Herkunft ihrer Eltern spielt, um ihre Taten zu erklären oder zu verhindern,
bleibt das Geheimnis von Dobrindt und Co. Wichtiger ist, dass es damals wie
heute hauptsächlich Männer sind, die sich so verhalten. Vielleicht sollte
der Innenminister da mal ansetzen.
6 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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