# taz.de -- „Der Spiegel“ und Elif Eralp: Lieber vor der eigenen Haustür kehren
       
       > Wer den Medien die Schuld an den Problemen der Linken gibt, erkennt den
       > Ernst der Lage nicht. Elif Eralp zeigt, wo die blinden Flecken der Partei
       > liegen.
       
 (IMG) Bild: Elif Eralp am Donnerstag bei einem Presse-Statement
       
       Dass Elif Eralp Angst und die Linke ein Problem in den eigenen Reihen hat,
       daran hat der Spiegel keine Schuld. Auch wenn Teile der Linken gerade
       versuchen, diesen Spin zu setzen. Sie verschließen die Augen davor,
       [1][dass hinter dem Artikel über Eralp] ein Problem steht, das über Berlin
       hinausgeht.
       
       Klar: Es ist medienethisch fragwürdig, dass der Spiegel für ein neues
       apokalyptisches Cover und den monetären Gewinn die Sicherheit einer Frau
       und ihrer Familie gefährdet. Gewagt ist auch die Deutung seiner
       Autor:innen, ein privater Kommentar an einem Word-Dokument lasse gleich den
       Schluss zu, Eralp sei als Bürgermeisterin ungeeignet. Aber damit sollte
       sich die Linke jetzt nicht beschäftigen, wenn sie es mit ihrem
       Wählerauftrag ernst meint.
       
       Sie sollte sich stattdessen endlich in der eigenen Partei und ihrem Vorfeld
       umschauen. Anfangen könnte sie am Samstag, wenn der Berliner
       Landesparteitag über die weiteren Koalitionsverhandlungen mit SPD und
       Grünen abstimmt. Die parteiinterne Landesarbeitsgemeinschaft
       Palästinasolidarität hat schon angekündigt, vor dem Gebäude gegen die
       mögliche Regierung zu protestieren.
       
       Es ist dieselbe Arbeitsgemeinschaft, die sich nach der Berlinwahl schon
       [2][mit Ibrahim Ibrahim] solidarisiert hat. Über den Aktivisten und sein
       Umfeld sagt Eralp: Sie und ihr Mann hätten Angst vor diesen Leuten. Die
       Partei sollte diesen Hilferuf ernst nehmen, so wie sie es bei jeder anderen
       Frau täte, die Angst vor einem Mann äußert. Hier ist es ein Mann, der
       Terroristen als Märtyrerhelden bezeichnet.
       
       ## Schattenseite der Bündnisse
       
       Das Problem liegt aber nicht nur in der Partei. Schließlich ist auch
       Ibrahim Ibrahim kein Mitglied der Linkspartei, er besucht nur deren
       Wahlpartys und spricht gemeinsam mit Politiker:innen der Linken auf
       Demos. Es ist eigentlich eine Stärke der Linken, dass sie gemeinsam mit
       außerparlamentarischen Bündnissen mobilisiert. Das kann sie nah an die
       Menschen, deren Alltag und Probleme bringen.
       
       Jetzt muss die Linke aber aufpassen, dass sie darüber nicht die Kontrolle
       verliert. Teile des linken Vorfelds und der Partei verherrlichen zunehmend
       Gewalt. Macker dominieren viele linke Gruppen und genießen den militanten
       Korpsgeist – wie man unschwer auf jeder zweiten Demo beobachten kann. Und
       auch die Menge, die auf einer Wahlkampfveranstaltung in Neukölln tanzte und
       johlte, während auf der Bühne der Rapper Dahabflex von „Intifada wie die
       PFLP“ sang, ist mindestens geschmacklos.
       
       ## Kein Einzelfall
       
       Auch andere Linken-Politiker:innen fühlen sich bedroht oder im Stich
       gelassen, und die Partei reagiert zögerlich oder gar nicht. So
       mobilisierten in Leipzig Teile der Linken [3][gegen die Politikerin Juliane
       Nagel und ihr Parteibüro in Connewitz.] Auch parteiinterne Gruppen wie die
       AG Palästinasolidarität und die Linksjugend riefen damals zur Demo gegen
       Nagel auf. Damals stellte sich die Parteiführung hinter Nagel.
       
       Besonders bitter wird es, wenn nicht mal das passiert. Im Januar wurde auf
       dem Grundstück des brandenburgischen Antisemitismus-Beauftragten Andreas
       Büttner, damals noch Linken-Mitglied, ein Brandanschlag verübt. Nach dem
       Anschlag hat die Parteiführung drei Tage gebraucht, um sich dazu öffentlich
       zu äußern. Büttner sagte damals, das habe ihn „tief verletzt“. Später
       stellte sich allerdings heraus, dass die Verdächtigen aus seinem privaten
       Umfeld kamen. Mittlerweile ist er aus der Partei ausgetreten.
       
       Die Linke muss konsequent gegen Gewaltverherrlichung und autoritäres Gehabe
       in den eigenen Reihen vorgehen und denen den Rücken stärken, die davor
       Angst haben. Und sie sollte nicht vergessen, warum sie die Wahl gewonnen
       hat: Weil sie den Menschen in Berlin ein besseres Leben versprochen hat –
       mit Kiez-Kantinen, einer sauberen Stadt und bezahlbaren Mieten. Wie will
       man künftig Menschen davon überzeugen, die Linke zu wählen, wenn es heißen
       sollte: „Sorry, uns kamen terrorverherrlichende Hamas-Sympathisanten und
       die Spiegel-Leute dazwischen. Jetzt muss leider die CDU regieren.“
       
       30 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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