# taz.de -- Umgang mit der AfD in Sachsen-Anhalt: CDU streitet über eidesstattliche Versicherung
> Wer wählte Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten? CDU-Abgeordnete sollten
> eidesstattlich versichern, dass sie es nicht waren. Nun gibt es
> Rücktrittsforderungen.
(IMG) Bild: CDU-Ministerpräsident Sven Schulze im Landtag von Sachsen-Anhalt am 14. Oktober 2026
dpa | In der CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt gibt es wegen der Wahl eines
AfD-Abgeordneten zum Landtagspräsidenten weiter Streit. So sollten die
CDU-Abgeordneten in einer Fraktionssitzung eine eidesstattliche
Versicherung unterschreiben, nicht für den AfD-Kandidaten gestimmt zu
haben, wie mehrere CDU-Abgeordnete der Deutschen Presse-Agentur
bestätigten. Zuerst hatte das rechte Nachrichtenportal Nius berichtet.
Demnach sei den CDU-Abgeordneten in einer fraktionsinternen Sitzung eine
eidesstattliche Versicherung vorgelegt worden, in der sie erklären sollten,
weder AfD-Politiker [1][Tobias Rausch] zum Landtagspräsidenten noch dessen
Parteikollegen [2][Hans-Thomas Tillschneider] zum Vizepräsidenten des
Landtags gewählt zu haben. Beide wurden Anfang Oktober mit mehr Stimmen
gewählt, als die AfD Sitze im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt hat. Seitdem
wird darüber diskutiert, ob diese Stimmen möglicherweise aus der CDU
gekommen sein könnten. Die Fraktion wies dies stets zurück. Tobias Rausch
ist der erste [3][AfD-Landtagspräsident] eines deutschen Parlaments.
## Parteichef Schulze: Vorschlag kam nicht aus dem Vorstand
Sachsen-Anhalts CDU-Fraktions- und Parteichef Sven Schulze wies Vorwürfe
zurück, selbst die eidesstattliche Versicherung vorgelegt zu haben. Weder
er noch der geschäftsführende Fraktionsvorstand hätten dies getan, sagte
Schulze der Deutschen Presse-Agentur. „Der Vorschlag wurde aus der Fraktion
heraus in die Fraktionssitzung eingebracht, diskutiert und verworfen.“
Dennoch gibt es scharfe Kritik am geschäftsführenden Ministerpräsidenten
Schulze – auch aus den eigenen Reihen. Der frühere CDU-Landtagsabgeordnete
Alexander Räuscher sagte der Welt, das sei ein Grund, dass Schulze
zurücktreten müsse, wenn es zutreffe. „Eine solche Erklärung zu verlangen,
zeugt von einem absurden Demokratieverständnis.“ Es trete die Rechte der
Abgeordneten mit Füßen und sei in keiner Weise hinnehmbar. „Wir brauchen
einen personellen Neuanfang an der Spitze, damit wir den Kopf freibekommen,
um wieder voll handlungsfähig zu werden.“
Auch die neu in den Landtag gezogene BSW-Fraktion forderte Schulze auf, von
all seinen Ämtern zurückzutreten. „Er ist für unser Land nicht mehr
tragbar“, sagte der Fraktionsvorsitzende des BSW, Thomas Schulze. „Mit
seinem Verhalten trägt er dazu bei, Demokratie und Verfassung auszuhöhlen
und die Bürgerinnen und Bürger weiter zu frustrieren.“ Schulze sollte
keinen Tag länger das Bundesland repräsentieren.
28 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Sachsen-Anhalts-Landtagspraesident-in-spe/!6214485
(DIR) [2] /Tillschneider-Eklat-beim-Halle-Gedenken/!6221904
(DIR) [3] /Sachsen-Anhalt-Uebersicht-zu-allen-Personen-der-AfD--und-BSW-Fraktion/!6217643
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Sachsen-Anhalt
(DIR) CDU
(DIR) Schwerpunkt AfD
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Wissenschaft unter Druck: „Wir müssen das Recht verteidigen“
Rund 200 Jurist:innen betonen in einer gemeinsamen Erklärung die
Bedeutung des Rechtsstaats. Eine Mitinitiatorin erklärt, warum.
(DIR) AfD-Pläne für Europa: Rechtsextremes Schredderprogramm
AfD-Chefin Weidel will die europäischen Institutionen radikal entmachten.
Von einem Austritt aus der EU und dem Euro ist indes nicht mehr die Rede.
(DIR) Ministerpräsidentenwahl Sachsen-Anhalt: CDU-Abgeordneter Heuer will sitzen bleiben
Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt hatte angekündigt, bei der Wahl eines
AfD-Ministerpräsidenten den Plenarsaal zu verlassen. Nun stellt sich ein
Abgeordneter quer.
(DIR) Geleakte AfD-Mails: Folgen jetzt mal Konsequenzen?
Zehntausende geleakte interne Mails belegen nochmals, was ohnehin im Großen
und Ganzen bekannt ist. Was folgt jetzt daraus?