# taz.de -- Ministerpräsidentenwahl Sachsen-Anhalt: CDU-Abgeordneter Heuer will sitzen bleiben
> Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt hatte angekündigt, bei der Wahl eines
> AfD-Ministerpräsidenten den Plenarsaal zu verlassen. Nun stellt sich ein
> Abgeordneter quer.
(IMG) Bild: Keine Berührungsängste mit rechten Propagandaportalen: Sachsen-Anhalts CDU-Ex-Fraktionschef Guido Heuer
Guido Heuer stellt sich gegen die Linie seiner CDU-Fraktion. Wenn sich
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Dezember zum sachsen-anhaltischen
Ministerpräsidenten wählen lassen will, planen die Unionsabgeordneten,
geschlossen aus dem Plenarsaal zu gehen. Für alle Welt soll sichtbar sein:
Falls Siegmund Stimmen außerhalb der AfD-Fraktion bekommt, dann stammen sie
nicht von der CDU. Heuer hat am Donnerstag beim neurechten Propagandaportal
Nius angekündigt, dass er da nicht mitmache: „Ich werde den Saal nicht
verlassen.“
Um Ministerpräsident zu werden, müssen drei Abgeordnete mehr für Siegmund
stimmen, als die AfD-Fraktion Mitglieder hat. Bislang ist unklar, woher die
zusätzlichen Stimmen kommen sollen. Das BSW beteuert, es werde keinen
AfD-Ministerpräsidenten wählen. Siegmund selbst hatte mehrfach betont, es
gebe [1][Gespräche mit einzelnen Abgeordneten aus der CDU]. Sollten die
aber gar nicht im Saal sein, hätte sich Siegmunds Plan erledigt.
Dass einige CDU‑Abgeordnete grundsätzlich bereit sind, AfD-Mitglieder in
bedeutende Ämter zu wählen, hatte sich Anfang Oktober angedeutet, als der
[2][Landtagspräsidenten-Kandidat Tobias Rausch] vier Stimmen mehr bekam als
erwartet. Bundesweit gab es Spekulationen darüber, woher die zusätzlichen
Stimmen für die extreme Rechte kamen. Auf [3][taz-Anfrage erklärten 8 der
15 CDU-Abgeordneten], sich enthalten zu haben – allerdings gab es bei der
Abstimmung insgesamt nur fünf Enthaltungen.
Unter denen, die ihre Enthaltung bei der Wahl Rauschs erklärten, war auch
Guido Heuer. Und Heuer enthielt sich erneut, als die CDU-Fraktion
vergangene Woche intern darüber abstimmte, ob die Abgeordneten bei der Wahl
des Ministerpräsidenten den Saal verlassen sollten. Die anderen 14
CDU-Fraktionsmitglieder stimmten dafür, nur Heuer scherte aus.
## CDU-Fraktion lässt sich von AfD spalten
„Ich selber hatte dabei Grummeln im Bauch“, erklärt er nun eine Woche
später bei Nius. Er habe sich enthalten und eine juristische Prüfung
gefordert. Nach Informationen der taz läuft diese Prüfung derzeit noch, das
Ergebnis steht aus. Heuer hat sich jetzt trotzdem schon entschieden,
erklärt er im Interview: „Es gibt auch eine Meinung der Bevölkerung. Ich
selber bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich den Saal nicht verlassen
werde.“
Ab 2022 war Heuer Fraktionschef der CDU in Sachsen-Anhalt. Bei der
Landtagswahl verlor er zwar sein Direktmandat an die AfD, zog aber über die
Liste ein. Er wäre gern weiter Fraktionsvorsitzender geblieben. Allerdings
trat Sven Schulze, der geschäftsführende Ministerpräsident und
CDU-Landesvorsitzende, in einer Kampfabstimmung gegen ihn an. Mit 8 zu 7
Stimmen gewann Schulze denkbar knapp. Aus CDU-Kreisen heißt es, Heuer werte
das als persönliche Niederlage und wolle vor allem Schulze schaden.
Dass Heuer offen angekündigt hat, gegen die Fraktionslinie zu agieren, dazu
wollte sich die Fraktionsspitze nicht äußern. Auch Heuer ließ Anfragen der
taz am Donnerstag unbeantwortet. Ob er Rausch gewählt habe oder Siegmund
wählen werde, ließ er auch im Interview mit dem rechten Propagandaportal
offen. Er erkläre sich nicht zu geheimen Wahlen. Aber er wisse, was er als
„überzeugter Christdemokrat“ zu tun habe.
Deutlich sagte er immerhin, dass die CDU keine AfD-Regierung stützen werde,
dafür seien die politischen Differenzen zu groß. Bei konkreten Projekten
befürworte er aber, dass die CDU auch eine etwaige Zustimmung der AfD
akzeptieren solle. In Sachsen-Anhalt gebe es eben „keine Mehrheit für die
sogenannte politische Mitte“.
Damit spielt Heuer auch auf das BSW an, das mit 5 Abgeordneten in den
Landtag eingezogen ist. Kurz danach begann die Partei zwar, mit der AfD
über mögliche Regierungsvorhaben zu sprechen und wählte auch offen den
AfD-Landtagspräsidenten Rausch. Trotzdem beteuern die BSW-Abgeordneten
weiter, sie würden Siegmund nicht zum Ministerpräsidenten wählen.
Der [4][BSW-Bundesvorstand bekräftigt diese Linie] in seinem vor wenigen
Tagen beschlossenen Leitantrag für den Bundesparteitag Ende November in
Dresden. Dort heißt es, wegen Unterschieden in „zentralen politischen
Positionen“ komme eine Koalition mit der AfD nicht infrage. Als Beispiel
nennt der Antrag, dass Siegmund die Rüstungsproduktion in Sachsen-Anhalt
befürworte, weil [5][die AfD später Waffen für die „Remigrations- und
Abschiebeoffensive“] brauche.
22 Oct 2026
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(DIR) David Muschenich
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