# taz.de -- Audi-Chef hilft US-Präsident: Marionette in Trumps Propaganda-Show
       
       > Die Kritik am Auftritt des Audi-Chefs beim US-Präsidenten ist
       > vernichtend. Dass der schwächelnde Konzern ein Werk in den USA bauen
       > will, verständlich.
       
 (IMG) Bild: Donald Trump und Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia, 24. Oktober 2026
       
       In den „düstersten Teilen der deutschen Geschichte“ hätten die Nazis auch
       schon „rückgratlose Steigbügelhalter“ gebraucht, heißt es bei Bluesky zum
       Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von
       Donald Trump. Aber: Vergleiche mit dem Audi-Mutterkonzern VW, der ab 1937
       als Nazi-Prestigeprojekt „Volkswagen“ bauen und damit die Macht der
       deutschen Faschisten ökonomisch festigen sollte, liegen – mal wieder –
       schief: Trump ≠ Hitler. Außerdem werden die Vergleiche Döllners
       Speichelleckertum beim US-Präsidenten wenige Tage vor den Midterms nicht
       gerecht.
       
       Das ist der Audi-Plan: Für vier Milliarden US-Dollar wollen die
       Ingolstädter in Georgia ein Werk mit 4.500 Jobs bauen, die Produktion soll
       Anfang der 2030er-Jahre starten.
       
       Aber wie und wo der Konzernboss das ankündigte, ist gelinde gesagt
       umstritten: Sie versinke „vor Scham im Boden“, sagt
       VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo. Darüber, dass der deutsche
       CEO sich mit seinem einminütigen Auftritt „zur Marionette“ in Trumps
       „Propaganda-Show“ gemacht habe: „Etliche Minuten voller Rassismus,
       Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie“, so
       Cavallo, „und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf
       die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe“.
       
       Anderen geht es ähnlich: Die SPD-Verkehrsexpertin Isabel Cademartori
       bewertet Döllners Gig als „Wahlkampfhilfe für einen Autokraten, der einen
       Handelskrieg gegen Deutschland“ führe. Selbst aus der Union kommt Kritik:
       Für den Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, ist Döllners Rede
       „verstörend und erbärmlich.“
       
       Die Empörung über Trumps neuen Bückling ist nachvollziehbar. Ökonomisch
       macht der Bau eines neuen Werkes in Georgia aber für die kriselnde
       Automarke absolut Sinn.
       
       ## US-Werk kann Deutschland helfen
       
       Auch dann, wenn gleichzeitig über Stellenabbau in den heimischen Werken in
       Ingolstadt und Neckarsulm nachgedacht wird, kann Audi profitieren.
       Schließlich baut der Konzern mit der Produktion in den USA Zoll-, Währungs-
       und Lieferkettenrisiken ab. Außerdem werden in Deutschland gefertigte
       Audi-Teile in den USA genutzt werden – und so helfen, schwächelnde deutsche
       Standorte besser auszulasten.
       
       Chinesische Autobauer errichten aktuell auch Werke im für sie wichtigen
       Markt Europa – um EU-Zollschranken zu umgehen und um nah an der Kundschaft
       zu produzieren. Volkswagen grübelt seit Jahrzehnten über neue
       Produktionsstätten in den USA. Als wichtiger Grund dafür galt stets, dass
       die Konzernmarken in Übersee nicht genug vertreten seien. Erst im Januar
       wurde der Bau eines Audi-Werkes verworfen, angeblich weil es nicht genug
       Subventionen der US-Regierung gab. Die Audi-Konkurrenten BMW und Mercedes
       sind längst da.
       
       Audi geht es in den USA schlecht. Die Trump-Zölle kosteten die Marke im
       Vorjahr 1,2 Milliarden Euro, der Absatz ging um 12 Prozent zurück. Aktuell
       werden die Staaten nur aus Europa beliefert – und einem Werk in Mexiko.
       Hier wird seit 2016 der Q5 gebaut, in den USA sollen die großen SUVs Q7, Q8
       und Q9 produziert werden.
       
       Und hier kommt der absolut fatale Teil von Döllners Ankündigung: Audi baut
       ein Werk ausschließlich für Verbrenner-Autos. Dieses soll profitabel sein,
       weil es auch nach Europa exportiert. Hier wird der Siegeszug der
       Elektromobilität weitergehen, selbst wenn die EU gerade beschließt, das
       bislang für 2035 geplante [1][Verbot des Verkaufs von CO₂-Schleudern massiv
       aufzuweichen].
       
       Aber die wenigen Verbrenner, die noch in Europa verkauft werden, sollen aus
       den USA kommen. Wenn der aktuelle PR-Gau des Audi-Chefs das Image des
       Konzern nicht so beschädigt, dass die Zahlen weiter abstürzen. Auch Elon
       Musk stellte seine Arbeit für Trump als Bürokratie-Abbauer im Mai 2025 ein.
       Weil dadurch das Image litt, brach der Tesla-Absatz ein.
       
       Zunächst ist die Zukunft Döllners in Gefahr. Er hat nämlich die erst im
       April veröffentlichten Audi-Verhaltensregeln gebrochen. Danach dürfen
       Konzern-Repräsentanten „in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine
       öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden ‌Parteien/Politikern“
       durchführen. Zwar wird das letztlich zuständige Gremium, der
       VW-Aufsichtsrat, den Werksbau trotz der Empörung im Arbeitnehmerlager
       absegnen. Aber ob Döllners Vertrag, der eigentlich bis 2030 läuft, noch
       sicher ist – fraglich.
       
       26 Oct 2026
       
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