# taz.de -- Nach Auftritt von Konzernchef bei Trump: Zweifel an US-Milliarden für neues Audi-Werk
       
       > Die Kritik am Auftritt des Audi-Chefs bei Trumps Wahlveranstaltung war
       > vernichtend. Jetzt zeigt sich: Die Zusagen der Amerikaner sind höchst
       > wackelig.
       
 (IMG) Bild: Eine Umarmung, die lange nachhallt: Donald Trump (l.) und Gernot Döllner am 24. Oktober 2026 bei einer Wahlkampfveranstaltung
       
       Der [1][Imageschaden] für Audi nach dem Auftritt von Konzernchef Gernot
       Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump war
       groß. Nun scheint fraglich, ob das Werk, das Döllner in den USA ankündigte,
       überhaupt gebaut werden kann. Denn im VW-Konzern mehren sich die Zweifel,
       ob die von US-Seite getätigten Zusagen für die
       4-Milliarden-Dollar-Investition in Georgia Bestand haben können.
       
       Konkret geht es um Milliardenhilfen vom Bundesstaat Georgia, außerdem hat
       die Trump-Regierung offenbar Zollerleichterungen für den gesamten
       VW-Konzern versprochen, wenn Audi kommt. Ohne diese könnte sich das
       US-Projekt, das den angeschlagenen Konzern in Übersee wieder in die
       schwarzen Zahlen bringen soll, aber möglicherweise nicht rentieren.
       
       Dem Aufsichtsrat der Audi-Mutter Volkswagen, der den Bau des Werks mit
       4.500 Mitarbeitern genehmigen muss, lägen bislang keine Verträge oder
       beschlussfähige Papiere zu den Details der Absprachen vor, meldet das
       Handelsblatt. Es gebe nur „blumige Absichtserklärungen“ in einem
       „Memorandum of Understanding“.
       
       Besonders unsicher sei die Absprache mit Trump, für Importe von Fahrzeugen
       des gesamten VW-Konzerns aus Europa statt 15 nur noch 10 Prozent Zoll zu
       erheben. Audi wollte die Informationen nicht kommentieren. „Mit Döllners
       Auftritt sind wir dramatisch in Vorleistung gegangen“, zitiert das
       Handelsblatt einen „Entscheider aus dem Volkswagen-Konzern“. Allerdings
       habe Audi „dafür genau null Sicherheit bekommen“,
       
       ## Kritik aus der Bundesregierung
       
       Die Geschichte passt zu den Stellungnahmen mehrerer VW-Granden, laut denen
       der Bau des Werks noch gar nicht das Okay des obersten Aufsichtsgremiums
       des Konzerns habe. Das hatte auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf
       Lies (SPD) betont, der als Anteilseigner in dem Gremium sitzt.
       Niedersachsen hält etwa 20 Prozent an Volkswagen. Gleichwohl nannte Lies
       den Bau eines Audi-Werkes in den USA strategisch richtig. Nur so könne Audi
       den ⁠US-Markt besser erschließen. Arbeitsplätze in Deutschland dürften
       jedoch nicht verdrängt werden.
       
       Die Werksplanungen haben Unruhe bei Audi-Beschäftigten in Deutschland
       gestiftet. Der Konzern ist wegen verschlafener Elektrifizierung, dem
       Wegfall der Märkte in China und den US-Zöllen in einer [2][Schieflage]. Dem
       Audi-Werk in Neckarsulm droht die Schließung.
       
       Döllners Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner am
       vergangenen Samstag hatte harsche Kritik in Deutschland nach sich gezogen.
       Döllner habe sich zur [3][„Marionette“ in einer „Propagandashow“] gemacht,
       sagte VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo. Bundesumweltminister
       Carsten Schneider (SPD) verurteilte die „unappetitlichen Umstände“. Zudem
       setze Audi „auf fossile Energien und damit auf ein totes Pferd“. In dem
       Werk sollen ausschließlich große Audi-SUV mit Verbrennermotor gebaut
       werden.
       
       ## Angeblicher Druck aus Georgia
       
       Döllner räumte in einem internen Schreiben zwar ein, dass sein Auftritt
       „Fragen und auch Unverständnis“ ausgelöst habe. Seine Pressestelle streute,
       dass die republikanische Regierung in Georgia die Deutschen gedrängt habe:
       entweder Döllner-Rede mit Trump oder kein Deal. Auch die konzerninterne
       Regel, dass Firmenvertreter drei Monate vor Wahlen nicht mit Politikern
       auftreten dürfen, sei nicht wirklich verletzt worden. Denn vor dem
       Erscheinen Döllners mit Trump zehn Tage vor den US-Zwischenwahlen sei der
       Aufsichtsrat „in Kenntnis gesetzt“ worden.
       
       Ohne die Zusagen der US-Amerikaner wäre das geplante Werk möglicherweise
       nicht profitabel. Allein der Bundesstaat Georgia soll Subventionen in Höhe
       von bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar beisteuern. Aber das wurde mit dem Team
       des scheidenden republikanischen Gouverneurs Brian Kemp verhandelt. Er
       stellt sich nicht mehr zur Wahl. Dass die Nachfolger – gleich welcher
       politischen Couleur – sich an seine Zusagen gebunden sehen, hält man in
       VW-Aufsichtsratskreisen nicht für ausgemacht.
       
       Über zusätzliche Etatmittel müsste zudem das Parlament von Georgia
       entscheiden, dessen zwei Kammern am 3. November neu gewählt werden –
       parallel zu den Wahlen zum US-Kongress auf nationaler Ebene. Immerhin soll
       Georgias Wirtschaftsförderer Pat Wilson konkrete Angaben zu den
       Subventionen für „sehr bald“ angekündigt haben.
       
       Über die Jahre noch wertvoller, aber noch viel wackeliger ist die
       angebliche Zusage aus dem Trump-Team, den Einfuhrzoll für VW insgesamt um 5
       Prozentpunkte zu senken. Allein für die 160.000 Fahrzeuge, die Audi im
       vergangenen Jahr in die USA importierte, entrichtete der Konzern 1,2
       Milliarden Euro Zoll an die US-Regierung. Angeblich ist mit Washington aber
       nur abgesprochen, dass Audi darüber Mitte oder Ende November sprechen
       könne. Erleichterungen für einzelne Konzerne sind trotz Trumps erratischer
       Handelspolitik bislang unbekannt. Und ob sich der launenhafte Präsident an
       seine Zusagen hält, ist höchst fraglich.
       
       Indes steigt in Deutschland der Unmut über Audi-Chef Döllner. Dessen Gig in
       Georgia sei „heuchlerisch, unterwürfig sowie politisch ein Kniefall vor
       Trumps Erpressungsversuchen“ gewesen. Deshalb müsse er zurücktreten, heißt
       es in einer [4][Online-Petition] von Campact. Diese hatte bis
       Donnerstagnachmittag 127.000 Unterzeichnende.
       
       29 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Audi-Chef-Doellner-zu-Besuch-bei-Trump/!6224792
 (DIR) [2] /Zukunft-von-Volkswagen/!6208735
 (DIR) [3] /Audi-Chef-hilft-US-Praesident/!6225009
 (DIR) [4] https://weact.campact.de/petitions/rucktritt-von-audi-chef-dollner
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Audi
 (DIR) Handelspolitik
       
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