# taz.de -- EU-Erweiterung: Wartesaal mit Wegzehrung
> Friedrich Merz macht Druck, den Westbalkan an die EU heranzuführen. Es
> wird nur nicht die Haupthalle, sondern ein Nebenraum.
(IMG) Bild: Irgendwo zwischen einer schrecklich netten Familie und Butterfahrt auf den Westbalkan
Als Angela Merkel als Bundeskanzlerin den „Berliner Prozess“ zur Aufnahme
der Balkanstaaten in die EU initiiert hatte, sollte es schnell gehen. Zwei
Kanzlerschaften weiter warten [1][Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo,
Montenegro, Nordmazedonien und Serbien noch immer darauf, in die EU
aufgenommen] zu werden. Inzwischen haben sich auch die Ukraine und Moldau
als heiße Anwärter dazugesellt.
Jetzt aber!, mag man ausrufen. Zumindest hat sich Kanzler Friedrich Merz
auf dem [2][EU-Balkangipfel] am Donnerstag eindringlich für eine zügige
Heranführung der Westbalkanstaaten an die EU starkgemacht: Ihr Beitritt sei
sehr zu wünschen. Und Merz hängte sich weit aus dem Fenster: Auf
Deutschland und auf Merz’ persönliche Unterstützung könnten sich die Länder
verlassen. Das dürfte allerdings anders kommen. Allenfalls bekommen sie
erneut eine EU-Warteposition zugewiesen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass
sich die für einen Beitritt notwendigen Referenden in den Ländern
tatsächlich gewinnen lassen?
Daher hatten Deutschland und Frankreich schon im Juni einen [3][anderen Weg
vorgeschlagen]: einen privilegierten Zugang zum EU-Binnenmarkt, und statt
einer Vollmitgliedschaft die Entsendung von Beobachtern in
EU-Institutionen. Oder zugespitzt formuliert: Anstelle einer Luxusvilla mit
eigenem EU-Kommissar gibt es für die Kandidatenländer einen Wartesaal mit
Wegzehrung.
Die EU muss sich ehrlich machen. Dass eine weitere EU-Erweiterung
geopolitisch wichtig und wirtschaftlich richtig ist, wissen Brüssel und die
Hauptstädte. Und ebenso, dass die zum Teil politisch unentschiedenen Länder
Einfallstore für Moskau, Washington, Peking, Abu Dhabi bieten. Und doch
fehlen vor den Wahlen in Frankreich, Italien, Polen, Finnland,
Griechenland, Estland und der Slowakei im nächsten Jahr Wille und Kraft zu
echten EU-Reformen.
Bevor Merz vorpreschte, hatte schon Kanzler Olaf Scholz und Kanzlerin
Merkel den Balkanstaaten Versprechungen gemacht – genutzt hat das nichts.
22 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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