# taz.de -- Wadephuls Westbalkan-Reise: Der Westen sollte endlich Ja sagen
       
       > Die Westbalkanstaaten brauchen eine verbindliche Perspektive für die EU.
       > Und Serbiens Präsident Vučić wird nicht ewig Präsident sein.
       
 (IMG) Bild: Händeschütteln bis zum Abwinken: Johann Wadephul (l, CDU), Außenminister, neben Aleksandar Vučić, Präsident von Serbien
       
       Der Job von Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist es unter anderem, durch
       die Welt zu reisen und Hände zu schütteln. Vom vergangenen Sonntag bis zu
       diesem Mittwoch tut er dies dort, wo in Europa eine Lücke ist: [1][im
       Westbalkan]. Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Kosovo
       und Nordmazedonien wurde beim Gipfel von Thessaloniki 2003 zugesichert,
       EU-Mitglied werden zu können. Seitdem folgte eine kontinuierliche
       Wiederholung aus Händeschütteln, Gipfelerklärungen und
       Fortschrittsberichten – mit nur minimalen Bewegungen, seit 22 Jahren.
       
       Dass die Länder des Westbalkans zu Europa gehören, ist unstrittig.
       Ebenfalls, dass ihre EU-Integration geopolitisch notwendig ist. Denn
       Russland und China, aber auch die Türkei arbeiten strategisch daran, die
       Westbindung der Länder zu torpedieren und sie in ihre eigene Einflusssphäre
       zu bringen.
       
       Für die EU geht die Integration des Westbalkans allerdings auch mit Risiken
       einher: Die Region ist wirtschaftlich schwach; Korruption ist ein großes
       Problem, bei Frauen- und Minderheitenrechten liegen die Länder zurück. In
       Brüssel sind viele der Meinung, dass der EU-Beitritt Rumäniens und
       Bulgariens zu schnell erfolgte, sodass man nun zögerlicher vorgehen solle.
       
       Und dann ist da Serbien. Nirgendwo ist die Bevölkerung so EU-kritisch: Nur
       38 Prozent der Serb:innen befürworten einen EU-Beitritt. Das Land ist
       erklärter Nato-Gegner und Beobachter in dem von Russland geführten
       Militärbündnis OVKS. [2][Präsident Aleksandar Vučić regiert autokratisch].
       Holt man ein solches Land in die EU, wird dies wohl zu noch größeren
       Problemen führen, als es bei Ungarn der Fall ist.
       
       Andererseits: Wie lange wird Vučić noch an der Macht sein? Seit dem
       vergangenen Jahr gibt es immer wieder Massenproteste gegen ihn – initiiert
       von den jüngeren Generationen. Das bedeutet eine große Chance für die EU.
       
       Es braucht daher ein eindeutiges Ja, dass diese Länder zur EU gehören
       werden. Aber auch ein entschiedenes Auftreten gegenüber Vučić.
       EU-Politiker:innen wie Wadephul müssen immer wieder deutlich machen: Uns
       gibt es nur mit unseren Werten.
       
       19 Nov 2025
       
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