# taz.de -- E-Dienstwagen in Großkonzernen: Der DAX steht unter Strom
> Zwei Drittel der neu gekauften Autos in Deutschland sind Dienstwagen. Wie
> halten es die größten DAX-Konzerne mit der Elektrifizierung ihrer
> Fuhrparks?
(IMG) Bild: Demnächst auf einem Firmenparkplatz? Im Emder Volkswagen-Werk werden der ID.4 und ID.7 gefertigt
Friedrich Merz gibt sich gerade alle Mühe, Deutschland international als
unverbesserliche Verbrennernation dastehen zu lassen. Dabei wollen viele
große deutsche Unternehmen mehr E-Autos in ihrer Dienstwagenflotte. Viele
von ihnen haben sogar schon feste Regeln dafür.
Die taz hat die 40 DAX-Konzerne – also die größten und zahlungskräftigsten
Unternehmen des deutschen Aktienmarktes – im September gefragt, wie sie es
mit der Elektrifizierung ihrer Fuhrparks halten. Fünf von ihnen, darunter
Vonovia und Airbus, ließen die Anfrage unbeantwortet oder machten keine
Angaben, Fresenius Medical Care hat gar keine Dienstwagenflotte.
Bei 15 der übrigen 34 Unternehmen gilt die Regel, dass nur noch
E-Dienstwagen bestellt werden dürfen – zumindest für Führungskräfte, in
einigen Fällen für alle Mitarbeitenden. 16 Dax-Konzerne schließen
Verbrenner nicht aus, bieten aber finanzielle oder organisatorische
Vorteile für die Wahl eines E-Autos. Nur drei Unternehmen – BMW,
Mercedes-Benz und der Versicherer Hannover Rück mit jedoch nur 7
Dienstwagen – antworteten, dass sie ihren Mitarbeitenden die Antriebsart
ihres Dienstwagens nicht vorschreiben, und machten keine Angaben zu
unverbindlichen Anreizen.
Soll die Mobilitätswende gelingen, müssen vor allem Unternehmen
Elektroautos kaufen und sich von Verbrennern verabschieden. Denn auf sie
entfällt ein Großteil der Neuzulassungen. Nur jeder dritte Neuwagen wird
von einer Privatperson gekauft, zwei Drittel werden gewerblich genutzt. Bei
den Oberklassewagen sind es sogar 80 Prozent. „Damit beeinflussen die
Firmen auch den Gebrauchtwagenmarkt“, sagt Caroline Tiefenbach, Referentin
für Klimaschutz im Verkehr bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Was die
Firmen jetzt neu kaufen, werde später als Gebrauchtwagen angeboten.
## Mehr Förderung vom Staat
„Das ist wichtig, weil Firmen der Umstieg auf Elektroautos leichter fällt“,
so Tiefenbach. Sie haben in der Regel mehr Kapital als Privatpersonen und
können die Anschaffung leichter stemmen. Außerdem erhalten Unternehmen in
den meisten EU-Ländern mehr Förderung vom Staat als Privatleute. Im Schnitt
bekommen Unternehmen in der Staatengemeinschaft eine steuerliche Förderung
von 6.032 Euro pro vollelektrischem Neuwagen, während es für Privatpersonen
lediglich 332 Euro sind.
Tiefenbach sieht deswegen besonders kritisch, dass Frankreich und
Deutschland in der EU [1][schwächere CO2-Vorgaben für den Autoverkehr
durchsetzen] wollen. Denn Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel
Macron machen sich nicht nur für eine Aufweichung der CO2-Ziele stark, die
Hersteller zum Bau klimafreundlicherer Autos anhalten sollen. Auch die
Vorgaben für Dienstwagenflotten sollen verwässert werden. „Der Vorschlag
der Kommission zu Unternehmensflotten sollte für mehr Flexibilität sorgen“,
heißt es in dem vierseitigen Positionspapier, auf das sich Berlin und Paris
jüngst geeinigt haben. Anstatt starre Vorgaben zu machen, sollten
„realistische nationale Ziele“ für emissionsfreie und -arme Fahrzeuge
festgelegt werden.
Dies richtet sich gegen den Vorschlag, den die EU-Kommission vergangenen
Dezember machte. Das EU-Parlament legt im November seine Position zum
sogenannten [2][zum sogenannten Verbrenner-Aus] fest, dann stehen auch die
Kommissionsvorschläge zu Firmenwagen auf dem Programm. Demnach müssten die
Mitgliedstaaten ab dem Jahr 2030 für einen Mindestanteil von E-Neuwagen in
der Flotte großer Unternehmen sorgen. Laut den Plänen der EU-Kommission
läge die Quote in Deutschland bei mindestens 54 Prozent reinen
Elektrofahrzeugen und 83 Prozent inklusive Plug-in-Hybriden. Europaweit
wären es 45 beziehungsweise 69 Prozent. Vor allem will die EU-Kommission ab
2028 steuerliche Anreize verbieten, die dazu führen, dass große Unternehmen
weiterhin reine Verbrenner verkaufen.
„Spätestens dann muss die Bundesregierung das Dienstwagenprivileg
streichen, für Großkonzerne genauso wie für alle anderen auch“, sagt
DUH-Expertin Tiefenbach. Durch die in Deutschland geltende steuerliche
Besserstellung privat genutzter Verbrennerdienstwagen entgingen dem Staat
im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Euro.
## DAX-Unternehmen weiter als die Bundesregierung
Das hinter dem [3][Dienstwagenprivileg] stehende Prinzip: Das Unternehmen
stellt seinen Angestellten ein Auto, das diese auch privat nutzen dürfen.
Auf diesen geldwerten Vorteil müssen sie kaum Steuern zahlen. Der Satz
liegt beim Verbrenner bei nur 1 Prozent des Kaufpreises pro Monat – hinzu
kommen 0,03 Prozent vom Listenpreis pro Kilometer des Arbeitsweges.
Während die Bundesregierung in Europa für den Verbrenner lobbyiert, sind
die großen DAX-Unternehmen bereits weiter –zumindest, wenn es um ihre
Dienstwagenflotten geht. Die meisten bemühen sich um die Elektrifizierung
ihrer Fuhrparks, auch wenn die Antworten, die die taz auf ihre Anfrage im
September erhalten hat, sehr unterschiedlich ausfielen.
So zahlen Adidas und Infineon ihren Mitarbeitenden einen Bonus, wenn sie
einen CO2-armen Dienstwagen bestellen. Bei der Deutschen Bank, der Allianz,
SAP und dem Digitalunternehmen Scout24 bekommen die Mitarbeitenden nur noch
E-Autos. Von den 82 Dienstwagen bei Scout24 sind demnach 72
batterieelektrisch, bei SAP sind es 8.300 von 19.000, bei der Deutschen
Bank 2.160 von 4.600 und bei der Allianz rund 120 von 200.
Scout24 will schon Ende 2026 bei 100 Prozent E-Autos ankommen. Siemens,
Siemens Energy und Siemens Healthineers sowie die Allianz, die Nivea-Mutter
Beiersdorf und der Pharmakonzern Merck wollen diese Marke spätestens 2030
knacken – also dann, wenn laut dem Vorschlag der EU-Kommission 54 Prozent
erreicht sein müssten.
## Der Reiz der Vorteile
Beiersdorf, der Triebwerkhersteller MTU Aero Engines und die BASF haben
CO2-Obergrenzen für Dienstfahrzeuge. Bei Fresenius, Henkel, der Deutschen
Telekom, dem Chemiekonzern Brenntag und dem Anlagenbauer GEA müssen
Dienstwagen im Innendienst elektrisch sein – bestimmte Fahrzeuge im
Außendienst dürfen noch fossil fahren, sollen aber nach und nach
elektrifiziert werden. Der Pharmadienstleister Qiagen, Merck und das
Bauunternehmen Hochtief unterstützen die Installation einer Wallbox am
Wohnort der Beschäftigten, wenn sie einen E-Dienstwagen wählen. So schafft
ein Vorteil den Reiz, um die Verkehrswende voranzubringen.
Ein durchschnittlicher E-Auto-Anteil über alle 40 DAX-Konzerne hinweg ließ
sich auf Basis der Antworten nicht berechnen; nicht alle Unternehmen
nannten konkrete Zahlen zur Größe des Fuhrparks und zur Zahl der Stromer.
Immerhin: Von den 20 Firmen, die vergleichbare Antworten lieferten, sagte
die Hälfte, dass schon mehr als 50 Prozent der Flotte vollelektrifiziert
ist. Sie haben also schon jetzt fast den Wert erreicht, den die
EU-Kommission in vier Jahren erreichen will.
Laut einer [4][Studie der Initiative Klimaneutral] waren 30 Prozent aller
neu bestellten Dienstwagen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026
batterieelektrisch. Und fast drei von vier E-Dienstwagen wurden von der
VW-Gruppe, BMW oder Mercedes-Benz gebaut. Von den großen Autobauern also,
die in Deutschland zuletzt vor allem mit Krise und Stellenabbau
Schlagzeilen machten. Inzwischen haben die großen deutschen Marken beim
E-Auto-Absatz Boden gutgemacht – allerdings werden die einträglichen
Batterien noch zu selten hier produziert. Und insgesamt liegt die
internationale Konkurrenz, vor allem aus China, im Bereich der
Elektromobilität weiter vorn.
Dass die Bundesregierung die geplanten EU-Vorgaben für Dienstwagenflotten
mit Hilfe aus Paris aufweichen will, hilft der heimischen Autoindustrie
nicht weiter. Im Gegenteil: Eine schnelle Elektrifizierung der
Konzernflotten könnte ein Job-Booster sein, hat eine Studie des
Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des
Verkehrsverbands T&E ergeben. Würden die EU-Flottenvorgaben mit sogenannten
Made-in-Europe-Klauseln verbunden, könnte das 134.000 zusätzliche Jobs in
Deutschland schaffen.
## Neue Jobs und mehr Umsatz durch Made-in-Europe
Die Wertschöpfung der Autobauer könnte um 7,8 Milliarden Euro steigen.
Allein bei Volkswagen könnten durch eine kluge Umsetzung der Brüsseler
Ideen zwischen 14.000 bis 56.000 neue Jobs entstehen, da der Konzern einen
Großteil seiner Autos auf dem europäischen Firmenwagenmarkt verkauft.
Auf [5][strenge Made-in-Europe-Vorgaben] bestand der französische
Präsident. Mit ihnen will Macron den europäischen Markt vor globaler
Konkurrenz schützen, etwa indem Steuervorteile nur noch für Produkte
gewährt werden, wenn sie zum Großteil in der EU hergestellt werden. Dagegen
steht Merz, der das Verbrenner-Aus aufweichen will. Es einigten sich nun
Konservative, Sozialdemokraten und Liberale, den strengeren
Kommissionsvorschlag für die Elektrifizierung von Dienstwagenflotten
abzulehnen. So bleibt die Politik bei der Antriebswende hinter vielen
großen Unternehmen zurück.
2 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Verbrenner-Aus-der-EU/!6223113
(DIR) [2] /Aus-fuer-Verbrenner-Aus/!6222428
(DIR) [3] /Studie-ueber-Dienstwagenprivilegien/!6041321
(DIR) [4] https://initiative-klimaneutral.de/fileadmin/iknd_content/Publikationen/2607_IKND_Electrifying_Corporate_Fleets.pdf
(DIR) [5] /Umweltschuetzer-gegen-Merz-Macron-Deal/!6222177
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
(DIR) Simon Poelchau
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