# taz.de -- Abschiebung trotz Ausbildung: Emsland will Syrer loswerden
> Saber Al Khateeb ist Volontär beim Sender Ems TV. Die Ausländerbehörde
> erkennt das Volontariat nicht als Ausbildung an und will Al Khateeb
> abschieben.
(IMG) Bild: Saber Al Khateeb bei der Arbeit bei Ems TV
Eine seiner ersten journalistischen Arbeiten war ein Interview mit Angelina
Jolie. Die Schauspielerin besuchte 2018 als Sondergesandte des
Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR das jordanische
Flüchtlingslager Za’atari. Saber Al Khateeb war damals 18 Jahre alt und
lebte als syrischer Flüchtling in dem Lager. Für die Refugeezeitung The
Road schoss er Fotos von Jolie und veröffentlichte einen Beitrag über ihren
Besuch.
Heute, acht Jahre später, ist Al Khateeb beim Regionalsender Ems TV in
[1][Lingen] als Volontär angestellt. Ein Volontariat ist die in Deutschland
gängige Ausbildung im Journalismus. „Es ist mir eine große Ehre“, schrieb
er zum Beginn der Ausbildung auf Instagram, „und ich gehe diesen Schritt
mit großem Stolz und ehrlicher Begeisterung.“
Doch das Volontariat kann er vielleicht nicht zu Ende bringen – dem Syrer
droht die Abschiebung. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte
seinen Asylantrag im August ab und die Ausländerbehörde des Landkreises
Emsland forderte ihn zur „freiwilligen“ Ausreise auf. Bis zum 24. Oktober
solle er das Land verlassen – „Was ich leider auf keinen Fall möchte“, sagt
Al Khateeb. „Ich liebe Deutschland.“
Al Khateeb ist im Schützenverein. Er ist ehrenamtlicher Dolmetscher für den
Landkreis. Seit Kurzem ist er auch Integrationslotse. Er engagiert sich bei
den Bücherhallen und erklärt Senior*innen die Benutzung von Smartphones
und E-Mails. Er hilft im Namen des Deutschen Roten Kreuzes bedürftigen
Menschen bei Haus- und Gartenarbeit. Mehr Engagement geht kaum.
## Das Bamf entzieht Syrern Schutzstatus
Dennoch will der Landkreis Emsland ihn offenbar loswerden. Dahinter steht
vermutlich eine [2][veränderte Praxis beim Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge (Bamf)], das seit dem Sturz des Assad-Regimes immer mehr
Syrer*innen den Schutzstatus in Deutschland entzieht. Die
Sicherheitslage in Syrien habe sich derart verbessert, dass kein Grund mehr
für internationalen Schutz bestehe, so die Annahme. Im ersten Halbjahr 2026
hatte sich das Bundesamt dabei noch auf vorbestrafte Syrer fokussiert,
mittlerweile sind offenbar auch junge, alleinstehende Männer ins Visier
geraten.
Dabei sollte Al Khateeb eigentlich sicher vor einer Abschiebung sein,
solange er sich in Ausbildung befindet. Doch die Ausländerbehörde des
Landkreises Emsland erkennt das journalistische Volontariat nicht als
Ausbildung an. [3][Bei Ems TV] löst das Irritationen aus. „Warum das
Volontariat keine Ausbildung sein soll, vermittelt sich mir nicht“, sagt
der Redaktionsleiter Niklas Stratmann. Schließlich gelten für Volontäre wie
für alle Azubis Ausnahmen vom Mindestlohn.
Darüber hinaus sei es ihm unverständlich, warum der Landkreis seinen
Spielraum nicht nutze, um einem so engagierten und gut integrierten
Menschen Aufenthalt zu gewähren. „Ich kenne keinen engagierteren Kollegen
als Saber“, sagt Stratmann. „Er brennt nicht nur für diesen Job, sondern
ist als Mensch grundsätzlich ultramotiviert.“
Bei Hintergrundgesprächen im Landkreis sei dem Sender signalisiert worden,
er könne ihm ja eine Ausbildung als Bürokaufmann anbieten – dann würde Al
Khateeb den an die Ausbildung geknüpften Aufenthaltsstatus bekommen. Aber
was soll ein regionaler Fernsehsender mit einem Bürokaufmann-Azubi? „Und
warum soll der Kollege nicht das machen dürfen, was er gut kann und wofür
er brennt?“, fragt Stratmann. Es erkläre sich ihm zudem nicht, warum das
Volontariat als Ausbildung zweiter Klasse gelten solle.
## Hoffnung auf die Härtefallkommission
„Ein Volontariat gilt rechtlich nicht als qualifizierte Berufsausbildung“,
sagt die Sprecherin des Landkreises, Anja Rohde, gegenüber der taz. Es sei
zwar der gängige Praxisweg im Journalismus, rechtlich werde es aber als
„primär praxisorientiertes Beschäftigungsverhältnis eigener Art“
eingestuft. Bei der Entscheidung über die Abschiebung habe der Landkreis
keinen Spielraum, es gelte die Entscheidung des Bamf.
Al Khateeb hofft nun auf die Härtefallkommission in Hannover. Dort hat er
seinen Fall eingereicht und dort liegt er nun zusammen mit wahrscheinlich
über tausend anderen Anträgen. Solange der Antrag dort nicht beschieden
wurde, darf der Journalist auch nicht abgeschoben werden.
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt ihm das aber nicht. „Jeder hat
Ängste“, sagt Al Khateeb auf die Frage, wie es ihm damit gehe. Er habe in
seinem Leben schon schlimmere Situationen erlebt. Nach dem Lager in
Jordanien lebte er zehn Monate in Libyen, „leider“, sagt er. Von dort kam
er im Flüchtlingsboot über das Mittelmeer.
[4][Im Süden Syriens], wo er herkommt, sei es überhaupt nicht sicher, sagt
Al Khateeb. Er hätte versuchen können, juristisch gegen die drohende
Abschiebung vorzugehen. „Aber dann hätte ich das deutsche Innenministerium
verklagen müssen“, sagt er. Das habe er nicht gewollt.
Solange die Härtefallkommission nicht entschieden hat, will Al Khateeb die
Hoffnung nicht aufgeben. „Ich werde bis zum letzten Moment positiv sein,
mich weiterentwickeln und nach vorne blicken“, sagt er. „Ich habe noch
viele Pläne.“
21 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Putins-Aussenposten-im-Emsland/!6219407
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## AUTOREN
(DIR) Katharina Schipkowski
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