# taz.de -- Biodiversität: Die Lösung liegt auf der Alm
> Um das lebenswichtige Miniaturvieh zu retten, braucht es ein Umdenken von
> Land- und Forstwirtschaft. Mehr Wald und Moore statt Dünger und
> Tierzucht.
(IMG) Bild: Vielfalt auf der Alm, wo Fauna und Flora summen und brummen
Die UN-Naturschutzkonferenz im armenischen Jerewan rechtfertigt jede
Aufmerksamkeit, denn ihr Thema ist gewaltig. Es geht um die
Überlebensgrundlagen der Menschheit, um fruchtbare Böden, sauberes Wasser,
saubere Luft. Sie stehen uns künftig nur dann weiter zur Verfügung, wenn
wir die Natur als vielfältiges System erhalten, predigen Wissenschaftler
seit Jahren.
Rebhühner, Tiger, Elefanten – sie sind die plakativen Botschafter für die
unsichtbaren und häufig unscheinbaren Lebewesen, die unsere Ernährung
sicherstellen. Sie tragen zu einem stabilen Klima bei und bilden die
Grundlage für den [1][Fischreichtum] der Meere. Die Verhandlungen sind
engmaschig zu verfolgen, wollen die Mitgliedstaaten des Abkommens doch
festlegen, wie sie ihre selbstgesetzten Ziele aus dem „Globalen
Biodiversitätsrahmen“ endlich erreichen.
Aber ach. Wer das wirklich könnte, sitzt nicht mit am Verhandlungstisch.
Denn die Haupttreiber für den Verlust der biologischen Vielfalt weltweit
sind eine fehlgeleitete Land- und Forstwirtschaft. Zu viele Nutztiere,
[2][zu viel Dünger, zu viele Ackergifte]. Wenn wir der Vernichtung unserer
Lebensgrundlagen Einhalt gebieten wollen, müssen wir das ändern und in den
reicheren Ländern anders essen. Weniger Fleisch, mehr Pflanzen.
Dann benötigen wir weniger Fläche, es bleibt mehr für Wälder, Wiesen und
Moore. Die Äcker selbst müssen wir schonender bewirtschaften – und dürfen
uns dabei auch gerne von Wissenschaftler:innen beraten lassen. Viele
von ihnen setzen sich für den [3][Schutz der Biodiversität] und des Klimas
ein und vertrauen dabei auf neue Methoden, auch gentechnische.
Wie man diese für die gesamte Menschheit sinnvoll und gewinnbringend nutzen
könnte, auch darüber wird in Jerewan verhandelt. Solange die großen
Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikkonzerne von Biodiversität zwar gerne
profitieren, sich aber für ihren Erhalt und gerechte Nutzung nicht
verantwortlich fühlen, und solange die Agrarminister sich vor allem als
Lobbyisten ihrer Agrarwirtschaft fühlen, stehen die Ergebnisse der
UN-Konferenz nur auf dem Papier und kommen nicht in der Fläche an. Das zu
dokumentieren ist aber auch was wert.
19 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fischsterben-in-der-Ostsee/!6215285
(DIR) [2] /EU-Kommission-zur-Nitratrichtlinie/!6196488
(DIR) [3] /UN-Naturschutzchefin-ueber-Ziele/!6217967
## AUTOREN
(DIR) Heike Holdinghausen
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Schwerpunkt Artenschutz
(DIR) Landwirtschaft
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Biodiversität
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Naturschutzkonferenz in Jerewan: Wo Artenschutz konkret wird
Bis 2030 soll die Natur von 30 Prozent der Land- und Wasserflächen
geschützt sein. Siegen-Wittgenstein könnte mit einem Nationalpark dazu
beitragen.
(DIR) Bericht des Biodiversitätsrates: Weiterschnarchen führt zum Tod
Die Klimakrise ist leichter zu verstehen als das Artensterben.
Überschwemmungen sind sichtbar, aber Pflanzen und Tiere verschwinden meist
unsichtbar.
(DIR) Aktive Zerstörung der Natur: Artensterben ist harte Arbeit
Naturschutz wird nicht vergessen, der Urwald schrumpft nicht und auch Arten
verschwinden nicht einfach so. Es geht um schweißtreibende Vernichtung.