# taz.de -- Bericht des Biodiversitätsrates: Weiterschnarchen führt zum Tod
> Die Klimakrise ist leichter zu verstehen als das Artensterben.
> Überschwemmungen sind sichtbar, aber Pflanzen und Tiere verschwinden
> meist unsichtbar.
(IMG) Bild: Ein Pilz allein im Wald: Wenn er verschwindet, wird er wahrscheinlich nicht mal vermisst
Das Sterben der Arten ist das bedrohlichste Problem unserer Zeit, weil es
unsere Lebensgrundlagen angreift. Dies beschreibt der Satz, der Umgang mit
der Klimakrise entscheide darüber, wie wir leben, der Umgang mit der Krise
der Artenvielfalt darüber, [1][ob wir überleben.] Die Aufmerksamkeit, die
Gesellschaft und Regierungen dem Verlust der Biodiversität widmen, steht
dazu in keinem Verhältnis.
Das ist nachvollziehbar. Die Klimakrise zu verstehen, ist einfach. Sie
bestimmt die Nachrichten, als Hochwasser, Schneesturm, Dürre, Waldbrand.
Außerdem bietet sie Geschäftsmodelle wie den Ausbau erneuerbarer Energien
oder neue Formen von Mobilität. Die Artenkrise zu verstehen, ist
schwieriger: Tiere und Pflanzen verschwinden unmerklich – es sei denn, Sie
sind Ornithologe oder Schmetterlingsforscher. Kleine, wichtige Organismen
wie Algen, Pilze, Bakterien sind mit bloßem Auge sowieso nicht sichtbar.
Wenn der Verlust von Biodiversität Bilder bekommt, dann in Form von
Feldhamstern oder Lurchen, nach dem Motto: Nice to have, können aber weg,
wenn sie effektive Landwirtschaft oder Infrastrukturmaßnahmen verhindern.
Doch das ist ein Irrweg. Und dem am Montag veröffentlichten Bericht des
Weltbiodiversitätsrats ist deshalb größte Aufmerksamkeit zu wünschen.
Obwohl, nun ja, das Werk schwer verständlich ist und große Wahrheiten sehr
gelassen ausspricht. Eine von 100 Empfehlungen an Unternehmen und
Regierungen lautet: „Setzen Sie sich ehrgeizige Verpflichtungen und Ziele
und integrieren Sie die biologische Vielfalt in Ihre
Unternehmensstrategie.“ Ja, wie denn, fragt sich der Mittelständler mit
wegbrechenden Absatzmärkten. Doch die Wissenschaftler arbeiten
faktenbasiert und akribisch heraus, dass der Status quo der Weltwirtschaft
Böden, Wasser und Luft unbrauchbar macht. Staatskanzleien und Chefetagen
müssten sofort Sonderkommissionen einrichten und alarmiert konkrete
Strategien vorlegen, wie wir künftig Geld verdienen wollen, ohne Leben
auszulöschen, Wasser zu vergiften und fruchtbare Böden zu zerstören.
Dass die politisch kurzsichtige schwarz-rote Bundesregierung den Schuss
nicht hört und die maßgeblichen Ministerien – Wirtschaft, Umwelt,
Landwirtschaft, Forschung – vor sich hin schnarchen, war nicht anders zu
erwarten. Das haben sie in ihren zig Regierungsjahren vor der
Ampelregierung auch getan. Ebenso wenig überrascht, dass sie die in Berlin
und Brüssel erreichten Fortschritte wie das Lieferkettengesetz oder die
europäischen Gesetze zum Schutz der Gewässer aufgeben wollen. Dass
inzwischen aber selbst Grüne das Thema Natur schreddern, um sich an den
Post-Fridays-for-Future-Zeitgeist ranzuwanzen, ist übel.
[2][Gesellschaftliche Mehrheiten für den Schutz der Natur lassen sich
erstreiten], indem man erklärt, warum er wichtig ist. Weswegen wir uns mit
dem Textgetüm des IPBES alle befassen sollten.
9 Feb 2026
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