# taz.de -- Gesucht wegen Angriffen in Budapest: Antifaschist Gino Abazaj stellt sich der Polizei in Hannover
       
       > Seit Jahren fordert Ungarn die Auslieferung des albanischen
       > Antifaschisten Gino Abazaj. Nun stellte er sich selbst auf einer
       > Polizeiwache in Hannover.
       
 (IMG) Bild: Seit drei Jahren suchen ihn ungarische Behörden – nun stellte sich Gino Abazaj in Hannover der Polizei
       
       Seit anderthalb Jahren schon hatten deutsche Behörden die Überstellung des
       [1][albanisch-italienischen Antifaschisten Rexhino „Gino“ Abazaj] nach
       Deutschland gefordert – wegen eines vorgeworfenen Angriffs auf
       Rechtsextreme in Budapest. Bisher wehrte sich der 34-Jährige juristisch
       dagegen. Nun nicht mehr: Am Donnerstagabend stellte sich Abazaj
       überraschend der Polizei in Hannover, auf der Nordstadt-Wache. „Ein Leben
       auf der Flucht ist keine Perspektive für mich“, erklärte der Aktivist in
       einem Video.
       
       Lukas Theune, der Anwalt von Abazaj, bestätigte der taz die Selbststellung
       und Festnahme in Hannover. Sein Mandant sollte noch in der Nacht nach
       Karlsruhe gebracht und dort im Auftrag der Bundesanwaltschaft einem
       Haftrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, so Theune.
       
       Auch ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte der taz die Festnahme.
       Die Vorwürfe lauteten auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung
       und gefährliche Körperverletzung. Abazaj sollte anschließend in die JVA
       Oldenburg gebracht werden.
       
       Gino Abazaj ist albanischer Staatsbürger, aber in Italien aufgewachsen. Er
       wurde bereits seit gut drei Jahren gesucht. Der Vorwurf: Er soll mit
       anderen Antifaschist*innen aus Deutschland und Italien im Februar 2023
       [2][in Budapest mehrere Rechtsextreme schwer angegriffen haben]. Diese
       hatten sich dort damals zu einem Aufmarsch aus ganz Europa versammelt, dem
       „Tag der Ehre“, auf dem die Wehrmacht verherrlicht wird.
       
       Konkret wird Gino Abazaj vorgeworfen, an einem Angriff am frühen Morgen des
       11. Februar 2023 beteiligt gewesen zu sein. Dabei war ein rechtsextremes
       Paar aus Deutschland attackiert worden, laut Ermittlern mit Pfefferspray,
       Schlagstöcken und einem Hammer. [3][Aufnahmen der ungarischen Polizei]
       zeigten damals entsprechende Utensilien inklusive eines Gummihammers. Eines
       der Opfer hatte laut Bundesanwaltschaft mindestens 15 Schläge erlitten, die
       meisten davon gegen den Kopf.
       
       Abazaj war danach abgetaucht und in Finnland festgenommen worden. Mit einer
       Fußfessel wurde er aus der Haft entlassen – diese trennte er durch und floh
       weiter nach Frankreich. Dort wurde Abazaj im November 2024 in Paris erneut
       festgenommen. Ungarn verlangt seitdem seine Auslieferung – so wie im Fall
       von [4][Maja T. aus Thüringen].
       
       ## Pariser Gericht erlaubte zuletzt die Auslieferung
       
       Frankreich aber verweigerte eine Auslieferung von Abazaj nach Ungarn, wegen
       Zweifeln an der dortigen Rechtsstaatlichkeit und angesichts einer drohenden
       Strafe von bis zu 24 Jahren Haft. Im März 2025 kam Abazaj wieder auf freien
       Fuß.
       
       Zugleich beantragte Ende April 2025 auch Deutschland eine Auslieferung von
       Abazaj, weil bei dem einen Angriff in Budapest auch deutsche Staatsbürger
       verletzt wurden. [5][Vor zwei Wochen dann entschied ein Pariser Gericht],
       dass eine Auslieferung von Abazaj nach Deutschland zulässig ist. Wann diese
       erfolgen sollte, blieb zunächst offen.
       
       Nun wartete Abazaj diesen Schritt nicht mehr ab. Eine Auslieferung nach
       Ungarn sei für ihn nie infrage gekommen, sagte er in einem Video, das kurz
       nach seiner Selbststellung bei der Polizei Hannover veröffentlicht wurde.
       In Ungarn drohten „Foltergefängnisse“ und ein „Schauprozess“. Allerdings
       würden auch in Deutschland Antifaschist*innen verfolgt, kritisierte
       Abazaj. Auch dort riskiere er einen „unfairen Prozess“. Dennoch habe er
       sich gestellt, um seinen Fluchtzustand zu beenden. Zugleich solidarisierte
       sich Abazaj mit Maja T. und anderen verfolgten Antifaschist*innen.
       
       ## „Hoffnung auf ein faires Verfahren“
       
       Sein Anwalt Lukas Teune sagte der taz, er gehe nicht davon aus, dass Abazaj
       von Deutschland weiter nach Ungarn ausgeliefert werde. Sein Mandant sei mit
       der Selbststellung „nunmehr in Vorleistung gegangen“, so der Anwalt.
       „Unsere Hoffnung ist jetzt, dass ihn hier in Deutschland ein faires
       Verfahren erwartet.“
       
       Dieses Verfahren dürfte die Bundesanwaltschaft führen – so wie zuletzt auch
       schon im Fall der Nürnbergerin Hanna S., die wegen der Budapest-Angriffe
       [6][zu fünf Jahren Haft verurteilt] wurde. Oder wie gegen 12 weitere
       Antifaschist*innen, die derzeit in Dresden und Düsseldorf vor Gericht
       stehen.
       
       [7][Zuletzt war Maja T. zu sieben Jahren Haft in Ungarn verurteilt worden].
       Auch einem weiteren Linken droht noch die Auslieferung nach Ungarn oder
       Deutschland wegen der Budapest-Angriffe: [8][dem syrischen Nürnberger Zaid
       A.], der sich derzeit in Paris aufhält. Über seine Auslieferung will ein
       Pariser Gericht am 25. November entscheiden.
       
       16 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Antifa-Prozess-in-Paris/!6217830
 (DIR) [2] /Soli-mit-albanischem-Antifaschisten/!6216191
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=Gu3d9lbnWck
 (DIR) [4] /Antifa-Prozess-in-Budapest/!6217628
 (DIR) [5] /Antifa-Prozess-in-Paris/!6217830
 (DIR) [6] /Urteil-im-Budapest-Komplex/!6116073
 (DIR) [7] /Antifa-Prozess-in-Budapest/!6217628
 (DIR) [8] /Linken-droht-Auslieferung-nach-Ungarn/!6073407
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Antifa Ost
 (DIR) Schwerpunkt Antifa
 (DIR) Justiz
 (DIR) Bundesanwaltschaft
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Antifa
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Antifa-Prozess in Budapest: „Lass dich nicht einschüchtern!“
       
       Antifaschist*in Maja T. wird vor dem Berufungsgericht in Ungarn zu
       sieben Jahren Haft verurteilt. Anwälte fordern die Überstellung nach
       Deutschland.
       
 (DIR) Antifa-Prozess in Paris: Grünes Licht für Auslieferung
       
       Frankreichs will den Antifaschisten Gino nach Deutschland schicken. Damit
       besteht nun die Gefahr einer Auslieferung an Ungarn.
       
 (DIR) Soli mit albanischem Antifaschisten: Internationale Unterstützung für Pariser Exil-Antifas
       
       Europäische Intellektuelle stellen sich gegen die Auslieferung von „Gino“
       aus Frankreich nach Deutschland. Derweil kommt Lina E. vorerst frei.