# taz.de -- Soli mit albanischem Antifaschisten: Internationale Unterstützung für Pariser Exil-Antifas
       
       > Europäische Intellektuelle stellen sich gegen die Auslieferung von „Gino“
       > aus Frankreich nach Deutschland. Derweil kommt Lina E. vorerst frei.
       
 (IMG) Bild: Rexhino Abazaj „Gino“ erhält viel Unterstützung bei seinem Kampf gegen die Auslieferung nach Deutschland
       
       Kann der Antifaschist Rexhino Abazaj, besser bekannt unter dem Namen Gino,
       via Deutschland doch an die ungarische Justiz ausgeliefert werden? Darüber
       entscheidet, indirekt, das französische Kassationsgericht am 30. September.
       
       Im Vorfeld haben jetzt namhafte Persönlichkeiten aus Europa [1][in einer
       gemeinsamen Deklaration zur Solidarität mit Gino aufgerufen], darunter alle
       Abgeordnete der sozialistischen Partei La France insoumise, der Direktor
       der Filmfestspiele von Venedig, Alberto Barbera, die Soziologin Vanessa E.
       Thompson oder die Autorin Esther Dischereit. Am Donnerstag wurde der Text
       in mehreren europäischen Tageszeitungen (wie Humanité in Frankreich oder
       Manifesto in Italien) veröffentlicht.
       
       Es gehe nicht nur um das persönliche Schicksal des albanischen
       Antifaschisten, sondern auch um Grundsätzliches, heißt es darin: Die Frage,
       ob Antifaschismus europaweit kriminalisiert wird. In Frankreich setzt sich
       auch ein Komitee von Kulturschaffenden mit dem Filmemacher Robert
       Guédiguian und dem Goncourt-Buchpreisträger Eric Vuillard an der Spitze
       dafür ein, dass Gino bleiben darf.
       
       ## Angriffe in Budapest
       
       Gino wird von der ungarischen Justiz beschuldigt, 2023 zusammen mit anderen
       europäischen Antifaschist:innen an einer Demonstration gegen einen
       Neonaziaufmarsch rechtsextreme Kundgebungsteilnehmer tätlich angegriffen
       und verletzt zu haben. Da sich unter diesen auch deutsche Staatsangehörige
       befinden, ist auch die deutsche Justiz impliziert. Diese hatte bereits im
       Juni 2024 Maja T. – ein:e ebenfalls beschuldigte:r Antifaschist:in –
       [2][in einer fragwürdigen Nacht-und-Nebel-Aktion an Ungarn ausgeliefert],
       wo sie zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Nach Angaben des Vaters von
       leidet T. dort unter inakzeptablen Haftbedingungen.
       
       Im April 2025 lehnte die französische Justiz das ungarische
       Auslieferungsersuchen ab, weil die Ermittlungen und die Rechtsunsicherheit
       in Ungarn unter der Herrschaft des mit der extremen Rechten liierten Viktor
       Orbán eine Willkür nicht ausgeschlossen werden konnte. Konkret machte das
       Gericht im April 2025 geltend, es müssten in diesem Fall disproportionierte
       Strafen, Misshandlungen und inhumane Haftbedingungen befürchtet werden.
       
       Doch danach kam ein neues Auslieferungsbegehren, dieses Mal aus dem
       befreundeten Deutschland. Und am 19. August dieses Jahres entschied das
       Pariser Berufungsgericht, Gino könne zwar nicht (direkt) nach Ungarn,
       hingegen aber nach Deutschland überstellt werden. Das Kassationsgericht
       soll nun über eine Beschwerde gegen diese Entscheidung entscheiden. Die
       Deklaration kritisiert ein unverhältnismäßiges Strafmaß – Gino drohen in
       Ungarn 24 Jahre Haft, in Deutschland 10 Jahre – sowie, dass die
       Ermittlungen gegen ihn von ungarischen Behörden durchgeführt worden seien.
       
       ## Lina E. ist frei
       
       Auch der im selben Tatkomplex angeklagte Antifaschist Zaid A. hält sich in
       Frankreich auf. Vergangenes Jahr war der Nürnberger nach einer Haftschonung
       nach Frankreich geflohen und hatte sich dort der Polizei gestellt. Gegen A.
       liegt ein Auslieferungsgesuch aus Ungarn vor, wo ihm ebenfalls 24 Jahre
       Haft drohen. Vergangene Woche wollte das Berufungsgericht über das Gesuch
       entscheiden, vertagte dann jedoch seine Entscheidung auf den 7. Oktober.
       
       Derweil gibt es gute Nachrichten für eine weitere Antifaschistin, die mit
       dem „Antifa Ost“-Komplex in Verbindung gebracht wird, wenn auch nicht mit
       den Angriffen in Ungarn: [3][Lina E]. Am Donnerstag setzte das
       Bundesverfassungsgericht die Beugehaft gegen E. aus, [4][die nach E.s
       Aussageverweigerung im Dresdener Antifa-Prozess verhängt worden war.]
       
       Das Bundesverfassungsgericht stellte nun jedoch für maximal sechs Monate
       die aufschiebende Wirkung einer Verfassungsbeschwerde wieder her, über die
       noch nicht entschieden wurde. Die Entscheidung sei ein „richtiges Signal“,
       sagte E.s Rechtsanwalt Erkan Zünbül: „Niemand darf gezwungen werden, sich
       selbst einer Straftat zu bezichtigen.“ Nach zweieinhalb Monaten Beugehaft
       wird E. jetzt aus der Haft entlassen, bis über die Verfassungsbeschwerde
       entschieden wurde.
       
       25 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.justcause.international/#declaration
 (DIR) [2] /Prozess-gegen-Maja-T/!6068242
 (DIR) [3] /Lina-E/!t5871173
 (DIR) [4] /Antifaschistin-in-Haft/!6202544
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
 (DIR) Timm Kühn
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Antifaschismus
 (DIR) Lina E.
 (DIR) Repression
 (DIR) Antifaschismus
 (DIR) GNS
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Antifaschistin in Haft: Lina E. geht juristisch gegen Beugehaft vor
       
       Die Antifaschistin Lina E. wurde zuletzt in Beugehaft genommen, nun
       bestätigte der BGH die Maßnahme. Die Leipzigerin legt Verfassungsbeschwerde
       ein.
       
 (DIR) Wegen Angriffen auf Rechtsextreme: Nächste Anklagewelle gegen Antifa-Szene
       
       Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen sieben Linke. Sie sollen als
       Teil der Gruppe um die Leipzigerin Lina E. Rechtsextreme angegriffen haben.
       
 (DIR) Angriffe auf Neonazis in Budapest: Beschuldigter Linker Zaid A. wird haftverschont
       
       Der 21-jährige Syrer saß in der JVA Köln, weil ihm Angriffe auf Neonazis in
       Budapest vorgeworfen werden. Eine Auslieferung nach Ungarn droht weiter.