# taz.de -- Berliner Mieterverein mit 10-Punkte-Plan: Über Inhalt reden
> Die Sondierungen in Berlin gehen weiter, auch zum Thema
> Vergesellschaftung. Der Mieterverein fordert ein Sofortprogramm gegen die
> Wohnungs- und Mietenkrise.
(IMG) Bild: Ein Sofortprogramm soll gegen die Wohnungs- und Mietenkrise helfen
Nach der Unterbrechung der Sondierungen über ein Linksbündnis am
Dienstagabend gehen [1][die Gespräche von Linkspartei, Grünen und SPD] an
diesem Donnerstag weiter. Nach dem öffentlich ausgetragenen Schaukampf um
das Thema Antisemitismus wird nun wieder hinter verschlossenen Türen über
Inhalte geredet. Eines der zentralen Themenfelder dabei ist die Mieten- und
Wohnungspolitik. Um die umkämpfte Frage der Vergesellschaftung wird nach
taz-Informationen derzeit gerungen.
In die laufenden Gespräche hinein hat der [2][Berliner Mieterverein] am
Donnerstag einen Forderungskatalog für die ersten 100 Tage einer neuen
Landesregierung sowie eine wohnungspolitische Agenda für die fünfjährige
Legislaturperiode vorgelegt. „Wir fordern die Parteien auf, die
wohnungspolitischen Themen zum zentralen Gegenstand der Sondierungen und
Koalitionsverhandlungen zu machen“, so Mieterverein-Geschäftsführerin Wibke
Werner. Die Vergesellschaftung der großen privaten Wohnungsbestände gehört
dabei mit zu den grundsätzlichen Forderungen des Mietervereins, sei „jedoch
nur ein Baustein auf dem Weg raus aus der Wohnungskrise“.
Vorgeschlagen wird in dem Papier, unmittelbar zum Start einer Koalition
eine ressortübergreifende „Stabsstelle Wohnen Berlin“ einzurichten. Die
soll, wie es heißt, alle Aktivitäten koordinieren, Vollzugsdefizite
identifizieren und konkrete Umsetzungsschritte für alle wichtigen Vorhaben
festlegen. Gleichzeitig soll der Aufbau eines Landesamtes für Wohnungswesen
beginnen, das die bisherigen Kompetenzen von Mietpreisprüfung,
Wohnungsaufsicht und Wohnraumsicherung bündelt. Für die Kontrolle von
Sozialvermietungspflicht oder Wuchermieten soll entsprechend neues Personal
eingestellt werden. Bei den sondierenden Parteien gilt das als
unumstritten.
Gefordert wird zudem, die Kooperationsvereinbarung mit den landeseigenen
Wohnungsunternehmen neu zu verhandeln, etwa einen „Mietendimmer“
einzuführen und die Quote für WBS-Berechtigte bei Wiedervermietungen zu
erhöhen. Die Landeseigenen hatten erst im September Mieterhöhungen für etwa
90.000 Wohnungen ausgesprochen. Zwischen Linken und SPD ist diese Frage
umstritten: Während sich die Linkspartei für einen Mietendeckel, also einen
sofortigen Stopp aller Mieterhöhungen bei den Unternehmen ausspricht,
betont man in der SPD vor allem, dass die Unternehmen Geld bräuchten, etwa
für den Neubau.
## Sozialwohnungen schützen
Um dem Verlust von Sozialwohnungen entgegenzuwirken, die im Schnitt nach 20
Jahren aus der Bindung fallen, fordert der Mieterverein eine
Machbarkeitsprüfung für ein „tragfähiges Modell einer Wohngemeinnützigkeit
mit dauerhaften Bindungen und maßvollen Renditen“. Sofort verboten werden
soll der Abriss von Wohnraum. Energetische Sanierungen sollen durch ein
Energie- und Klimaschutzprogramm gefördert werden, ohne dass Klimaschutz
„zu einer zusätzlichen Belastung für Mieter:innen“ wird.
Langfristig plädiert der Mieterverein für ein Förderprogramm für den Umbau
von Gewerbe zu Wohnraum, den unverzüglichen Aufbau eines Mietenkatasters
und den Ausbau des „Housing First“-Ansatzes für die Unterbringung
Wohnungsloser. Neben allen regulierenden Maßnahmen ist auch an den Neubau
gedacht.
Die kommunalen Unternehmen sollen durch „Eigenkapital und bessere
Rahmenbedingungen“ in die Lage versetzt werden, mehr bezahlbaren Wohnraum
zu bauen. Dabei sollen „Planung, Steuerung und Expertise beim kommunalen
Wohnungsbau“ stärker gebündelt werden, möglicherweise die sechs
Gesellschaften unter einem gemeinsamen Dach zusammengeschlossen werden.
15 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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