# taz.de -- Babyboomer werden alt: Das Ende der Wohnungsknappheit?
> Millionen Babyboomer werden bald ihre Wohnungen oder Häuser verkaufen
> oder vererben. Löst der „Silver Tsunami“ den Wohnraummangel?
(IMG) Bild: Hier könnte bald was frei werden: Ländliches Wohnen in NRW
dpa | Die [1][Überalterung der Gesellschaft] kann aus Sicht des Verbands
der Sparda-Banken den [2][Wohnungsmangel in Deutschland] allein nicht
lösen. Zwar gebe es rund 5,3 Millionen Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren
hierzulande, denen eine ebenso große Zahl von Mieterhaushalten zwischen 30
und 44 Jahren gegenüberstehe, heißt es in einer neuen Studie des Verbands
mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Doch dahinter stehe ein
„erhebliches regionales Ungleichgewicht“.
Die Rechnung, dass eine große Zahl von Immobilien eines Tages verkauft oder
vererbt werde und damit die Wohnungsknappheit in Deutschland behebe, gehe
nicht auf.
In der Immobilienbranche wird seit Längerem über mögliche Folgen eines
„Silver Tsunami“ diskutiert. Damit ist das Phänomen gemeint, bei dem die
geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Ruhestand gehen und
altersbedingt aus ihren Eigenheimen ausziehen, sie vererben oder verkaufen.
So könnten die Wohnungspreise sinken und der Mangel von geschätzt über
einer Million Wohnungen in Deutschland behoben werden.
Dem widerspricht die Studie: „Die Erwartung, dass der Generationenwechsel
bei den Babyboomern eine massive Welle verfügbarer Immobilien auslöst und
die Wohnungsprobleme Deutschlands von allein löst, greift zu kurz.“
## Leerstand auf dem Land versus Mangel in Ballungsräumen
Grundlage der Studie ist eine Auswertung des Zensus für alle 400 Landkreise
und kreisfreien Städte Deutschlands. In 300 Kreisen übersteige die Zahl
älterer Eigentümerhaushalte die Zahl jüngerer Mieterhaushalte. Jedoch
konzentriere sich der Angebotsüberhang oft auf kleinere und ländliche
Regionen, während die größte Nachfrage in Ballungsräumen bestehe.
„Der Anteil der Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren, die sich potenziell von
ihren Immobilien im Laufe der nächsten Jahrzehnte trennen könnten, liegt in
den meisten Bundesländern bei etwa 28 bis 32 Prozent“, sagte
IW-Immobilienexperte Pekka Sagner dem Handelsblatt. Aber ein potenziell
frei werdendes Eigenheim auf dem Land löse nicht das Problem einer jungen
Familie in der Großstadt. Selbst wenn das direkte Umland berücksichtigt
werde, reiche das potenzielle Angebot in 34 von 70 analysierten Großstädten
nicht, um die Nachfrage jüngerer Haushalte zu decken.
„Die Hoffnung auf einen Silver Tsunami ist keine wohnungspolitische
Strategie“, sagt Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender des Verbands der
Sparda-Banken. Die Politik müsse über Einzelmaßnahmen hinausdenken und die
strukturellen Hindernisse angehen. Er nannte niedrigere Erwerbsnebenkosten,
bessere Finanzierungsbedingungen und eine bessere Nutzung von Wohnraum.
## Viele Ältere finden ihre Wohnung zu groß
Neben regionalen Unterschieden zeigt die Studie die ungleiche Nutzung von
Wohnraum. 37 Prozent der Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren empfinden demnach
ihre Wohnung als zu groß. Zugleich fänden 35 Prozent der [3][jüngeren
Mieterhaushalte] ihre Wohnung zu klein. Daraus ergäben sich Chancen, doch
ältere Menschen zögen selten um. Hohe Erwerbsnebenkosten, fehlende kleinere
und barrierearme Alternativen sowie die Bindung an das vertraute Umfeld
erschwerten einen Wechsel.
„Niemand soll sein Zuhause aufgeben müssen“, sagte Rentsch. „Aber wer sich
freiwillig verkleinern, sein Haus teilen oder zusätzlichen Wohnraum
schaffen möchte“, sollte dabei unterstützt werden – statt an Kosten und
Bürokratie zu scheitern.
16 Oct 2026
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