# taz.de -- CDU in Marzahn-Hellersdorf: Jetzt wird gepokert
> Die CDU in Marzahn-Hellersdorf steht vor einem Machtverlust, bleibt aber
> Königsmacher in dem Bezirk. Jetzt zockt sie um Ämter, Pensionen und
> Aufträge.
(IMG) Bild: Wer bremst hier wen aus? Die bisherige Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic fährt jedenfalls schon mal mit der Bobbahn ins Glück
Wenn sich Ende Oktober die neuen Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) in
Berlin konstituieren, dann könnte es [1][in Marzahn-Hellersdorf] nicht
einmal zur Wahl arbeitsfähiger Strukturen kommen. Wie die taz aus
CDU-Kreisen erfahren hat, will die CDU die Wahl eines BVV-Vorstehers in der
ersten Sitzung mit allen Mitteln verhindern.
Offiziell bestätigt ist das nicht. Aber die Christdemokraten haben starke
Motive, auch die weiteren Abstimmungen in der BVV über das künftige
Bezirksamt so lange wie möglich hinauszuzögern. Denn ihre bisherige
Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic soll noch mindestens bis Mitte
Dezember im Amt bleiben, weil sie erst dann volle acht Dienstjahre
absolviert haben wird. Die sind die Voraussetzung dafür, dass sie für ihre
Tätigkeit überhaupt Altersbezüge erhält. Sonst würde sie im Alter für diese
Zeit leer ausgehen.
Und auch mindestens ein Bauvorhaben will das alte, noch von der CDU
dominierte Bezirksamt mit den bisherigen Mehrheiten noch durchwinken: ein
Wohnungsbauprojekt in Biesdorf, zu dem es zahlreiche Bürgereinwendungen
gibt und das eine der CDU verbundene Firma betreibt, deren Geschäftsführer
mit dem [2][CDU-Politiker Christian Gräff] ein gemeinsames Unternehmen
betreibt. Das geht aus einer Beschlussvorlage für das Bezirksamt hervor,
die der taz vorliegt.
## Machtverlust der CDU
Hintergrund ist, dass die CDU in Marzahn-Hellersdorf vor einem Machtverlust
steht. Bei der Bezirkswahl erzielte sie unter deutlichen Verlusten 18
Prozent der Stimmen und landete nur auf Platz drei, weit hinter der AfD (34
Prozent) und knapp hinter der Linken (20 Prozent). Statt wie bisher für
drei Posten im Bezirksamt steht ihr nur noch das Vorschlagsrecht für einen
Sitz zu.
Die AfD hingegen darf drei Kandidaten vorschlagen, die Linken zwei. Sowohl
die AfD als auch die Linken haben bereits angekündigt, einen
Bezirksbürgermeister bzw. eine Bezirksbürgermeisterin zu nominieren. Die
Vorschläge brauchen jedoch eine Mehrheit in der BVV. Und hier kommt wieder
die CDU ins Spiel, die zwar geschrumpft ist, aber ohne die es keine
Mehrheiten in der BVV gibt.
Die Christdemokraten müssen sich also entscheiden, welchen
Unvereinbarkeitsbeschluss ihrer Partei sie verletzen: Arbeitet sie in der
BVV von Marzahn-Hellersdorf mit der AfD oder mit den Linken zusammen?
## Czaja will mit allen reden
Was die Linke betrifft, so hat die Bezirks-CDU unter Mario Czaja eigentlich
schon seit Jahren pragmatisch mit ihr zusammengearbeitet. In jüngster Zeit
gibt es aber andere Töne von ihm: Dem RBB [3][sagte er], er sehe „eine
große Radikalisierung der Linken“, die in der Innenstadt allerdings größer
sei als am Stadtrand.
Dennoch haben im Bezirk bereits Gespräche zwischen Linken und CDU
stattgefunden, bestätigt Björn Tielebein von den Linken der taz. Über den
Inhalt sei aber Vertraulichkeit vereinbart worden. Die CDU ließ diese Frage
wie auch alle anderen der taz unbeantwortet.
Auf die AfD wiederum ist Czaja schon allein deshalb nicht gut zu sprechen,
weil deren Kandidaten der CDU in großer Zahl die Direktmandate weggenommen
hatten. Trotzdem hatte Czaja [4][jüngst erklärt, auch mit der AfD reden zu
wollen]. Er könne sich aber nicht vorstellen, einen AfD-Bürgermeister zu
wählen. Ob er Stadträte der Rechtsaußenpartei von Bezirkschef Gunnar
Lindemann mittragen könne, ließ Czaja offen.
## Ein Deal mit der AfD ist nicht ausgeschlossen
Eine offizielle Zählgemeinschaft in der BVV zwischen CDU und AfD zur Wahl
eines Bezirksamtes schwebt zwar als Gespenst in der Luft, ist aber wenig
vorstellbar. Der auf Seriosität bedachte Mario Czaja würde sich wohl kaum
mit dem auf Krawall gebürsteten Gunnar Lindemann einlassen.
Gleichwohl ist ein Deal zwischen den beiden Parteien nicht ausgeschlossen.
Etwa sagt ein CDU-Mitglied der taz, es könnte eine Ausnahme geben: Wenn die
AfD ihr Vorschlagsrecht nutzen würde, um einen CDU-Politiker als
Bezirksbürgermeister zu nominieren, würde die CDU im Gegenzug zwei
AfD-Stadträte wählen.
Für die AfD womöglich verlockend, denn sie könnte bei der Besetzung des
Bezirksamts trotz ihres hohen Wahlergebnisses leer ausgehen. Bereits in der
letzten Legislaturperiode hatten die anderen Parteien ihren Kandidaten
Michael Adam in mehr als 40 Wahlversuchen nicht gewählt. Da die AfD diesmal
drei Kandidaten für das Bezirksamt vorschlagen darf, ist die Situation aber
eine andere. Würden die anderen Parteien alle AfD-Vorschläge nicht wählen,
wäre das Bezirksamt nur halb so groß wie vorgesehen. Wie man damit umgeht,
haben die anderen Parteien noch nicht entschieden.
Auch der Linken will die CDU das Angebot machen, im Falle einer
Zählgemeinschaft ein CDU-Mitglied auf ihrem Ticket als Bezirksstadtrat
vorzuschlagen statt eines Mitglieds der eigenen Partei, so der CDU-Insider
weiter. Sowohl CDU als auch Linke schweigen zu dieser Aussage.
14 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nach-der-Wahl-in-Marzahn-Hellersdorf/!6215014
(DIR) [2] /Verdacht-auf-Korruption-in-der-CDU/!6161745
(DIR) [3] https://www.rbb24.de/politik/berlin-wahl-2026/bvv/buergermeister-suche-marzahn-hellersdorf-bvv-berlin.html
(DIR) [4] /Die-doppelte-Brandmauer-der-CDU/!6218035
## AUTOREN
(DIR) Marina Mai
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