# taz.de -- Die doppelte Brandmauer der CDU: Unvereinbar mit der Wirklichkeit
> Der frühere CDU-Generalsekretär Mario Czaja will in Marzahn-Hellersdorf
> auch Gespräche mit der AfD führen. Die ist dort deutlich stärkste Kraft
> geworden.
(IMG) Bild: Mario Czaja (CDU) muss sein Verhältnis zur AfD klären
In der neuen [1][Bezirksverordnetenversammlung] im Berliner Bezirk
Marzahn-Hellersdorf ist die AfD mit 20 Abgeordneten klar stärkste Kraft.
Die zweitgrößte Fraktion stellen die Linken mit 12 Sitzen, [2][erst dann
folgt die CDU mit 11]. Die CDU ist also Königsmacher, ohne sie gibt es
keine realistische Mehrheit im Lokalparlament mit seinen 55 Sitzen.
Während die AfD mit den Konservativen eine rechnerische Mehrheit hätte –
für eine andere Konstellation bräuchte sie Stimmen aus dem linken Langer,
was politisch kaum denkbar ist –, sind für die Linke verschiedene
Viererbündnisse möglich. Egal ob SPD, Grüne, Tierschutzpartei oder BSW mit
dabei sind, eins haben alle diese Bündnisse gemeinsam: Ohne die CDU geht es
nicht.
Umso interessanter ist es, wie sich die Konservativen in diesen Tagen
positionieren. „Wir haben im Vorstand beschlossen, Gesprächsangebote von
allen Parteien anzunehmen“, sagte Mario Czaja, Vorsitzender des
CDU-Kreisverbands Wuhletal, [3][dem Focus]. Die CDU wolle ausloten, was sie
angesichts der „neuen politischen Konstellation“ für die Menschen in
Marzahn-Hellersdorf tun könne.
Gegenüber dem Focus fügte Czaja etwas widersprüchlich hinzu: „Es wird von
unserer Seite keine Zusammenarbeit mit der AfD geben und wir werden keinen
AfD-Bürgermeister mitwählen.“ Warum Gespräche führen und praktische Politik
mit der AfD ausloten, wenn eine Zusammenarbeit ohnehin ausgeschlossen sei?
Die Frage bleibt vorerst unbeantwortet: Czaja war bislang nicht für die taz
zu erreichen.
Demokratische Mehrheiten oder die AfD
Sarah Bigall von den Linken möchte Bezirksbürgermeisterin in
Marzahn-Hellersdorf werden. Sie sagt der taz: „Wir erwarten von der CDU
Klarheit darüber, ob sie eine demokratische Mehrheit oder der AfD zur Macht
verhelfen will.“ Die Linke habe alle demokratischen Parteien zu Gesprächen
eingeladen. Alle hätten die Einladung angenommen – auch die CDU.
Wäre Mario Czaja ein normaler CDU-Kreisverbandsvorsitzender, wäre das
politische Rumgeieere vielleicht weniger brisant. Aber Czaja ist ehemaliger
Generalsekretär der Bundes-CDU und damit Profipolitiker aus der ersten
Reihe. In der Vergangenheit sprach er sich klar gegen jede Zusammenarbeit
mit der AfD aus. [4][Der Zeit sagte er im März], die AfD sei an vielen
Stellen „faschistoid“ unterwegs. Ihr Gedankengut würde in die politische
Normalität rutschen, wenn mit der Partei ein normaler Umgang gepflegt
würde. Jetzt möchte er offenbar ganz normale Gespräche mit ihr führen.
Die CDU hat nach wie vor eine klare Beschlusslage: keine Zusammenarbeit mit
der AfD, keine Zusammenarbeit mit der Linken. Genauso klar ist: Eine dieser
beiden Brandmauern, mit denen sich die die Konservativen umgeben haben,
wird in Marzahn-Hellersdorf fallen.
Nach der Landtagswahl in Thüringen 2024 forderte Czaja seine eigene Partei
noch dazu auf, die Brandmauer zur Linken einzureißen. „Es ist absurd, dass
es diesen Beschluss gibt und man mit der pragmatischen Linken nicht
zusammenarbeiten will“, sagte er dem Redaktions-Netzwerk Deutschland
damals. Seine Partei, die CDU, wollte nicht auf ihn hören – es gibt
schließlich einen Unvereinbarkeitsbeschluss.
Paradoxerweise ging die CDU danach zwar keine Koalition mit den Linken ein,
suchte aber regelmäßig Mehrheiten mit ihr. Eine eigene Mehrheit hatte die
CDU-geführte Regierung im Thüringer Landtag seit der letzten Wahl nie. Auch
im Bundestag arbeitete die Linke schon konstruktiv mit der CDU zusammen:
Nachdem Friedrich Merz im Mai 2025 durch die Kanzlerwahl gefallen war,
ermöglichten die Stimmen der Linksfraktion einen zweiten Wahlgang noch am
gleichen Tag. Aber auch mit der AfD arbeitete die CDU auf kommunaler Ebene
schon zusammen. Ihre Brandmauer hat also zu beiden Seiten längst nicht nur
Risse, sondern tiefe Löcher.
Spätestens in Marzahn-Hellersdorf werden sich die Konservativen entscheiden
müssen, auf welcher Seite sie stehen. So oder so stehen die
Bezirksverordneten bald vor unbequemen Fragen. Selbst wenn die Linke mit
Hilfe der CDU die künftige Bezirksbürgermeisterin stellt, hat die AfD das
Vorschlagsrecht für drei Bezirksstadträt:innen.
Nach der letzten Wahl ließen die Verordneten den AfD-Kandidaten, Michael
Adam, 48-mal durchfallen – der Posten blieb also unbesetzt. Aber kann es
sich das Bezirksamt diesmal leisten, nur mit drei statt sechs
Stadträt:innen den Bezirk zu verwalten? Sie sehe zwar die
Herausforderung, sagt Sarah Bigall, aber für sie sei klar: „Wir haben
bisher keine AfD-Stadträte gewählt und ich gehe davon aus, dass das so
bleibt.“ Andererseits habe die Linke nun mal keine absolute Mehrheit, und
Mario Czajas Aussagen ließen Zweifel, ob die CDU diesen Konsens beibehalte.
2 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nach-der-Wahl-in-Marzahn-Hellersdorf/!6215014
(DIR) [2] /Marzahn-Hellersdorf-vor-der-Wahl/!6205796
(DIR) [3] https://www.focus.de/politik/deutschland/cdu-politiker-mario-czaja-kuendigt-gespraeche-mit-afd-an_047a3e3c-0bc9-49a1-a832-299bb2d50375.html
(DIR) [4] https://www.zeit.de/2026/12/brandmauer-afd-cdu-koalitionen-mario-czaja-susanne-schaper-christian-stecker
## AUTOREN
(DIR) Pascal Maier
## TAGS
(DIR) Bezirksversammlung
(DIR) Berlin Marzahn-Hellersdorf
(DIR) Mario Czaja
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nach der Wahl in Marzahn-Hellersdorf: „Für uns im Bezirk ist es eine Katastrophe“
Die AfD wird in Marzahn-Hellersdorf stärkste Kraft und dominiert künftig im
Bezirksparlament. Antifaschist*innen warnen vor den Folgen.
(DIR) Haustürrecherche der Berliner Linken: Wem Marzahn-Hellersdorf gehört
Seit der Wende wurde ein Fünftel der Wohnungen im Bezirk privatisiert. Für
die Linkspartei auch ein Argument, mehr für Vergesellschaftung zu werben.
(DIR) Merz wechselt CDU-Generalsekretär aus: Linnemann kommt für Czaja
CDU-Chef Friedrich Merz wechselt nach gut eineinhalb Jahren seinen
Generalsekretär Mario Czaja aus. Sein Nachfolger soll Carsten Linnemann
werden.