# taz.de -- Kürzungen im EU-Haushalt: Schräge Prioritäten
> Viel weniger Geld soll aus dem Bundeshaushalt an die EU fließen als an
> die Nato. Die Sparpläne der „Geizigen“ sind Gift für das europäische
> Bündnis.
(IMG) Bild: Will weniger zahlen und trotzdem den Ton angeben: Bundeskanzler Friedrich Merz in Brüssel
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich für den Herbst viel vorgenommen. Er
will nicht nur Deutschland reformieren, sondern auch die EU neu aufstellen.
Unabhängiger, wettbewerbsfähiger und sogar kriegstauglich soll die EU
werden – unter deutscher Führung. Doch sein Vorstoß zum künftigen
[1][EU-Budget] passt nicht zu den hochfliegenden Ambitionen.
Um mehrere hundert Milliarden Euro müsse der [2][Vorschlag der
EU-Kommission für die Jahre 2028-34] gekürzt werden, so Merz nach einem
Treffen mehrerer Nettozahler in Berlin. Der „Gipfel der Geizigen“ verlangt
massive Einschnitte. Überraschend kommt das nicht. Deutschland hat sich
immer wieder auf die Seite der Sparsamen geschlagen. Doch wer führen will,
sollte auch bereit sein, dafür zahlen. Merz hat das wohl vergessen.
Anders als bei der Nato, wo er eine Erhöhung der Rüstungsausgaben forderte,
prescht der Kanzler mit Kürzungsplänen für die EU vor. Das ist absurd, wenn
man die Dimensionen vergleicht: Für die Nato will Deutschland 3,5 Prozent
der Wirtschaftsleistung zahlen, für die EU nicht einmal 1,26 Prozent! Die
Prioritäten des Kanzlers sind deutlich verrutscht.
Unmut droht ihm dafür nicht nur von Seiten der EU-Kommissionspräsidentin
[3][Ursula von der Leyen]. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
setzte sich für ein höheres EU-Budget ein und brachte sogar neue Schulden
ins Gespräch. Davon will der Bundeskanzler wiederum nichts hören, obschon
die EU erst auf sein Drängen gerade neue Schulden für die Ukraine
aufgenommen hat.
Der „Gipfel der Geizigen“ könnte die EU spalten. Ein Gutes hat der Vorstoß
des Kanzlers aber vielleicht doch: Die roten Linien sind klar. Das ist
wichtig – denn ohne die Nettozahler oder gar gegen Deutschland wird es kein
EU-Budget geben. Europa muss sich auf dauerhaft knappe Kassen einstellen.
Merz hat die Grenzen des Machbaren abgesteckt – aber auch die Grenzen der
Solidarität. Sie sind verdammt eng, der neue deutsche Egoismus ist nicht
mehr zu übersehen.
30 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /EU-Haushalt/!t5054639
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(DIR) [3] /EU-plant-Rekordhaushalt/!6101147
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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