# taz.de -- Streit um EU-Budget: Merz prescht mit „Gipfel der Geizigen“ vor
> Der Kanzler will es wissen und schart einen Kreis der EU-Nettozahler um
> sich. Mit seinem Konfrontationskurs zum Budget droht er die EU zu
> spalten.
(IMG) Bild: Treffen der „Geizigen“ im Kanzleramt in Berlin am Donnerstag
Der Streit über das künftige EU-Budget für die Jahre 2028 bis 2034 spitzt
sich zu. Während EU-Ratspräsident António Costa durch die europäischen
Hauptstädte tingelt, um einen Konsens über den mittelfristigen Finanzrahmen
(MFR) zu suchen, [1][hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)] eine
Abwehrfront der „frugalen“ (geizigen) Mitgliedsländer geschmiedet. Damit
riskiert er, die EU zu spalten.
Nach einem Treffen im Kanzleramt in Berlin ging Merz auf
Konfrontationskurs. Die Vorschläge der EU-Kommission seien „schlicht
unbezahlbar“, sagte der Kanzler nach Gesprächen mit seinen Amtskollegen aus
Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Österreich und Schweden. Der
Kommissionsvorschlag von rund zwei Billionen Euro müsse „um mehrere Hundert
Milliarden Euro reduziert werden“.
Der künftige EU-Haushalt dürfe nur moderat wachsen und müsse stärker auf
Sicherheit und Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit, Migration und
Souveränität ausgerichtet werden, fordern Deutschland und die fünf
gleichgesinnte Staaten in einer gemeinsamen Erklärung. „Wir sind nicht
geizig“, betonte Merz. Es gehe vielmehr darum, den Haushalt zu
modernisieren und finanzierbar zu halten.
Dennoch gleicht das Treffen der Nettozahler einer Kampfansage. Zum einen
erschwert es die Kompromisssuche, um die sich neben Ratspräsident Costa
auch [2][die irische Ratspräsidentschaft] bemüht. Dass Merz jetzt schon
Pflöcke einschlägt, könnte diese Bemühungen im Keim ersticken. Zum anderen
steht der Sparappell in scharfem Kontrast zur Ausgabenfreude, wenn es um
Rüstung und Verteidigung geht.
## Frankreich hätte gern neue EU-Schulden
Merz fordert mehr Geld für die Nato und für die Ukraine. Dies können sich
viele EU-Länder aber nicht leisten. Die Kassen sind leer, im Gegensatz zu
Deutschland können Frankreich, Italien oder Belgien nicht unbegrenzt neue
Schulden für die Aufrüstung machen. Die „Freunde der Kohäsion“ – insgesamt
15 EU-Staaten – setzen auf ein höheres EU-Budget, um die Lücken zu füllen.
Frankreich hat sogar neue EU-Schulden ins Gespräch gebracht.
Für die „Sparsamen“ ist das ein rotes Tuch. In ihrer Erklärung lehnen die
sechs Staaten eine neue europäische Schuldenaufnahme strikt ab. Diese sei
„keine Lösung für unsere haushaltspolitischen Herausforderungen“ und keine
Alternative zu Strukturreformen. Die EU-Institutionen müssten ihre Aufgaben
zudem mit dem bestehenden Personalbestand bewältigen, heißt es in der
Erklärung.
Dies ist auch eine Klatsche für die EU-Kommission und ihre Präsidentin
Ursula von der Leyen. Die CDU-Politikerin braucht mehr Personal – unter
anderem für die neue europäische Verteidigung und zur Durchsetzung der
EU-Internetgesetze gegen die widerspenstigen US-Konzerne. Außerdem soll das
Personal bei der europäischen Grenzschutzagentur Frontex massiv aufgestockt
werden.
Mit Entscheidungen wird erst im Herbst gerechnet. Die nächste große
Verhandlungsrunde ist beim EU-Gipfel im Oktober geplant, den Ratspräsident
Costa vorbereitet. Bereits im Dezember sollen die Verhandlungen dann in die
Zielgerade gehen. Merz fordert eine Einigung noch in diesem Jahr – doch
dieses Ziel könnte er mit dem „Gipfel der Geizigen“ in Berlin selbst
durchkreuzt haben.
27 Aug 2026
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(DIR) Eric Bonse
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