# taz.de -- US-Sanktionen gegen Strafgerichtshof: Das Weltgericht lahmlegen, aber nicht sofort
> Die US-Regierung setzt dem Internationalen Strafgerichtshof eine Frist
> von 180 Tagen. Danach will sie ihm „ein Ende setzen“. Wie reagiert die
> EU?
(IMG) Bild: Zeigt sich selbst einen Vogen: US-Außenminister Marco Rubio
Das US-Außenministerium hat am 9. Oktober den Internationalen
Strafgerichtshof (IStGH) [1][mit Sanktionen belegt]. Das Weltgericht ist
damit vom Zahlungsverkehr mit US-Finanzinstitutionen ausgeschlossen, seine
Bankkonten sind gesperrt und US-Staatsangehörige oder Unternehmen in den
USA dürfen keinerlei geschäftliche Transaktionen mit dem Gericht tätigen.
Da es keinen internationalen Zahlungsverkehr und auch keine
Onlineaktivitäten ohne Beteiligung von US-Unternehmen gibt, außer in
wenigen Ländern wie Nordkorea, legt dieser Beschluss das Weltgericht
faktisch komplett lahm. Die Maßnahme erweitert die bestehende
[2][US-Sanktionsverordnung 14203] vom 6. Februar 2025, die bereits Visa-
und Finanztransaktionsrestriktionen gegen einzelne Mitarbeiter des IStGH
verhängte. Dies wird nun erweitert und auf das Gericht an sich ausgedehnt.
„Wir werden Transaktionen mit diesem Schurkengericht verbieten, ihre
Ressourcen abschneiden und ihre Tätigkeit lahmlegen“, erklärte
US-Außenminister Marco Rubio.
Das Inkrafttreten der Sanktionen ist für 180 Tage ausgesetzt, also bis 7.
Mai 2027. Wie [3][das US-Finanzministerium in seinen Sanktionsnotizen]
ausführt, soll dies den vorläufigen Weiterbetrieb des Gerichts sowie seine
„Abwicklung“ ermöglichen. Ohne solche Ausnahmegenehmigungen könnte das Den
Haager Gericht mit sofortiger Wirkung keine Rechnungen oder Gehälter mehr
zahlen und müsste vermutlich dichtmachen und seine Haftanstalt in
Scheveningen an der Nordsee schließen.
Die 180 Tage sind laut US-Außenministerium auch als Zeitfenster gedacht, um
„Fortschritte bei diplomatischen und rechtlichen Lösungen, die den
wichtigsten US-Sorgen über den IStGH Rechnung tragen“, zu ermöglichen. Laut
Rubio geht es vor allem darum, dass keine US-Amerikaner verfolgt werden
können. „Entweder der IStGH setzt seinen Drohungen ein Ende oder wir setzen
dem IStGH ein Ende“, [4][erklärte das US-Außenministerium]. Die USA
erwarteten, dass ihre Verbündeten sie dabei unterstützten.
## Was kann die EU tun?
Die denken aber nicht daran. Zahlreiche europäische Länder reagierten mit
scharfer Kritik. [5][Die EU nannte] die Sanktionen „inakzeptabel“ und
forderte ihre Rücknahme, begrüßte aber zugleich, dass die USA sie nicht
sofort umsetzen wollten und Dialog suchten.
Beim wöchentlichen Treffen der EU-Außenminister am Montag dürfte unter
anderem diskutiert werden, rechtzeitig zum Ablauf der 180-Tage-Frist die
sogenannte [6][„Blocking-Verordnung“ der EU] zu aktivieren. Diese
Verordnung, ursprünglich 1996 zum Umgang mit den US-Sanktionen gegen Kuba
ins Leben gerufen, ermöglicht es, von anderen Ländern verhängte Sanktionen
für ungültig auf EU-Gebiet zu erklären und Unternehmen aus der EU zu
untersagen, ihnen Folge zu leisten.
Einen solchen Schritt [7][diskutieren EU-Parlamentarier] und Juristen schon
länger. Seine besondere Relevanz in diesem Fall ergibt sich daraus, dass
der IStGH seinen Sitz in Den Haag hat, auf dem Staatsgebiet eines
EU-Mitglieds.
11 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.state.gov/releases/office-of-the-spokesman/2026/10/imposing-sanctions-on-the-international-criminal-court/
(DIR) [2] https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/02/imposing-sanctions-on-the-international-criminal-court/
(DIR) [3] https://ofac.treasury.gov/recent-actions/20261009
(DIR) [4] https://www.state.gov/releases/office-of-the-spokesman/2026/10/imposing-sanctions-on-the-international-criminal-court/
(DIR) [5] https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2026/10/10/international-criminal-court-statement-by-the-high-representative-on-behalf-of-the-eu-following-the-announcement-of-us-sanctions/
(DIR) [6] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:31996R2271
(DIR) [7] https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20261009IPR48086/sanctions-on-the-icc-joint-statement-by-afet-droi-inta-juri-and-d-us-chairs
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
## TAGS
(DIR) Internationaler Strafgerichtshof
(DIR) US-Sanktionen
(DIR) Den Haag
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) GNS
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Maga-Druck auf Internationale Justiz: „Hände weg vom ICC“
US-Präsident Trump fordert alle Staaten auf, aus dem Internationalen
Strafgerichtshof auszusteigen, und kündigt Sanktionen an. Doch es gibt
Widerstand.
(DIR) Sanktionen gegen Spitzenjuristen: USA eskalieren Streit mit internationalem Gericht
US-Regierung erhebt Sanktionen gegen Präsidentin und Spitzenjuristen des
IStGH. Gericht wirft Washington Untergrabung der Rechtsstaatlichkeit vor.
(DIR) Den Haager Haftbefehl gegen Netanjahu: Mamdani will, darf aber nicht
New Yorks Bürgermeister würde Israels Ministerpräsidenten Netanjahu gern
verhaften lassen, wenn er zur UN-Generalversammlung reist. Doch er hat dazu
keine Befugnis.