# taz.de -- Maga-Druck auf Internationale Justiz: „Hände weg vom ICC“
> US-Präsident Trump fordert alle Staaten auf, aus dem Internationalen
> Strafgerichtshof auszusteigen und kündigt Sanktionen an. Doch es gibt
> Widerstand.
(IMG) Bild: Trump bekämpft den Internationalen Strafgerichtshof, auch die Präsidentin Tomoko Akane wurde mit Sanktionen belegt
Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag steht zunehmend
unter Druck: [1][bei seinem jüngsten Auftritt vor der UN-Vollversammlung]
beschimpfte Donald Trump ihn als „skrupellose Institution“ einer
„böswilligen Gruppe von Leuten“, die „außer Kontrolle“ geraten sei.
Höhepunkt der Tirade des US-Präsidenten war der Aufruf an die 125
Mitgliedsstaaten des Gerichtshofs – die USA zählen, ebenso wie Russland,
China, Indien, Israel und die Türkei, nicht dazu – aus dem Tribunal
auszusteigen.
1998 auf Basis des Römischen Statuts gegründet und seit 2002 in Funktion,
ist der IStGH ein Meilenstein in der Geschichte des Völkerrechts. Anders
als der auch in Den Haag angesiedelte Internationale Gerichtshof (IGH), der
Streitigkeiten zwischen Staaten verhandelt, richtet sich der IStGH an
individuelle Angeklagte. Zu Last gelegt werden diesen besonders schwere
Straftaten wie Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die
Menschlichkeit und Angriffskrieg. Seine eigene Rolle sieht er im weltweiten
Kampf gegen Straflosigkeit, wobei er laut Website nationale Gerichte
„ergänzen, nicht ersetzen“ will.
Vor allem seit der Rückkehr Trumps ins Weiße Haus trifft den Gerichtshof
verstärkt der Zorn der MAGA-Anhänger. Das liegt zum einen am Haftbefehl
[2][gegen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu]. Diesen erließ der
IStGH im November 2024, ebenso wie gegen dessen [3][ehemaligen
Verteidigungsminister Joav Gallant] und die Hamas-Führer Mohammed Deif,
Ismail Hanija und Jahja Sinwar. Zweiter Grund sind die Ermittlungen gegen
US-Bürger wegen vermeintlicher Kriegsverbrechen in Afghanistan, die der
IStGH zuließ.
Schon 2020, während Trumps erster Amtszeit, verhängte die US-Regierung
wegen dieser Entscheidung Sanktionen gegen die damalige Chefanklägerin,
Fatou Bensouda. Unter Joe Biden wurden die Massnahmen gegen Bensouda
zurückgenommen. In seiner UN-Rede zu Wochenbeginn kündigte Trump an, man
werde nie zulassen, dass gegen amerikanische Bürger ermittelt werde oder
diese „in Schauprozessen von einem anti-amerikanischen Tribunal, das keine
Jurisdiktion über uns hat“, belangt würden.
## Plant Trump weitere Sanktionen gegen de IStGH?
Kurz zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, Trump bereite
„einschneidende Sanktionen“ gegen den IStGH vor, die diesen vom globalen
finanziellen System weitgehend abschneiden würden. Details sind bislang
nicht bekannt. Deutlich hingegen ist, dass der US-Präsident damit den Druck
auf den Gerichtshof deutlich verschärft. Bereits kurz nach Beginn seiner
zweiten Amtszeit 2025 verhängte er ein Einreiseverbot gegen Führungskräfte,
Angestellte und Mitarbeitende des Gerichtshofs sowie deren engste
Familienmitglieder.
Im Sommer 2025 belegte die US-Regierung außerdem vier Den Haager
Richterinnen mit persönlichen Sanktionen. Laut Außenminister Marco Rubio
hätten diese „aktiv an den gesetzeswidrigen und unbegründeten Aktionen des
Strafgerichtshofs gegen Amerika und unseren treuen Verbündeten Israel
teilgenommen“. Zwei von ihnen hätten „unbegründete Ermittlungen“ gegen
US-Militärs in Afghanistan angeordnet, den anderen wurden die „illegitimen
Haftbefehle“ gegen Netanjahu und Gallant angelastet. Alle vier dürfen in
den USA weder Besitztümer haben noch Geschäfte mit US-Firmen oder Bürgern
tätigen. Es folgten weitere Sanktionen gegen Richter und Ankläger, zuletzt
die [4][Präsidentin Tomoko Akane] und den derzeit leitenden Anwalt
Abdoulaye Seye.
In den letzten beiden Jahren stand der ICC, so der englische Name des
Tribunals, auch wegen der Ermittlungen gegen den eigenen Chefankläger Karim
Khan im Fokus. Diesem werden sexuelle Übergriffe gegen Mitarbeiterinnen und
Machtmissbrauch vorgeworfen, was Khan bestreitet. Seit 2025 war Khan nicht
mehr offiziell in seinem Amt in Erscheinung getreten, im Juli wurde er
dessen per Abstimmung der Vertragsstaaten auf einer Sondersitzung enthoben.
Zuvor war er bereits suspendiert worden.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul kündigte im Deutschlandfunk an,
man werde sich „selbstverständlich“ nicht aus dem Gerichtshof zurückziehen.
Der IStGH sei „eine wichtige Institution“ und als „Teil einer
regelbasierten Ordnung“ ein Ausdruck von „Gewaltenteilung,
Rechtsstaatlichkeit und Durchsetzung von Humanität“.
## Unterstützung aus den Niederlanden
Unterstützung bekam er von Rob Jetten, dem niederländischen
Premierminister. Dieser wandte sich, ebenfalls vor der UN-Vollversammlung,
entschieden gegen das „Untergraben von Institutionen, die Menschen und
Bevölkerungsgruppen schützen“. Angesichts der Angriffe auf den
Strafgerichtshof könne es nur eine Antwort geben: „Hände weg vom ICC und
allen anderen Institutionen, die die internationale Rechtsordnung
schützen.“
Die Folgen dieser Demontage sind bereits sichtbar: etwa in Luxemburg, wo
die staatliche Bank Spuerkeess Anfang des Jahres zwei Konten des
Strafgerichtshofs schloss, aus Angst vor möglichen negativen Auswirkungen
auf ihre US-amerikanischen Geschäftsbeziehungen. Die linke Opposition warf
der Regierung daraufhin vor, aus vorauseilendem Gehorsam gegen Trump bei
der Verteidigung des IStGH versagt zu haben.
25 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Müller
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