# taz.de -- Israels Vorgehen im Westjordanland: Die Spirale der Gewalt dreht und dreht sich
       
       > Mit der Großoffensive im besetzten Westjordanland will Regierungschef
       > Netanjahu noch punkten. Am Dienstag wird gewählt, und der Ausgang ist
       > offen.
       
 (IMG) Bild: Von Diplomatie ist im Wahlkampf kaum die Rede
       
       Noch einmal Stärke zeigen auf den letzten Metern vor den Parlamentswahlen
       in Israel will Mr Security alias Benjamin Netanjahu, der auf Plakaten
       seiner Likud-Partei als „der Mann, der für uns kämpft“, propagiert wird. Um
       das erneut mit einer [1][militärischen Großoffensive] zu demonstrieren, kam
       – so zynisch es klingt – der Tod zweier israelischer Soldaten nahe Hebron
       im Westjordanland genau zur rechten Zeit. Denn das Attentat auf die beiden
       Männer rechtfertigt aus israelischer Sicht die Vertreibung von über 2.000
       PalästinenserInnen, die – wie schon so oft – kollektiv bestraft werden.
       
       An diesem Dienstag wird ein neues Parlament gewählt. Es könnte knapp werden
       für den amtierenden Regierungschef, der sein Land zu allem anderen als mehr
       Sicherheit führte. Sein Versprechen, die Hamas im Gazastreifen ein für alle
       Mal auszumerzen, konnte er ebenso wenig wahrmachen wie den angestrebten
       Sturz der iranischen Führung. Die libanesisch-schiitische
       [2][Terrororganisation Hisbollah] ist zwar stark geschwächt, aber trotzdem
       noch immer eine Bedrohung, vor allem für die Bevölkerung im Norden Israels.
       
       An keiner der vielen Fronten, an denen das kleine Land im Nahen Osten
       derzeit kämpft, hat das massive Vorgehen des Militärs auch nur annähernd zu
       einer Lösung geführt, im Gegenteil. Ohne diplomatische Perspektive wird
       sich die Spirale der Gewalt immer weiter drehen. Man stelle sich nur vor,
       was momentan in den Köpfen der gewaltsam aus ihren Häusern vertriebenen
       PalästinenserInnen vor sich geht.
       
       Von Diplomatie ist im Wahlkampf indes kaum die Rede. Mit der Hoffnung auf
       eine friedliche Koexistenz und zwei Staaten für zwei Völker ist in Israel
       keine Wahl zu gewinnen – nach dem Massaker vom [3][7. Oktober] weniger denn
       je. Stattdessen ist Sicherheit das zentrale Thema. Nicht länger nur nach
       dem Motto „Wir können es besser“, sondern nun nach der Parole „Ihr seid
       schuld an der Gewalt“, zieht [4][Verteidigungsminister Israel Katz] (Likud)
       kurzerhand die Opposition für kommende Attentate präventiv zur
       Verantwortung. Katz nennt namentlich drei Parteichefs vom sogenannten Block
       des Wandels, die sich gegen Netanjahu und seine rechtsextremen Minister
       verbündet haben.
       
       Der Vorwurf ist absurd. Denn es ist ja grade die offen rassistische
       Regierung, die die Gewalt mitverschuldet, indem sie die israelische
       Besiedlung im besetzten Land vorantreibt, die palästinensische Bevölkerung
       vertreibt und die [5][gewaltsamen Siedler]Innen weder stoppt noch ahndet.
       Die Palästinenser werden die Wahl mit Bangen verfolgen. Ebenso wie
       diejenigen Israelis, für die Menschenrechte noch eine Bedeutung haben.
       
       25 Oct 2026
       
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